Streckenfest mit historischen Sonderzügen

Alte Dampflok ist die Attraktion

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Riesige Räder aus tonnenschwerem Stahl: Die fast 60 Jahre alte Technik der in Kassel gebauten Dampflok fasziniert auch heute noch viele Menschen.

Korbach - Dampf, Ruß und fauchende Maschinen: Das Streckenfest der Kurhessenbahn hat am Wochenende Tausende Eisenbahnfans nach Korbach gelockt.

Schweiß und Kohlenstaub bilden ein öliges, schwarzes Konglomerat auf Gordon Linkhoffs Gesicht. Mit bis zu fünf Tonnen Steinkohle pro Tag füttert der Heizer die Dampflok der Baureihe 23. Am Sonntagmittag hat er schon knapp drei Tonnen in den hungrigen Heizkessel geschaufelt. „Auf jede Schippe passen etwa 15 bis 20 Kilo“, sagt Linkhoff und grinst: „Da spart man sich die Muckibude.“

Die 1954 bei Henschel in Kassel gebaute alte Dame muss eine Zwangsverschnaufpause auf dem früheren Korbacher Güterbahnhof einlegen: Minderwertige Kohle hat den Rost verstopft, die Sauerstoffzufuhr für das Feuer ist abgeschnitten.„Die Kohlenqualität ist heutzutage eine Herausforderung für die Museumsbahnen“, sagt Stephan Brand. Der studierte Elektrotechniker hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht - und sich bei der Museumsbahn Darmstadt-Kranichstein vom Heizer zum Dampflokführer hochgearbeitet.

„Eine Dampflok muss sein“, sagt Streckenfest-Organisator Jens Wrablitz von der Kurhessenbahn. Die fauchende und dampfende Maschine ist der Publikumsmagnet schlechthin. „Und heute ist richtig viel los“, freut sich Wrablitz am Sonntag.

Zum Zehnjährigen der Kurhessenbahn sind auf der Strecke Brilon - Kassel neben dem Dampfross auch alte Dieselmaschinen zu Sonderfahrten unterwegs, etwa der rote Schienenbus, der als „Ferkeltaxi“ zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat. Weitere Loks parken als Ausstellungsstücke auf den Gleisen des alten Güterbahnhofs. Darüber hinaus lockt ein buntes Rahmenprogramm: Musik, Kinderprogramm, Modelleisenbahnen, Vorführungen des Technischen Hilfswerks und vieles mehr lassen keine Langeweile aufkommen. Korbach bildet das Zentrum des Streckenfestes, aber auch in Bad Arolsen und Volkmarsen gibt es für Eisenbahnfans viel zu sehen.

In zwei Jahren wird die Kurhessenbahn wieder Streckenfest feiern. Dann vielleicht schon auf der reaktivierten Südschiene zwischen Korbach und Frankenberg. „Das Projekt kommt“, zeigte sich NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel bei der Streckenfest-Eröffnung am Samstag überzeugt. Und nicht nur das: „Ich bin sicher, dass es nicht beim Zwei-Stunden-Takt bleibt, sondern dass er in Kürze halbiert wird.“

(von Lutz Benseler)

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