„Jugendliche begleiten Jugendliche“ durch Wanderausstellung im Bonhage-Museum

Anne Franks Vermächtnis

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Die 27 jungen Ausstellungsbegleiter mit Ernst Klein (Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“), Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Andrea Franke (Jugendhaus) und Marion Lilienthal (Alte Landesschule).

Korbach - „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ heißt die Wanderausstellung des Berliner Anne-Frank-Zentrums, die am morgigen Sonntag eröffnet wird. Dabei begleiten Korbacher Schüler junge Besucher durch das Wolfgang-Bonhage-Museum.

Das Tagebuch der Anne Frank kennen Millionen Menschen in aller Welt. Im Original sind die Aufzeichnungen des jüdischen Mädchens in rotweißen Karostoff eingebunden. Eine originalgetreue Kopie des Tagebuches gehört ebenso zu den Exponaten wie ein gelber Stern, auf dem das niederländische Wort für Jude „Jood“ steht.

Multimedial gestaltet schildern die Bildwände und Exponate das Schicksal Anne Franks, die 1933 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam flüchtete. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in den Niederlanden versteckten sie sich von 1942 bis 1944 in einem Hinterhaus an der Prinsengracht. Dort entstand das weltberühmte Tagebuch, das als Symbol für den Holocaust 2009 von der Unesco in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Nach dem Verrat ihres Verstecks wurde die Familie von den nationalsozialistischen Besatzern deportiert. Anne Frank starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren. In rund 60 Sprachen übersetzt, erreicht ihr 1947 erstmals gedrucktes Vermächtnis eine weltweite Auflage von mehr als 20 Millionen Büchern.

Zitate im Gedankenraum

Kernstück der Ausstellung ist der Gedankenraum, der sich der langen Zeit im Versteck widmet. Audiozitate würdigen Anne Frank als Tagebuchschreiberin und Chronistin ihrer Zeit. Sie ermöglichen ein Nachdenken über die Parallelen und Unterschiede zwischen gestern und heute. Dazu zeigt die Ausstellung die Geschichte des Tagebuchs seit dessen Veröffentlichung.

Die Ausstellung bietet Jugendlichen zudem ein Forum, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die sie an ihr eigenes Leben stellen. Es sind Fragen des Erwachsenwerdens, auf die schon Anne Frank Antworten suchte, nach dem eigenen Ort im sozialen und politischen Leben. Kurze Filme mit Jugendlichen von heute regen zur Diskussion zu diesen Themen an.

Für das umfangreiche Begleitprogramm kooperiert das Bonhage-Museum mit dem Jugendhaus Korbach, dem Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, dem Präventionsbeirat, der Alten Landesschule und den Beruflichen Schulen. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sollen die Gefahren von Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung verdeutlicht und auf die Bedeutung von Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie hingewiesen werden, so die Veranstalter.

Nach dem Konzept „Jugendliche begleiten Jugendliche“ führen Gymnasiasten und Berufsschüler junge Besucher durch die Ausstellung. 27 dieser Begleiter wurden am Mittwoch und Donnerstag von Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen und drei Mitarbeitern des Berliner Anne-Frank-Zentrums geschult. Dabei ging es vor allem um Methoden, mit denen Inhalte, Hintergründe und der Gegenwartsbezug der Ausstellung den jungen Besuchern nahegebracht werden sollen. Außerdem erhielten sie Hinweise für den Umgang mit außergewöhnlichen Situationen, die während einer Führung auftreten können.

Interesse am Thema und daran, es anderen zu vermitteln, die Möglichkeit, museumspädagogische Erfahrungen zu sammeln und rhetorische Fähigkeiten zu schulen, zählten die Schülerinnen und Schüler der Alten Landesschule, des Beruflichen Gymnasiums sowie FOS-Praktikanten der Stadt Korbach als Gründe für ihre Teilnahme auf. Bisher liegen Anmeldungen von 18 Schulen vor, berichtete Völcker-Janssen, weitere werden gerne entgegengenommen. Ratsam sei ein Besuch für Schüler ab der 6. Klasse.

