Korbach

„Armut ist jung, stumm und sie lähmt“

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- Korbach (resa). Wer wird arm? Warum ist das so? Und vor allem: Welche Mittel gibt es dagegen? Bei der Podiumsdiskussion „Wege aus der Armut“ diskutierten am Dienstag Vertreter von Vereinen und Institutionen. Mehr als 100 Interessierte kamen und viele meldeten sich zu Wort.

Wenn die Lehrer in der Louis-Peter-Schule Klassenfahrten ankündigen, dann melden sich einige Schüler gleich ab. Denn Klassenfahrten kosten Geld und das hat längst nicht jeder zur Verfügung. Im Notfall übernimmt zwar ein Förderverein oder das Teilhabe- und Bildungspaket die Kosten, aber darum zu bitten, fällt zuweilen schwer. So sieht Armut im Korbacher Alltag aus. „Sie ist jung, stumm und sie lähmt“, stellte Michael Gehring, Schulleiter der Louis-Peter-Schule während der Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Kiliansgemeindehaus fest.

Im Rahmen der Ausstellung „Tabu Armut“ diskutierten dort mit WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine Vertreter von Caritas und Diakonie, von der Agentur für Arbeit und von der Tafel. Schnell stellten sie fest: Kinder sind in besonderer Weise von Armut betroffen. Darauf hatte schon Thomas Klämt-Bender von der Diakonie in Kurhessen-Waldeck in seinem Impulsreferat hingewiesen. 15 192 Menschen würden in Waldeck-Frankenberg finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen, das seien knapp zehn Prozent.

„Jedes fünftes Kind leidet unter Armut“, betonte Klämt-Bender, „und 36 Prozent aller Alleinerziehenden sind davon bedroht“. Wenn Kinder die Begegnung mit Armut machen, hat das zuweilen verheerende Folgen. „Obwohl Eltern oft als letztes an ihren Kindern sparen, prägt das tägliche Erleben von Armut die Kinderseelen“, befand Gehring, „dann fehlt ihnen das Leuchten in den Augen“. Und auch in Sachen Zukunftsfragen seien Kinder dann benachteiligt, denn Armut biete nur selten ein Umfeld, in dem Kinder ihre Potentiale ausschöpfen könnten, erklärte der Schulleiter und forderte für alle Schulen Lehrmittelfreiheit – in der LPS werden Schulbücher bereits kostenlos zur Verfügung gestellt. Unterstützung bekam er dabei von Leonie Jedicke von der Caritas-Konferenz: „Denn Armut ist erblich“, befand sie. Doch nicht nur Kinder leiden unter Armut, sondern auch Erwachsene kämpfen mit den Folgen an Leib und Seele.

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