Die 22 Schüler besuchen nach den Sommerferien die Westwall-Schule in Korbach

Aus für Astrid-Lindgren-Schule besiegelt

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Noch im November 2012 haben Eltern und Schüler mit selbstgemalten Plakaten für den Erhalt der Astrid-Lindgren-Schule in Rhena demonstriert. Zum Ende des Schuljahres wird die kleine Grundschule mit 22 Schülern nun doch geschlossen.

Korbach-Rhena - Ernüchterung in Rhena: Die Astrid-Lindgren-Schule wird zum Ende des Schuljahres geschlossen. Kultusministerin Nicola Beer hat eine Ausnahmeregelung für den kleinen Standort abgelehnt. Die Kinder sollen künftig die Westwall-Schule in Korbach besuchen.

Die Elternproteste der vergangenen Monate waren letztlich vergebens: „Total enttäuscht“ habe er die Botschaft über das Aus der Grundschule aufgenommen, sagte Jörg Müller, stellvertretender Vorsitzender des Schulelternbeirats. Landrat Dr. Reinhard Kubat und Vertreter des Staatlichen Schulamtes verkündeten die Entscheidung bei einem Elternabend am Donnerstag und gestern auch gegenüber der Presse.

Zu wenige Schüler

Die zu geringe Schülerzahl hat der Astrid-Lindgren-Schule das Genick gebrochen: Aktuell besuchen 22 Kinder die Schule und auch nach den Sommerferien wäre die Zahl nicht höher gewesen. Doch erst ab 26 Schülern können zwei Klassen gebildet werden. Das bedeutet, dass zum neuen Schuljahr nur noch eine Klasse über alle vier Jahrgänge hätte gebildet werden können - und das bei nur einer Lehrkraft.

Um doch noch zwei Klassen bilden zu können, hatte Landrat Dr. Reinhard Kubat Ende Februar Kultusminsterin Nicola Beer gebeten, über eine Ausnahmegenehmigung der kleinen Grundschule eine zusätzliche Lehrkraft zuzuweisen. Ein letzter Rettungsversuch.

Doch das lehnte die Ministerin jetzt ab. In einer E-Mail habe Beer am Donnerstagmorgen seine Bitte abgewiesen, teilte der Landrat am Freitag mit. Begründet habe die Ministerin die Entscheidung mit der landesweit geltenden gesetzlichen Regelung, wonach der so genannte Klassenteiler bei 25 Schülern liege und davon nicht abgewichen werden könne.

Es bleibt also bei einer Lehrkraft: „Damit ist der Schulbetrieb nicht aufrecht zu erhalten“, erklärt Kubat. Insbesondere sei so die Aufsichts- und Fürsorgepflicht nicht zu gewährleisten, sagte Schulamtsdirektor Lothar van Eikels. Die Entscheidung, die Schule zu schließen sei daher „wichtig und richtig“. Er stehe zu 100 Prozent dahinter, so van Eikels.

Die Schülerinnen und Schüler aus Rhena sollen nun nach den Sommerferien weitestgehend als Gruppe zusammenbleiben. Geplant ist, aus der jetzigen Klasse 2 und 3 künftig an der Westwallschule eine jahrgangsübergreifende Klasse 3 und 4 zu bilden. Eine der beiden Lehrerinnen aus Rhena soll diese Klasse leiten - welche, ist noch nicht entschieden. Auch die Betreuungskraft der Astrid-Lindgren-Schule wird von der Westwall-Schule übernommen - im bisherigen Stundenumfang. So solle der Übergang für die Kinder möglichst schonend erfolgen, sagte Kubat. Die jetzige Klasse 1 und die künftigen Schulanfänger werden in normale Klassen integriert.

Schon vor den Sommerferien sollen die Astrid-Lindgren-Schüler in ihre neue Schule in der Kernstadt hineinschnuppern: „Es soll kein abruptes Ende geben, wir wollen den Übergange gemeinsam gestalten“, sagte die Rhenaer Schulleiterin Mareike Bangert. Geplant sind etwa gemeinsame Bundesjugendspiele. Die Kinder sollen außerdem die künftigen Räume und Lehrer kennenlernen.

Noch bis zuletzt hatten unterdessen die Mitglieder des Elternbeirats versucht, in benachbarten Ortsteilen für die kleine Grundschule zu werben und neue Schüler zu akquirieren: „Wir haben unter anderem in Lelbach mit Eltern gesprochen. Es gab durchaus Interesse an einem kleinen System wie der Astrid-Lindgren-Schule“, sagte Müller. Geholfen haben die Bemühungen der Schule nicht mehr. „Insgesamt haben wir nur wenig Unterstützung aus der Politik erfahren“, resümiert der Elternvertreter. Dass es weitere Protestaktionen gibt, glaubt Müller nicht: „Die Resignation war beim Elternabend zu spüren.“

Landrat Kubat versuchte indes, den Blick nach vorne zu lenken: Die Situation sei betrüblich, biete aber auch neue Chancen. Als Beispiel nannte er das Ganztagsangebot mit Mittagessen an der Westwallschule.

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