Eröffnung mit Direktor

Zur Eröffnung der Wanderausstellung, die bis zum 26. Mai zu sehen ist, sprechen am morgigen Sonntag um 11.15 Uhr Bürgermeister Klaus Friedrich und Ernst Klein (Volkmarsen), Sprecher der Regionalgruppe des Vereins „Gegen Vergessen“. Schülerinnen der ALS-Geschichtswerkstatt, die von Marion Lilienthal geleitet wird, weisen in einer Lesung auf „Spuren jüdischen Lebens in Korbach“ hin. Das Ausstellungskonzept erläutert Dr. Thomas Heppener, Direktor des Anne Frank-Zentrums in Berlin. Das Streicherensemble der Alten Landesschule (Leitung: Katrin Lange) gestaltet die Vernissage musikalisch.

Anmeldeformulare für Schulklassen, die an einem der von Jugendlichen geführten Besuche teilnehmen möchten, gibt es im Internet unter www.museum-korbach.de.

Vorträge, Filme, Exkursion

Unter dem Titel „Anne Frank. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ finden im April und Mai begleitende Veranstaltungen zur gleichnamigen Ausstellung im Wolfgang-Bonhage-Museum statt. Die Teilnahme ist meist kostenfrei.

l Informationsveranstaltung „Erlebniswelt Rechtsextremismus“. Referenten: Stephan Bürger und Helge von Horn (Projekt „Gewalt geht nicht“, Schwalm-Eder-Kreis), Bürgerhaus Korbach, 15. April, 19.30 Uhr, Zielgruppe: Interessierte, Fachkräfte, Eltern, Lehrer. l (R)echte Freunde (Filmvorführung mit Diskussion) für Schulklassen ab Klasse 7: Jugendhaus Korbach, 16. und 30. April sowie 14. Mai, ab 10.30 Uhr, Anmeldung erforderlich unter Tel. 05631/53950.

l Stadtführung „Jüdisches Leben in Korbach“ mit Marion Lilienthal: Treffpunkt Rathaus Korbach, 18. April, 15 Uhr.

l „Rote Linie“ - Hilfen zum Ausstieg vor dem Einstieg“: Veranstalter: Präventionsrat in Zusammenarbeit mit Dr. Reiner Becker (Beratungs-Netzwerk Hessen, Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus), Feuerwehrstützpunkt Korbach, 22. April, 19.30 Uhr, Anmeldung unter Tel. 05631/53950, Zielgruppe: Funktionsträger in Vereinen und Verbänden und Jugendgruppenleiter.

l „Die Kriegerin“ (Filmvorführung mit Diskussion) für Schulklassen ab Klasse 9: Jugendhaus Korbach, 23. April, 7. und 21. Mai, ab 10.30 Uhr, Anmeldung unter Tel. 05631/53950. l Vortrag „Lebenswege jüdischer Kinder aus Nordhessen“ von Ernst Klein (Verein Gegen Vergessen, Für Demokratie): Bürgerhaus Korbach, 25. April, 19.30 Uhr.

l „Wege in die rechte Szene - und zurück“. Veranstalter: Präventionsrat in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt und der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, Bürgerhaus Korbach, 6. Mai, 19.30 Uhr.

l Vortrag „Jüdisches Kinderleben nach 1933. Emigration und Überleben - Deportation und Holocaust“ von Dr. Susanne Urban (Internationaler Suchdienst Bad Arolsen): Bürgerhaus Korbach, 16. Mai, 19.30 Uhr.

l Anne Frank - Lehrerfortbildung des Anne-Frank-Zentrums Berlin (akkreditiert): Alte Landesschule Korbach, 7. März, 8 bis 14.30 Uhr, Anmeldung unter Tel. 05631/53289, kostenfrei, begrenzte Teilnehmerzahl.

l Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Moringen am Samstag, 25. Mai, 8 bis 16 Uhr, Anmeldung unter Tel. 05631/53950, Kosten: Erwachsene fünf Euro, Jugendliche frei.(r)

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