Korbach: Ulrike Bohlig an der Schule am Enser Tor verabschiedet

„Applaus, Applaus für deine Arbeit!“

„Mit einer Rose in der Hand – stehen wir nun heute hier!“ Schüler und Lehrer der Schule am Enser Tor verabschieden Ulrike Bohlig mit einem großen Chor. (Foto: pr)

Korbach - Das kommt nicht oft vor: Die gesamte Schülerschaft und das Kollegium der Schule am Enser Tor machten sich auf den Weg, um eine Lehrerin zu Hause abzuholen.

Ulrike Bohlig wurde nach 42 Dienstjahren an der Schule am Enser Tor in den Ruhestand verabschiedet - und Schüler und Kollegen taten dies mit „großem Bahnhof“.

Vor mehr als vier Jahrzehnten startete Ulrike Bohlig als Fachlehrerin für musisch-technische Fächer ihre Ausbildungszeit an zwei Korbacher Schulen - der damaligen Schule für Lernbehinderte und dem Gymnasium. Jung, dynamisch und hoch motiviert machte sie ihre vielfältigen Erfahrungen an beiden Schulformen, bis sie schließlich merkte: Ihr Herz schlägt für die Arbeit an der heutigen Schule mit Förderschwerpunkt Lernen.

Nach einigen Jahren als Fachlehrerin für Kunst, Sport und Hauswirtschaft wurde sie das erste Mal Klassenlehrerin und führte eine Klasse5 bis zu ihrem Abschluss. Seitdem hat Ulrike Bohlig immer eine Klasse geleitet und viel mit ihren Schülern erlebt: Gerne fuhr sie auf Klassenfahrten, unternahm kleine Ausflüge, z.B. in ihren nahe gelegenen Garten zur Ostereiersuche oder zum Kasseler Weihnachtsmarkt.

Nicht selten hielt das gute Verhältnis, das Ulrike Bohlig zu ihren Schülern hatte, über die Schulzeit hinaus. „Noch heute klingeln Schüler von früher bei mir an der Tür. Es ist immer schön, zu sehen und zu hören, was aus meinen Ehemaligen geworden ist“, schwärmt sie.

Auf die Frage, was sie von ihren Schülern gelernt und mitgenommen hat, muss sie lange überlegen: So viel haben ihr die Schüler im Laufe der Jahre gegeben durch ihre offene, herzliche und einfühlsame Art und die intensive Bindung, die sie immer wieder aufs Neue zu jedem Einzelnen aufbauen konnte. Doch auf einmal lacht sie und strahlt: „Blumen gießen, das habe ich von einem Schüler gelernt. Er hatte so einen grünen Daumen, er konnte alle meine angeschlagenen Blumen von zu Hause wieder aufpäppeln und die anschließende Pflege erklären!“

Peinliche Erlebnisse, auch die gab es im Schulleben von Ulrike Bohlig: Einmal hatte sie am letzten Schultag die Zeugnisse zu Hause vergessen. Außerdem habe sie in ihrem Leben einmal verschlafen, gesteht sie: „Ich dachte, es wären Ferien, und unsere ehemalige Schulleiterin Frau Riemenschneider musste mich anrufen und wecken.“

Ulrike Bohlig verrichtete ihren Dienst aus tiefer Überzeugung. Nicht nur die Schüler hätten sie jeden Morgen motiviert, zur Arbeit zu gehen, auch der Zusammenhalt und die gute Gemeinschaft im Kollegium hätten ihr immer das Gefühl gegeben, in der Schule ein zweites Zuhause zu haben.

Eine Pädagogin aus vollem Herzen - das merkt man Ulrike Bohlig an. Die Schüler schätzen sie wegen ihrer freundlichen, offenen und konsequenten Art. Auf Abschlussfeiern bedankten sie sich regelmäßig dafür, „was Frau Bohlig aus ihnen gemacht hat“. Aber auch die jüngeren Schüler kannten und liebten sie. So fiel es den Schülern auch nicht schwer, Ulrike Bohlig mit dem umgedichteten Lied „Applaus, Applaus für deine Arbeit“ den letzten Dienst-Tag zu versüßen.

„Es gibt keinen schöneren Beruf und ich hätte mir für mich auch nie etwas anderes vorstellen können“, gibt die scheidende Lehrerin freimütig zu. Da überrascht es kaum, dass sie sich auch als Pensionärin von ihrem „zweiten Zuhause“ noch nicht ganz verabschiedet: Nächstes Schuljahr wird sie als „Leseoma“ weiterhin die Schule unterstützen und Sprachpatin für nicht deutschsprachige Schüler werden. (r)

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