Spanische Fachkräfte finden im Pflegezentrum Lichtenfels eine neue Anstellung

Aus Andalusien nach Rhadern

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Der Leiter des Pflegezentrums, Manuel Gebhardt, und Bewohner Ulrich Falkenberg freuen sich über die Fachkräfte aus Spanien, Laura Rodriguez und Encarnacion Rodriguez (v.l.).

Lichtenfels-Rhadern - Noch klappt es mit der Verständigung nicht so gut, doch das machen sie mit Verständnis wett: Zwei junge Frauen sind eigens aus Spanien nach Lichtenfels umgesiedelt, um im Pflegezentrum Rhadern eine Stelle anzunehmen.

Der Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland und die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien lassen viele Menschen neue Wege in fremde Welten beschreiten: Die examinierten Krankenschwestern Laura Rodriguez und Encarnacion Rodriguez haben im Süden Spaniens keine Stelle gefunden – obwohl sie mit einem fünfjährigen Studium und Zusatzqualifikationen sehr gut ausgebildet sind. Weil sie in ihrem Heimatland für ihre Familien nicht mehr sorgen konnten, entschieden sie sich, ihr Leben über eine Vermittlungsagentur in neue Bahnen lenken zu lassen. „Wir haben hier eine schöne Arbeit, gute Konditionen und eine neue Chance“, sagen die beiden Frauen. Ihr Deutsch klingt noch gebrochen, doch weil sie wochentags jeden Morgen eine Sprachenschule in Korbach besuchen und nachmittags im Alten- und Pflegeheim ihren Dienst versehen, lernen sie schnell. „Sie sind sehr motiviert“, lobt Manuel Gebhardt, Geschäftsführer, Leiter und Inhaber des Pflegezentrums in Lichtenfels. In zwei Häusern werden insgesamt 130 Menschen betreut, 120 Mitarbeiter gehören zum Team; davon arbeiten rund 30 bereits mehr als 20 Jahre im Pflegezentrum Lichtenfels, erklärt Manuel Gebhardt. Er hatte sich im Frühling auf der Suche nach guten Fachkräften an die Agentur in Barcelona gewandt – mit Erfolg. „Von 65 Bewerbern hatte die Agentur mir sechs Fachkräfte vorgeschlagen, die perfekt zu uns passten.“ Die 31-jährige Laura Rodriguez ist mit ihrem anderthalbjährigen Kind und Encarnacion Rodriguez (34) mit ihrer neunjährigen Tochter Ende August in Lichtenfels angekommen, ihre Ehemänner werden ihnen bald folgen. In Sachsenberg haben sie ein neues Zuhause gefunden; Gebhardt half bei Wohnungssuche, Anmeldung in der Schule, Ämtergängen, Möbelkauf. In der kommenden Woche wird eine weitere Fachkraft mit ihrem Mann, der Arzt ist und ebenfalls schon eine Stelle in Aussicht hat, aus Spanien nach Lichtenfels kommen. Während in vielen Branchen vor allem Frauen nur noch Zeitverträge erhalten und „geringfügig“ beschäftigt werden, sind gute Fachkräfte in der Pflege so begehrt, dass sie unbefristete Anstellungen erhalten. Eine Rolle spielt da die gesetzliche Vorgabe, nach der eine Fachkräftequote von 50 Prozent erfüllt sein muss; damit soll die fachlich qualifizierte Versorgung sichergestellt werden. Das Glück, aufgrund ihrer guten Ausbildung eine Festanstellung zu erhalten, haben auch Encarnacion Rodriguez und Laura Rodriguez: Sobald sie den Sprachkurs B2 absolviert haben, werden sie als Fachkräfte anerkannt. Nun ist ihnen und Heimleiter Gebhardt wichtig, dass sie gut integriert werden und sich bald heimisch fühlen in Lichtenfels. Doch da sieht er sie auf einem guten Weg. Im Pflegezentrum reagieren Kollegen und Bewohner offen und in der Freizeit haben sie allein schon durch ihre Kinder Kontakte geknüpft. „Es macht sie glücklich, wenn sie nicht im Abseits stehen“, erklärt Gebhardt. Mit ihrer Arbeit ist er so zufrieden, dass er jederzeit wieder den Weg über die Agentur gehen würde. Gleichzeitig bildet sein Haus nach wie vor aus. Unternehmen und pflegende Angehörige, die mehr über alle Möglichkeiten rund um Pflege wissen möchten, sind zum Informationstag mit 30 Infoständen und Vorträgen eingeladen, der morgen in Goddelsheim stattfindet (md). Der Eintritt ist frei.

Pflegetag am 2. November

„Spagat zwischen Pflege und Beruf“ ist der Titel eines Informationstages, zu dem das regionale Bündnis Beruf und Familie Waldeck-Frankenberg am Samstag, 2. November, ab 11 Uhr in die Mehrzweckhalle Goddelsheim einlädt. Was können Unternehmen tun, die ihre Mitarbeiter bei den familiären Verpflichtungen unterstützen wollen? Welche Beratungs- und Unterstützungsangebote gibt es? Beim Pflegetag werden Lösungsmöglichkeiten für Unternehmen und pflegende Angehörige geboten. Angeboten werden auch Vorträge und Workshops:

l 11.30 Uhr Vortrag „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege - wie Unternehmen Beschäftigte mit Pflegeaufgaben unterstützen können“.

l 13 - 14 Uhr für Unternehmen (Raum 1): „Beruf und Pflege - Tabuthema oder Ins­trument zur Fachkräftesicherung?“ - Für Angehörige und Interessierte (Raum 2): „Gemeinsames Erlernen und Umsetzen von Pflege- und Technikkompetenz“.

l 14.30 - 15.30 Uhr für Unternehmen und Mitarbeiter (Raum 1): „Care Support in Unternehmen - wie häusliche Pflegesituationen den Arbeitsalltag verändern; unterstützende Beratungs- und Schulungsangebote für Arbeitgeber und pflegende Mitarbeiter. - Für pflegende Angehörige und Interessierte (Raum 2): „Wohnen im Alter - Erhaltung der Selbstständigkeit - Erleichterung der Pflege durch bauliche Veränderungen“.

Außerdem gibt es rund 30 Informationsstände.(r)

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