Bauern aus dem ganzen Landkreis diskutieren bei der Ortslandwirteversammlung in der Vöhler Henkelhal

Von A wie Artenvielfalt bis Z wie Zuschuss

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Viele Reaktionen auf Heinz-Günther Schneider (kl. Foto) vom Naturschutzbund gab es aus dem Plenum der Ortslandwirte am Montagabend in der Henkelhalle.

Vöhl - Raum für Informationen und Diskussionen will die jährliche Ortslandwirteversammlung in der Vöhler Henkelhalle bieten. Am Montagabend ging es ums Geld, die Sicherheit, aber vor allem um die Auseinandersetzung mit dem Naturschutz.

Einmal durchs Alphabet arbeiteten sich die Ortslandwirte am Montagabend in der Vöhler Henkelhalle - angefangen bei A wie Artenvielfalt bis Z wie Zuschüsse. Und so vielfältig wie die Themen war auch die Auswahl der Referenten.

Ökonomie und Ökologie

Als Hauptredner war Gottfried Milde, Geschäftsführer der WI-Bank, geladen. Der Gast aus Offenbach nahm vor allem jene Programme der Bank in den Blick, die auch den Alltag der Landwirte berühren - von der Dorferneuerung bis zur Prämienauszahlung. „Über alle Förderungen entscheidet der Landtag, wir zahlen aus“, fasste Milde zusammen. 300 Millionen Euro seien das im Bereich der Landwirtschaft jährlich.

Weniger ums Geld als um die Sicherheit drehte sich dann der Vortrag der Polizei. Pünktlich zur dunklen Jahreszeit informierte ein Vertreter des Verkehrsdienstes über das Verhalten bei Wildunfällen: „Um sicherzugehen, rufen Sie die Polizei.“

Was auf der Tagesordnung erst unscheinbar wirkte, entpuppte sich im Laufe des Abends dann aber als brisantes Thema: der Vortrag von Heinz-Günter Schneider vom Naturschutzbund. Er hatte um Redezeit beim Treffen aller Ortslandwirte aus Waldeck-Frankenberg gebeten und Kreislandwirt Fritz Schäfer hatte ihm diese gewährt. Die NABU-Ortsgruppen würden immer öfter Probleme an die Vorstände herantragen, die das Gespräch mit den Landwirten wünschenswert machten, schickte Schneider vorweg. Er ergänzte schnell: Es gehe nicht um Vorwürfe, sondern um Möglichkeiten, die gute Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft noch weiter auszubauen - und das vor allem im Sinne der Feld- und Wiesenvögel.

Der Rückgang der Bestände von Braunkehlchen, Kiebitz, Wiesenpieper oder Feldlerche sei so dramatisch, dass es großen Handlungsbedarf gebe. „Weil Hecken beseitigt, gerodet oder gespritzt werden, schrumpft der Lebensraum der Tiere“, befand Schneider. Außerdem nehme der Grünlandumbruch den Vögeln ihre Nahrungsgrundlage ebenso wie die Überschreitung von Feldgrenzen. Einige schwarze Schafe der Branche würden dafür auch gesetzliche Vorgaben unbeachtet lassen.

„Lassen Sie Hecken oder auch mal einen Blühstreifen stehen“, bat der Naturschützer. Die Mindestfruchtfolge solle eingehalten, auch mal Alternativpflanzen gewählt, Wegebankette nicht vor der Ernte gemulcht werden und Windräder dürften nicht für viele Rotmilane einen grausamen Tod bedeuten.

Blick auf Artenvielfalt

Die Landwirte hatten Erklärungsbedarf: „Wir müssen von unserer Arbeit leben“, befand der Kreislandwirt, „und da müssen wir einen Weg zwischen Ökonomie und Ökologie finden.“ Außerdem habe sich nicht nur die Landwirtschaft verändert, sondern auch die Tierwelt.

Die Gründe für das Verschwinden der Vögel müsse woanders liegen, befand ein Ortslandwirt, schließlich gebe es heute an vielen Orten viel mehr Bäume und Büsche als früher. „Auch wir sind Naturschützer“, ergänzte er. Weil es aber vielerorts weniger Kühe gebe, sinke eben auch der Anteil des Grünlands.

Und noch etwas gebe es zu bedenken: Oft würden es auch die Auflagen den Bauern erschweren, Blühstreifen oder Hecken stehen zu lassen. Verständnis für die Realität der Landwirte äußerte der Edertaler Naturschützer, bat aber um mehr Sensibilität im Alltag: „Haben Sie ein Auge auf die Artenvielfalt.“ (resa)

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