Hansestadt plant Erlebnispfad entlang des mittelalterlichen Schutzwalls

Alte Mauern in neuem Licht

Kilianskirche, Korbachs Museumsinsel (l.) und die Reste des alten Mönchehofs neben dem Kilian formen ein wertvolles Ensemble im historischen Kern der Hansestadt. Fotos: Kleine

Korbach - Der doppelte Mauerring um Korbachs historischen Kern soll zum Erlebnispfad werden. Ob Einheimische oder Gäste - beim Spaziergang entlang der Stadtmauer werden sie künftig mehr erfahren über spannende Seiten der alten Hansestadt.

Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah? Wer mittelalterliche Stadtgeschichte hautnah erfahren möchte, muss nicht eigens ins Weltkulturerbe Quedlinburg reisen. Denn Mauern und Fachwerk der alten Hansestadt Korbach haben gleichfalls spannende Geschichte(n) zu erzählen.

Ein Ausflug auf der elektronischen Datenautobahn bestätigt dies. Beim Google-Stichwort „doppelter Stadtmauerring“ prangt Korbach ganz weit oben. Der Schutzwall mit seinen steinernen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert ist also ein herausragendes Merkmal, mit dem sich die Kreisstadt in Szene setzen kann. Und just den weitgehend erhaltenen doppelten Mauerring will die Hansestadt künftig auch stärker herauskehren - ob für Einheimische oder Besucher.

Projekt 2014 umsetzen

Schon 2014 soll das Projekt verwirklicht werden, das Dr. Marc Müllenhoff (Wirtschaftsförderung/Stadtmarketing) diese Woche in den Ausschüssen des Parlaments skizzierte: einen „stadtgeschichtlichen Kultur- und Erlebnispfad“.

Der soll zugleich die Verknüpfung von Altstadt und Fußgängerzone noch weiter vertiefen. Gedanke: Die Goldspur mit symbolischen Talern im Pflaster verbindet Bahnhof und Rathaus bereits gut. Aber welcher Besucher findet den Pfad zwischen Wollweberturm und Amtsgericht? Und auch der wahre historische Kern der Kreisstadt könnte viel glänzender zum Ausdruck kommen - im Triangel von Kilianskirche, Mönchehof und Museum.

Die bestehende Goldspur und ein neuer Erlebnispfad entlang der Stadtmauer lassen sich intensiv miteinander verknüpfen. Überdies „brauchen wir ein vernünftiges Wegeleitsystem“, unterstrich Müllenhoff, um Besucher noch besser durch Korbach zu lenken - ob Denkmäler, Museum, Fußgängerzone oder Behörden.

Für den Erlebnispfad entlang der Stadtmauer hat Müllenhoff elf Stationen geplant. Ausgangspunkt soll das Areal zwischen Museum und Kilianskirche sein, wo Korbachs Siedlungsgeschichte vor über 1000 Jahren mit einem Reichshof der Frankenkönige begann.

Zusätzlich peilt die Stadt an, Besonderheiten entlang der Mauer durch Beleuchtung besser in Szene zu setzen. Außerdem sind 25 neue Wegweiser im Herzen Korbachs vorgesehen.

Förderung der EU

Alles zusammen addiert sich auf rund 77 000 Euro - die zu 70 Prozent aus europäischen Fördermitteln des Leader-Programms (Naturpark Diemelsee) gespeist werden können. Verbleiben also rund 32 000 Euro für die Stadt.

Durch die günstigen Förderbedingungen soll das Projekt 2014 umgesetzt werden, Bürgermeister Klaus Friedrich will es entsprechend im neuen Haushaltsplan verankern.

Bei den Stadtverordneten im Bauausschuss stieß das Vorhaben auf reges Interesse. „Das hört sich alles hervorragend an“, meinte Andreas Ruppert (CDU). Zumal bei den Planungen weitere Ideen aus dem Parlament einfließen können.

Doch hätten sich Ruppert und Ausschusskollege Ralph Backhaus das ganze Konzept schon schriftlich gewünscht, nicht nur als mündlichen Vortrag. Rathauschef Friedrich verwies derweil auf einen „laufenden Prozess“ für den Erlebnispfad - der im März 2014 dann bei einer Bürgerversammlung auch öffentlich im Detail vorgestellt werden soll.

Basis für den Erlebnispfad war eine Studie des Lichtenfelser Büros „Bioline“, das die Regionalentwicklung rund um den Naturpark Diemelsee begleitet. Zudem flossen Ideen von Studenten der Universität Kassel („Frischer Wind für Korbachs Kern“) in die Überlegungen ein. (jk)

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