Zu Baufällig: Historisches Gemäuer in Meineringhausen wird derzeit abgerissen

Alte Schule verschwindet aus Dorfbild

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Stück für Stück verschwindet eines der drei Klassenzimmer in der alten Meineringhäuser Schule: Die Stadt Korbach lässt das baufällige Gemäuer an der Sachsenhäuser Straße abreißen. Dort soll ein begrünter Platz mit Blick auf die Walmehalle entstehen.Foto: -sg-

Korbach-Meineringhausen - Ein Stück Dorfgeschichte geht zu Ende: Die alte Schule an der Hauptstraße wird abgerissen. Dort entsteht ein begrünter Platz.

Etwas Wehmut verspürt Friedhelm Schmidt schon: 1963 hat er das ockerfarbene Gebäude als „ABC“-Schütze betreten. Drei Lehrer gaben den Kindern der damaligen Volksschule das Rüstzeug für ihr weiteres Leben mit. Dieses Zeugnis der Dorfgeschichte verschwindet: Eine Fachfirma aus Wetter reißt das historische Gebäude derzeit ab.

Ihr bis zu dieser Woche vertrautes Aussehen hatte die Schule 1928 erhalten: Nach Ostern war das 1888 erbaute einstöckige Backsteinhaus umgebaut und erheblich erweitert worden. Drei Klassenräume und zwei Lehrerwohnungen entstanden. Sogar eine Zentralheizung wurde eingebaut. Am 9. Dezember 1928 wurde die Schule feierlich eingeweiht. Baukosten: 40 000 Reichsmark. Generationen von Meineringhäusern haben dort das Rechnen und Lesen gelernt.

Schule 1971 geschlossen

Doch 1971 wurde die Schule geschlossen, die Meineringhäuser Kinder mussten erst nach Höringhausen, dann nach Sachsenhausen. Die Stadt verkaufte das Gebäude an zwei Lehrer, die dort wohnten. Die letzte Bewohnerin starb 2012. Danach stand das Gebäude leer. Lange war kaum etwas in den Unterhalt gesteckt wurden, so wurde aus dem einstigen Stolz der Meineringhäuser ein „Schandfleck“, wie viele im Dorf sagten. Auch der Vorgarten verwilderte.

Nach Monaten der Verhandlungen verkaufte die Tochter der letzten Bewohnerin das Haus 2013 zu einem „Anerkennungspreis“ an die Stadt, die es nun abreißen lässt.

„Das Gebäude war baufällig“, berichtet Schmidt. Es zu erhalten und vielleicht den Kindergarten dort einzurichten, wäre zu aufwendig gewesen: In den einstigen Klassenzimmern waren noch Holzfenster mit Einfachverglasung, die Substanz war marode, Treppen waren zum Teil eingestürzt - „da hätte man Millionen reinstecken müssen.“ Auch die Landesdenkmalpflege habe nach mehreren Besichtigungen gesagt, das Gebäude könne abgerissen werden, erklärt Schmidt. „Es war nicht mehr zu halten.“ Die Schule stand zwar nicht unter Denkmalschutz, aber da sie das Dorfbild geprägt hat, musste das Amt den Plänen zustimmen.

Auch gestern verfolgten einige ältere Einwohner, wie das Gebäude abgetragen wird. Mit der stählernen Schaufel zerlegt ein Baggerfahrer den Bau: Er reißt Stahlträger und Holzkonstrutionen heraus und legt sie gesondert ab, dann drückt er die Backsteinmauern ein und sammelt den Steinschutt. Alte Heizkörper und Dachrinnen haben Arbeiter am Rand zusammengetragen. Da die Schule unterkellert ist, muss erst das Mauerwerk aus dem Boden geholt werden. Dann wird das Gelände wieder aufgefüllt, planiert und zunächst geschottert.

Friedhelm Schmidt blickt schon nach vorn, das Ergebnis der Neugestaltung vor dem inneren Auge: Durch den Abriss werde mehr Raum um die Walmehalle geschaffen, berichtet er - sie sei künftig besser von der Sachsenhäuser Straße aus zu sehen. Auf dem freien Gelände solle ein Platz mit zwei Parkstreifen geschaffen werden, der beim Dorfjubiläum im nächsten Jahr eine besondere Rolle spiele: Im Sommer ist in den Straßen rund um die Halle ein „Stehender Festzug“ geplant, der neue Platz wird mit einbezogen.

Schmidt hofft, dass das Gelände schon beim ersten Ereignis der 775-Jahr-Feier nutzbar ist: beim Neujahrsempfang am Sonntag, 18. Januar, verbunden mit einem großen Festakt.

Der Platz soll noch eingegrünt werden. Ober er noch in den nächsten Wochen eingesät werden kann, hängt vom Wetter ab. Spätestens Anfang nächsten Jahres soll die Gestaltung abgeschlossen sein. Die Erinnerung an die geschichtsträchtige Stätte soll dabei nicht zu kurz kommen: Eine Tafel könnte an die alte Schule erinnern.

Von Dr. Karl Schilling

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