Chefarzt Dr. Arved-Winfried Schneider hält Gastpredigt in der Kilianskirche

„Auf die Werte des Lebens besinnen“

Korbach - Sich Zeit nehmen, um nachzudenken, um sich auf die wichtigen Werte des Lebens zu besinnen - das forderte Dr. Arved-Winfried Schneider in seiner Predigt zum Buß- und Bettag.

Stress und Hektik ist er gewohnt - als Chefarzt der Medizinischen Klinik im Stadtkrankenhaus muss Dr. Arved-Winfried Schneider oft schnelle Entscheidungen treffen. Umso wichtiger ist dem Katholiken, sich Freiräume zu nehmen, um nachzudenken, „wie sich der Weg zu Gott gestalten lässt“. Beim ökumenischen Gottesdienst zum Buß- und Bettag war er am Mittwoch der Gastprediger in der Kilianskirche.

Die Aufforderung „tue Buße“ habe etwas an Bedeutung verloren, stellte der Mediziner fest. Heute dächten viele bei dem Wort an eine Bestrafung für ein Vergehen - wie beim „Bußgeldbescheid“. Früher sei die Buße Bestandteil von Gottesdiensten gewesen, Menschen hätten Tiere geopfert. Das erscheine heute ebenso unzeitgemäß wie Geißelungen als Buße für Sünden.

Buße heute solle vielmehr „in die Zukunft tragen“ und dazu dienen, sich auf Werte zu besinnen, erklärte Dr. Schneider. „Wo weiche ich ab von christlichen Werten? Was ist mein Ziel? Was führt mich zu Gott?“ Doch viele hätten heute keine Zeit zur Besinnung: Es gebe die Anforderungen des Berufes und den „Freizeitstress“, dadurch bleibe kaum Zeit zum Nachdenken. So sei Besinnung im Alltag oft nur schwer zu leisten. Und sie erfordere Kraft. Er empfahl den „Rückzug“ in einen stillen Raum, um dort in Ruhe nachzudenken. Mit Bezug auf das Matthäus-Evangelium nannte Dr. Schneider die Gottesverehrung und die Nächstenliebe als Ziele.

Glaube sei heute keine Selbstverständlichkeit, betonte er: Die Naturwissenschaften bieten Erklärungen der Welt. Doch das reicht ihm nicht: Für ihn spreche „die Schöpfung für die Existenz Gottes“. Beispiel: „Der Urknall ist für mich nicht überzeugend“, sagte Dr. Schneider, zu viele Fragen blieben ungeklärt. „Es muss noch eine höhere Macht geben - und die nennen wir Gott.“ Doch Glaube könne erschüttert werden, etwa durch Schicksalsschläge. Auf der anderen Seite solle der Mensch „in Demut erkennen“, dass auch der Erfolg auf Gottes Willen beruhe.

Außerdem forderte er Nächstenliebe im alltäglichen Handeln ein. Dem Egoismus und Machtstreben stehe der „liebevolle Umgang mit den Mitmenschen“ gegenüber.

Die Konkurrenz am Arbeitsplatz dürfe entsprechend nicht dem respektvollen Umgang mit Kollegen entgegenstehen, andere dürften nicht „unfair übervorteilt“ werden. „Nächstenliebe schließt ein, anderen selbstlos zu helfen“, sagte er.

Auch in der Familie sei Nächstenliebe wichtig. Es gelte, auf Bedürfnisse des Partners einzugehen und bei Konflikten nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Statt Ärger etwa von der Arbeit in die Familie zu tragen, sollten sich alle „um Freundlichkeit bemühen“. So könne die Familie zum „Refugium“ der Nächstenliebe werden.

Auch sonst im Alltag gelte es, „selbstlos zu helfen“. Alle sollten sich fragen, ob sie aggressiv aufträten oder anderen „freundlich zugewandt“ seien, sie sollten sich fragen, wie sie mit Kranken, Behinderten oder auch Obdachlosen umgingen: „Zeigen wir Zuneigung und Wärme?“

„Große Chance“ im Gebet

Der Mittwoch sei aber nicht nur ein Bußtag, sondern auch ein Bettag. Das Gebet gebe die „große Chance“, sich im Alltag auf die christlichen Werte zu besinnen. Er rief auf, Gott darum täglich zu bitten. In Anspielung auf die Schriftlesung des Gottesdienstes aus der Offenbarung des Johannes schloss er: „Wenn wir die Werte lieben, wird Gott kommen und uns alle auf seinen Thron mitnehmen.“

Als Liturgin fungierte Dekanin Eva Brinke-Kriebel, an der Orgel begleitete Kantor Eberhard Jung die Gemeinde.

Die Dekanin verlas zum Abschluss einen Brief von Bischof Dr. Martin Hein mit Gedanken zum Motto „Da kommt noch was“. Er rief auf, Grenzen zu überwinden, dahinter öffne sich ein neuer Weg. Das Leben sei keine Sackgasse, erklärte er mit Blick auf das Bildmotiv zum diesjährigen Buß- und Bettag: Es zeigt das Verkehrsschild „Sackgasse“, nur endet der Weg eben nicht am roten Querbalken. Hein betonte: „Wir sind nicht allein unterwegs“, Gott öffne den Menschen die Augen.

Kraft ihres Amtes verkündete die Seelsorgerin schließlich: „Eure Schuld ist euch vergeben.“ Das gebe neue Kraft fürs Leben.

Von Dr. Karl Schilling

Kommentare