Korbacher Gymnasium sieht pädagogische Gründe für Verlängerung der Schulzeit

Alte Landesschule will zurück zu G9

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Korbach - Die Gesamtkonferenz der Alten Landesschule hat beschlossen, wieder zu G9 zurückzukehren. Die Uplandschule und die Christian-Rauch-Schule haben diese Entscheidung schon getroffen.

Eigentlich sollte bei der Lehrerkonferenz an der Alten Landesschule (ALS) am Dienstagabend erst noch eingehend über das Thema „G8 oder G9“ diskutiert werden, „doch dann kristallisierte sich bei der Sitzung schon sehr deutlich heraus, dass eine sehr große Mehrheit der Lehrerschaft für die Rückkehr zu G9 ist und so wurde die Entscheidung dann auch am selben Abend noch getroffen“, erklärt Schulleiter Robert Gassner auf Nachfrage der Waldeckischen Landeszeitung.

Die Entscheidung der Lehrer bedeute nicht, dass die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium bereits beschlossene Sache sei. Mehrere Parteien müssten noch angehört, formale Schritte beschlossen werden. „Die Schüler- und die Elternvertretung müssen dazu noch entscheiden, außerdem muss die Schulkonferenz mit einer Zweidrittel-Mehrheit zustimmen“, beschreibt Gassner das Prozedere. Formal hat vor allem der Landtag noch über die entsprechende Gesetzesänderung zu entscheiden; vorgesehen sei die Einbringung des Gesetzes im Dezember 2012. Auf dieser Rechtsgrundlage müsste die Lehrerschaft im Januar 2013 noch einen formalen Beschluss zur Sache treffen, Schulträger und Staatliches Schulamt hätten auch noch mitzureden – „und die letzte Entscheidung liegt dann beim Hessischen Kultusministerium“, fasst Gassner zusammen.

Entscheidet das Ministerium nach den Wünschen des ALS-Kollegiums, kommen die Fünftklässler in den Genuss von G9, die zum Schuljahr 2013 aufs Gymnasium wechseln. Alle Jahrgänge, die bislang nach den G8-Richtlinien arbeiten, würden nach dem System auch weiter unterrichtet, würden ihr Abitur also bereits nach acht Jahren ablegen, erklärt Gassner.

Die Entscheidung, den Kindern und Jugendlichen wie einst wieder ein Jahr mehr Zeit bis zur Reifeprüfung zu geben, habe viele pädagogische Argumente. So gebe das zusätzliche Jahr den Schülern die Möglichkeit, Lehrstoff wirklich zu verinnerlichen, anstatt ihn nur auswendig zu lernen, sagt Gassner.

Auch sei mehr Zeit für verstärkte Wiederholungsphasen möglich – auch im Unterricht. Zudem hätten Pädagogen die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler in verschiedenene Fächern bei der verkürzten Schulzeit oft noch gar nicht die Reife besitzen würden, um den Stoff begreifen und auf Fragen mit dem Niveau antworten zu können, welches das Kollegium bis dahin eigentlich gewöhnt gewesen sei. Für die Entwicklung der jungen Leute sei es zudem wichtig, einen Nachmittag auch mal freier gestalten zu können.

Dabei schränkt Gassern ein: „Allein die Rückkehr zu G9 bringt für die Schüler nicht das Paradies. Es gab früher bei G9 auch Probleme und es wird Aufgabe der Pädagogen sein, neue Konzepte zu entwickeln, die Erfahrungen der vergangenen Jahre gut zu nutzen und das neunjährige Gymnasium wirklich besser zu machen“.

Die verkürzte Gymnasialzeit wurde an der ALS ab dem Schuljahr 2005/2006 schrittweise eingeführt. Der erste G8-Jahrgang wird im kommenden Jahr sein Abitur machen.

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