Ein besonderer Anhänger steht in Korbach · Herbert Hergt baute alten Pkw um

Ausrufezeichen im rollenden Verkehr

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Herbert Hergt hat in einem halben Jahr aus einem (weißen) VW Golf einen echten (silberfarbenen) Hergt-Anhänger gebaut. An der B-Säule ist nun Schluss mit der Karosserie, die Türen funktionieren noch.Foto: Dennis Schmidt

Korbach - Wenn Herbert Hergt mit seinem Anhänger durch die Stadt fährt, sind ihm die Blicke von Passanten und Autofahrern sicher. Denn was da an der Anhängerkupplung hängt, hat wohl kaum jemand zuvor gesehen.

VW Golf? Kennt jeder. VW Käfer? Legendär. Und ein VW Hergt? Wahrscheinlich noch nie gehört. Doch was Herbert Hergt in 2011 angefertigt hat, hat tatsächlich eine eigene Zulassung, die ihn als Hersteller ausweist. Es ist ein alter Golf, Baujahr 1996, den der ehemalige Polizist um Motorraum und vordere Kabine beraubt hat. Herausgekommen ist ein waschechter Anhänger, der selbstverständlich alle Normen der Straßenverkehrsordnung erfüllt.

„Ich bin vorher zum Tüv gefahren und habe mein Projekt vorgestellt“, erläutert Hergt. Immer wieder gab es im kommenden halben Jahr Kontakt zu dem Prüfer seines Vertrauens. Am Ende gab es seitens des „Technischen Überwachungs-Vereins“ keine Bedenken. Im November kam eine Plakette an den ehemaligen Volkswagen, mit eigener Herstellerangabe und Neuzulassung.

Der „Hänger“ hat schon viel gesehen: einen Nikolaus zur Weihnachtszeit ebenso wie Narren während des Karnevals. Aber auch auf der Straße macht der gekürzte VW eine gute Figur. Allerdings auch manchmal mit einem negativen Nebeneffekt.

Motorschaden? Egal

„In Kassel hat mir mal ein Autofahrer zu lang hinterhergeschaut. Deswegen ist er einem anderen Pkw hinten aufgefahren“, erzählt der 65-jährige Hergt.

„Als ich einmal vor einem Supermarkt geparkt habe und losfahren wollte, sprang plötzlich ein aufgeregter Passant an meine Scheibe. Der Grund dafür war, dass sich ein anderer Mann unter den Hänger gelegt hatte und die Konstruktion begutachtete. Ich hätte ihn beim Losfahren nicht gesehen“, dankt der Bastler dem aufmerksamen Spaziergänger noch im Nachhinein.

Vorbild für den original „Hergt“ sind identische Trabi-Umbauten, die in der ehemaligen DDR große Mode waren. „Ich hatte das im Internet gesehen und mir dann gedacht: ‚Was die können, kann ich auch.‘“ Also suchte und fand der Korbacher einen günstigen, allerdings noch weißen Pkw. „Der Golf hatte einen Motorschaden, das passte perfekt“, lächelt Hergt. Die Rücksitze flogen raus, ebenso ein Teil der Verkleidung.

Nächster Plan in Schublade

Als größtes Problem stellte sich heraus, wie die Zugdeichsel denn nun optimal angebracht wird. Doch Hergt konstruierte und fand schließlich mit einer weiteren Verstrebung die Lösung. „Aufhängung und Federung sind noch original“, erklärt er weiter.

Der Hänger hat sogar eine weitere Anhängerkupplung. „Die darf ich aber nur für einen Fahrradaufsatz benutzen“, erklärt der findige Bastler. Den nächsten Plan hat er übrigens schon in der Tasche: „Ich habe im Internet zwei VW-Transporter gefunden, deren Hecks aneinandergesetzt wurden. Vielleicht mache ich da mal dran“, lächelt Hergt.

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