Prozess „Drogenfahrten nach Holland“ vor Landgericht – Plädoyer des Staatsanwalts

Anklage fordert hohe Haftstrafen für Trio

KIassel - Wer bislang auf der Anklagebank noch für einen Spaß zu haben war, dem ist das Lachen spätestens jetzt vergangen. Der Staatsanwalt machte am Freitag den drei Angeklagten in der Verhandlungssache „Drogeneinkäufe in Holland“ am achten Prozesstag vor dem Landgericht Kassel eines klar: Auch der Handel mit weichen Drogen ist kein Kavaliersdelikt.

Josef K. (27), Artur F. (23) und die 22-jährige Hanna K. (Namen von der Redaktion geändert) aus Korbach sollen zwei Jahre lang (Juli 2009 bis Juli 2011) in 64 Fällen Marihuana jeweils in Mengen von bis zu zwei Kilogramm im niederländischen Groningen erworben und in Deutschland verkauft haben.

Lob für Kripo Korbach

Der Frau, Schwester des älteren und Verlobte des jüngeren Angeklagten, wird vorgeworfen, sie habe einige der Autos angemietet, eine Freundin zum Mieten animiert und mehrere Male den zweiten Wagen selbst gesteuert. An der Drogenbeschaffung waren verschiedene Kuriere beteiligt, Freunde oder Bekannte der Angeklagten.

Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer Haftstrafen für alle drei Angeklagten - der 27-Jährige soll sechs Jahre hinter Gitter, der 23-Jährige viereinhalb und die Frau zwei Jahre und acht Monate. Vor Haftantritt sollte Josef K. eine Entziehungskur machen. Während der wegen eines anderen Vergehens bereits inhaftierte Artur F. aufgrund seiner von einem Gutachter festgestellten Entwicklungsdefizite nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden sollte, sei für die Geschwister K. das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden.

Laut Anklagevertreter wurde durch die Zeugenaussagen deutlich, dass es seit 2007 mindestens 120 Fahrten für den Marihuana-Kauf in den Niederlanden gegeben hat. Allerdings seien nur diese angeklagten 64 Fahrten beweisbar. Dazu habe vor allem ein ehemaliger Mittäter aus den Anfangszeiten dieser Drogeneinkaufsreisen beigetragen. Nachdem er bei einer Polizeikontrolle mit dem Marihuana im Auto aufgeflogen war, erklärte er sich bereit, als Kronzeuge auszusagen, weil ihm im Gegenzug eine Bewährungsstrafe zugesichert worden war.

Außerdem lobte der Staatsanwalt die Korbacher Kriminalpolizei, die in akribischer Kleinarbeit, etwa alle Kundenlisten der Autovermieter in der Region durchzuforsten, wodurch die Dimension dieses Falles erst richtig sichtbar geworden sei. Der Anklagevertreter kommt durch die Aussagen der Zeugen, die auf ihn „einen glaubwürdigen Eindruck gemacht haben“, zu dem Schluss, dass nicht wie von Artur F. behauptet, meist ein Kilo Marihuana pro Fahrt bei dem weiterhin unbekannten Dealer in Groningen gekauft worden sei, sondern „im Schnitt mindestens eineinhalb Kilo“.

Während Artur F. an allen 64 Fällen dabei gewesen sein soll, vermutet die Anklage, dass Josef E. an 58 und seine Schwester an 22 Taten beteiligt war. Während Josef und Hanna K. dem Staatsanwalt während dessen Ausführungen selbstbewusst in die Augen schauen können, weiß der 23-Jährige hingegen oft nicht, wohin mit seinem Blick, er wählt meist den Fußboden oder die Saaldecke.

Die Rangordnung innerhalb der Gruppe ist nicht vollends geklärt, denn Josef K. agierte oft im Hintergrund. Allerdings lautete eine Zeugenaussage: Josef K. hatte das Sagen. „Es hat schon Fahrten nach Holland vor Artur F. gegeben“, betonte der Staatsanwalt, deshalb „ist Artur F. in das Boot von Josef K. gestiegen und nicht umgekehrt.“

Die Einstufung der Fälle und die Höhe des Strafmaßes hat der Anklagevertreter auch vom Verhalten der beiden Männer abhängig gemacht. Er attestiert ihnen ein hohes Maß an Kaltschnäuzigkeit. „Da stehen sie mit einer Bewährungsstrafe schon mit einem Bein im Gefängnis, landen dann auch dort, kommen in den offenen Vollzug und haben nichts Besseres zu tun, als die Drogengeschäfte sofort wieder aufzunehmen - das ist gnadenlos.“

Da die Angeklagten mit ihren Drogengeschäften auch gut verdient haben, Einkaufspreis 3,80 Euro pro Gramm und für rund 6 Euro weiterverkauft, plädiert der Staatsanwalt, dass die beiden Männer einen Wertersatz leisten. Artur F. soll 10000 Euro zahlen, Josef K. 15000 Euro.

Kuriere ausgebeutet

Für Hanna K. schließt die Anklage eine Bewährungsstrafe aus, weil sie „zur oberen Ebene der Bande gehörte und auch von den Drogengeschäften profitiert hat“.

Das Strafmaß habe er bei allen Angeklagten bewusst hoch angesetzt, weil das Urteil auch als Abschreckung für Nachahmungstäter dienen solle.

Außerdem müsse ein Unterschied der drei Angeklagten zu den Kurieren deutlich werden. Diese seien von den Haupttätern meist ausgebeutet (Lohn 10 bis 20g Marihuana) worden, hätten für ihre im Verhältnis kleineren Straftaten teilweise auch schon zwei Jahre auf Bewährung erhalten, betonte der Staatsanwalt und fügte hinzu: „Sonst heißt es doch schnell wieder: ,Die Kleinen hängt ihr und die Großen lasst ihr laufen‘.“ (rsm)

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