Sängertag des Waldeckischen Sängerbundes in Korbach

Mut zum Aufbruch beim Sängerbund

Korbach - „Aufbruch durch Veränderung“ wünscht sich Vorsitzender Bruno Mecke für den Waldeckischen Sängerbund. Und so war der Blick während des Sängertages am Samstag in Korbach ganz Richtung Zukunft gewandt.

Den Männerchören fehlen die Männerstimmen, junge Leute sind mit Schule und Sport ausgelastet, und die Zahl der Sänger im Waldeckischen Sängerbund geht eher zurück, als dass sie steigt. „Wir brauchen einen Aufbruch durch Veränderung“, motivierte Vorsitzender Bruno Mecke am Samstag die Delegierten des Bundessängertages in der Korbacher Stadthalle. 82 Vertreter aus 79 Chören des Waldeckischen Sängerbundes (WSB) waren zur Versammlung gekommen und ließen sich von ihrem Vorsitzenden auf die Zukunft einschwören. Chöre zusammenlegen „Der Musikgeschmack hat sich verändert“, stellte Mecke fest, der im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden des Sängerbundes gewählt worden war. Musik werde auf Konsum reduziert, anstatt sie selbst zu machen. Und weil der Stress im Berufsleben steige, würden sich immer mehr Menschen aus dem Vereinsleben zurückziehen. „Und auch in unseren Schulen wird viel zu wenig gesungen“, befand der WSB-Vorsitzende, „so haben Kinder dann später Angst davor, sich zu blamieren, wenn sie singen.“ Viele Ansatzpunkte also gebe es, um als Sängerbund auf die gesellschaftliche Entwicklung zu reagieren. „Dabei müssen wir bereit sein, uns auf Veränderungen einzustellen“, befand Mecke, „sowohl die Sänger als auch die Chorleiter“. Manch ein Männerchor, dem die Stimmen ausgehen würde, müsse sich dann trotz der Wehmut dazu überwinden, zum gemischten Chor zu werden. Und auch Projektchöre seien ein guter Weg, um wieder Menschen für das Singen zu begeistern. „Diese Aktionen dürfen die alten Chöre nicht als Konkurrenz begreifen“, appellierte Mecke an die Delegierten, „vielleicht ist später ja sogar eine Zusammenarbeit der Chöre möglich.“ Uli Fingerhut vom Musikausschuss allerdings warnte: „Wir lösen das Problem nicht, indem wir englische Lieder in unser Repertoire aufnehmen“, befand er, „dann gewinnen wir vielleicht drei neue, aber 15 alte Mitglieder kommen nicht mehr zu den Proben.“ Chöre müssten authentisch bleiben. „Vor allem aber müssen wir miteinander ins Gespräch kommen, und so können wir dann auch neue Sänger gewinnen.“ Initiative für Kinderchöre Bei diesem Prozess will der Waldeckische Sängerbund seine Mitgliedschöre unterstützen und bietet deswegen auch in den nächsten Monaten Aktionen an. Im November sollen so etwa Chorleiter die Möglichkeiten haben, gemeinsam mit einem Experten neues Liedgut kennenzulernen. Das gemeinsame Ansingen von Stücken soll den Chorleitern helfen, geeignete Partituren zu finden, erklärte Claudia Vach vom Musikausschuss des Waldeckischen Sängerbundes. Auch ein Jugendprojekt für junge Sänger ab 13 Jahren ist geplant. „Einen Nachmittag wollen wir gemeinsam mit einem Profi moderne Stücke in großer Runde singen“, erklärte Claudia Vach. Vielleicht könnten so auch Jugendliche für die Chöre gewonnen werden. Ohnehin wünsche sich der WSB noch mehr singenden Nachwuchs. „Wir haben im Vergleich zu den Erwachsenenchören nur sehr wenig Kinderchöre“, erklärte Claudia Vach. Während 53 Männerchöre, zwölf Frauenchöre und 39 gemischte Chöre zum Bund gehören, sind nur drei Kinderchöre gemeldet. „Das liegt vor allem daran, dass es keine Chorleiter für die Kinderchöre gibt“, erklärte Claudia Vach. Das Interesse der Kinder sei wach. Und so soll im September eine Ausbildung für Kinderchorleiter stattfinden. Sänger können an drei Samstagen neben musikalischen auch pädagogische Tipps für die Arbeit bekommen. Verdiente Sänger geehrtDass der Waldeckische Sängerbund aber vor allem von seinen treuen Sängern und Chorleitern lebt, wurde während der Ehrungen deutlich: Mit dem Goldkranz wurden Karl-Friedrich Biederbick und Herbert Wilke vom Gesangverein „Harmonie“ Ottlar, Karl-Friedrich Kann vom MGV „Concordia“ Rhoden und Dieter Göbel vom gemischten Chor Obernburg für ihren jahrelangen Einsatz im Vereinsvorstand ausgezeichnet. Geehrt wurde auch Regina Frese, die seit 1993 Chorleiterin in Odershausen ist. Mit der silbernen Ehrennadel für 25 Jahre als Chorleiter wurde Friedrich Mitze ausgezeichnet, er leitete schon die Chöre in Gellershausen, Mandern und Odershausen. (resa)

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