Korbacher Hallenbad: Neue Betriebsgesellschaft soll Wiedereröffnung beschleunigen

Aufwärmen am stählernen Becken

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Korbach - Die Stadt will mehr Tempo machen, um das Hallenbad wieder zu eröffnen. Schwung soll eine neue Betriebsgesellschaft bringen.

„Am stählernen Beckenrand keimt ein Funken Hoffnung auf“, berichtete die Waldeckische Landeszeitung im September. Hinter den Kulissen in der Hallenbaddebatte liefen Gespräche für eine neue Betriebsgesellschaft, um Spannungen aus dem juristischen Gefecht zu nehmen. Denn seit April 2012 liegt das teuer sanierte Hallenbad brach, Gutachten und „Beweissicherungsverfahren“ vor Gericht blockieren bislang eine Wiedereröffnung.

Die geplante Betriebsgesellschaft liegt inzwischen zur Entscheidung auf dem Tisch. Das Parlament soll bei der Sitzung am 19. Dezember grünes Licht geben, gestern Abend hat der Finanzausschuss bereits die Empfehlung dazu ausgesprochen.

Der Schachzug am Beckenrand ist höchst kompliziert: Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) bleibt Eigentümerin der Korbacher Bäder, der laufende Betrieb wird aber auf eine neue Gesellschaft im Besitz der Stadt übertragen. An der Betriebsgesellschaft beteiligt sich der Energieversorger wiederum mit einem kleinen Anteil über seinen kommunalen Zweckverband.

Korbach profitiert nämlich von einem „steuerlichen Querverbund“: Weil die Bäder im Eigentum von EWF sind, können Verluste aus dem Betrieb von Hallen- und Freibad mit Gewinnen von EWF verrechnet werden. Für die an EWF beteiligte Hansestadt bringt das jährlich einen Vorteil von rund einer halben Million Euro.

Geschäftsführer für die Bäder gesucht

Dies wird auch künftig so bleiben, denn die Finanzbehörden haben keine Einwände gegen das neue Modell mit der Betriebsgesellschaft. Ähnlich verfährt auch die Stadt Bad Arolsen. Zudem kann Korbach mit diesem Modell auf eine mögliche europaweite Ausschreibung für eine Betriebsgesellschaft verzichten - sondern die eigene neue GmbH gezielt einsetzen.

Entscheidend für die Badegäste sind indes nicht die rechtlichen Formalitäten - sondern die Praxis. Die Betriebsgesellschaft soll dafür sorgen, dass das Hallenbad schon eröffnet werden kann, ohne dass Baumängel und Fehler schon bis ins letzte Detail behoben sind.

Beispiele: Wenn die Sprungbretter laut Norm womöglich zu dicht beieinander stehen, dann bleibt ein Brett vorerst geschlossen. Fehlt an der Außenrutsche tatsächlich noch ein elektrischer „Potenzialausgleich“, dann wird der stählerne Tunnel bei drohendem Gewitter gesperrt. Reicht die Beleuchtung in einem Becken womöglich nicht aus, wird ein zusätzlicher Schwimmmeister zur Aufsicht eingesetzt.

Auch die neue Betriebsgesellschaft muss dabei zwar die juristischen Beweissicherungsverfahren in den kommenden Monaten noch abwarten. Aber die Beseitigung mancher Mängel wäre danach auch im laufenden Betrieb möglich.

Ziel der Stadt ist nunmehr, alsbald eine Betriebs-GmbH für die Bäder zu gründen. Als Geschäftsführer wird kurzfristig ein Fachmann per Stellenausschreibung gesucht.

Die neue GmbH verursacht durch Kapitaleinlage und Geschäftsführer zwar Kosten, auf der anderen Seite fallen aber die bisherigen Kosten für die Betriebsführung durch EWF weg. Unterm Strich erwartet die Hansestadt keinen zusätzlichen Aufwand - aber mehr Schwung zur Wiedereröffnung. Denn seit Sommer 2010 müssen die Korbacher- bis auf vier Wochen im Frühjahr 2012 - auf ihr Hallenbad schon verzichten.

Spätestens im Herbst 2015 soll das Warten ein Ende haben.

Von Jörg Kleine

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