Ein Mindestabstand beim Feuerwerk soll alte Fachwerkhäuser in der Korbacher Altstadt schützen

Angst vor Feuerwerk mit Nebenwirkung

Korbach - Des einen Leid ist des anderen Freud: In der Silvesternacht bangen Bewohner in der Altstadt um die Sicherheit ihrer Fachwerkhäuser. Mindestabstände beim Feuerwerk sollen helfen, den historischen Baubestand zu schützen.

Wenn es am Silvesterabend Mitternacht schlägt, dann haben die Bewohner der alten Fachwerkhäuser in der Korbacher Altstadt zuweilen viel zu tun. Während auf den Straßen mit Feuerwerkskörpern das neue Jahr begrüßt wird, läuft Geert Kulisch im alten Haus Urspruch vom Keller bis zum Dachboden. „Die Sorge davor, dass Feuerwerksraketen ein Feuer im Haus auslösen, ist groß“, erklärt er. Fortwährend kontrolliert er in der Silvesternacht, ob Feuerwerkskörper durch Glasscheiben geschlagen sind, in der Regenrinne schwelen oder in den Nischen des alten Fachwerks liegen. „Die Rauchmelder müssen wir Silvester ausstellen“, sagt er, „denn durch das Fachwerk dringt von allen Seiten Rauch ins Haus“. Ob Feuer oder Feuerwerk, ist für die Bewohner des Fachwerks nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Das Regierungspräsidium weiß um die Sorge der Bewohner und um die Bedrohung des Kulturguts und verweist deswegen pünktlich zur Silvesternacht auf die gesetzlichen Regelungen. „In Paragraf 23 des Sprengstoffgesetzes ist geregelt, wo Feuerwerkskörper nicht gezündet werden dürfen“, heißt es beim Regierungspräsidium. Das gilt etwa für Kirchen, Krankenhäuser, Altenheime und Fachwerkhäuser. „Da muss ein Mindestabstand von acht Metern eingehalten werden“, heißt es weiter aus dem Regierungspräsidium. Außerdem könne die Stadt für besonders brandempfindliche Gebäude Extraregelungen erlassen, die das Zünden von Feuerwerkskörpern dort verbieten könne. Das wünscht sich Geert Kulisch auch für sein „Haus Urspruch“ – fürs Erste allerdings ohne großen Erfolg. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die Häuser in der Alstadt vom Feuerwerk bisher keinen Schaden genommen haben“, heißt es aus dem Rathaus. Deswegen sei auch kein Sondereinsatz zur Kontrolle in der Silvesternacht geplant. „Uns sind aber schon Raketen gegen die Scheiben geflogen“, sagt Kulisch. Und deswegen hat er bereits besonderes Glas einsetzen lassen und verstärkt in der Silvesternacht die Dachbodenfenster mit Holz. „Einmal ist eine Rakete im Wintergarten gelandet und hat dort geschwelt“, erzählt er weiter, „sie wurde aber noch rechtzeitig gefunden.“ Er appelliert an die Feierfreudigen der Silvesternacht, den Min­destabstand einzuhalten und
die Raketen in den Himmel zu schicken und nicht gegen die empfindlichen Hauswände. Unterdessen kündigt die Korbacher Polizei an, in der Silvesternacht gegen Verstöße gegen jenen Paragrafen 23 vorzugehen, sollte ihnen ein solcher gemeldet werden. „Wer den Mindestabstand beim Feuerwerk nicht einhält, riskiert eine Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit“, erklärt Dirk Virnich von der Polizei, „ganz zu schweigen von den Kosten, wenn wirklich ein Haus brennen sollte.“

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