Daniel Kallen ist neuer Pfarrer in der Gemeinde Obernburg-Itter

Altes und Neues miteinander verbinden

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Pfarrer Daniel Kallen hat am 2. Mai seine Pfarrstelle in Obernburg angetreten. Foto: Theresa Demski

Vöhl-Obernburg - Er hat einen Faible für Geschichte, wenn sie erlebbar wird, für Tradition im Gottesdienst und für eine lebendige Gemeinde: Daniel Kallen ist seit Mittwoch der neue Pfarrer in der Gemeinde Obernburg-Itter.

In seinem großen hellen Wohnzimmer in Obernburg stehen schon die ersten Möbel und auf der Kommode steht ein altes Bild von Paul Gerhardt. „Seine Lieder und Texte liegen mir am Herzen“, sagt Daniel Kallen. Und obwohl der 35-Jährige noch mitten im Einzug in das Obernburger Pfarrhaus steckt, hat er dem alten Bild des Theologen und Kirchenlieddichters deswegen schon seinen Platz zugewiesen.

Forschen und begegnen

Traditionelle Kirchenlieder, Melodien, die Christen seit vielen Hundert Jahren singen und die Generationen verbinden: Sie bedeuten dem neuen Pfarrer der Gemeinde Obernburg-Itter etwas. „Und das Spannende ist nun, Altes mit Neuem zu verbinden“, ergänzt er. Er erinnert sich gut an seine Kindheit, als er im Gottesdienst die Erwachsenen beobachtete, den Pfarrer, der den Kelch für das Abendmahl vorbereitete. „Das hat mich interessiert und berührt“, sagt er.

Nach der Hauptschule und der mittleren Reife entschied sich der gebürtige Fuldaer aber erst mal für eine Ausbildung zum Industriekaufmann. „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, da war ein Studium erst mal nicht vorgesehen“, sagt er. Der Wunsch, Pfarrer zu werden, aber keimte seit der frühen Jugend in ihm. „Nach der Ausbildung habe ich den Traum dann wahr gemacht“, erinnert er sich. Er ging nach Be­thel, schaffte die schweren Sprachen, studierte dann in Münster und Marburg weiter.

„Ich habe immer versucht, mich selber einzuordnen“, sagt der Junggeselle, „Wissenschaftler oder Praktiker.“ Aber er sei dabei zu keinem Ergebnis gekommen. „Ich besinne mich gerne auf die biblischen Texte, forsche und lese, gehe gerne in die Tiefe.“ Auch seine Leidenschaft für die Geschichte rührt daher. „Wenn die Geschichte lebendig wird und wir ihre Bedeutung für die Gegenwart begreifen, dann bin ich in meinem Element“, sagt er.

Eben darin liegt aber auch die Liebe zur Praxis. Eine lebendige Gemeinde wünscht er sich, die Verbindung zu Vereinen. „Ich mag die Begegnungen mit Menschen“, sagt er, „und ich wünsche mir, dass sie die Kirche als Teil ihrer Gesellschaft empfinden.“

Vorgeben aber will er seiner neuen Gemeinde nichts: „Ich möchte erfahren, wie die Menschen hier leben, was für sie wichtig ist.“ Und dann möchte er eigene Impulse einbringen, die Chöre zur Mitgestaltung im Gottesdienst einladen, alte und neue Strukturen und Formen miteinander verbinden, alte und junge Menschen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ältere sich über die Gesellschaft junger Menschen freuen und Jugendliche es genießen, von Senioren und ihren Geschichten zu lernen.“ Eine Herausforderung, die Daniel Kallen angehen möchte.

Und was er den Menschen mitgeben will? „Es soll erfahrbar und erlebbar werden, was evangelisch ist“, sagt er, „nämlich, dass wir an einen gnädigen und barmherzigen Gott glauben.“ Bei allem, was Menschen erleben, sei die Rede von einem gnädigen Gott zuweilen schwierig. Aber wie einst schon Luther wolle er mit seiner Gemeinde nach einer Antwort auf die Frage nach dem gnädigen Gott suchen.

Kirchen sanieren

Weniger der Theologe in ihm als der Manager ist gefragt, wenn es um die Sanierung der Kirchen in Obernburg und Thalitter geht. „Ich bin da ganz ruhig, weiß aber auch, dass ich nicht alles allein machen muss“, sagt er und hofft auf Unterstützung des versierten Kirchenvorstandes und des Kirchenkreises.

Der Einführungsgottesdienst finden Pfingstmontag um 15Uhr in Obernburg statt.

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