Bischof Markos aus Äthiopien und Entwicklungshelfer Rosi und Klaus Krekeler zu Gast an den Beruflich

Ein außergewöhnlicher Besuch

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Beeindruckende Berichte im Unterricht: Bischof Markos Gebremedhim aus Äthiopien, Rosi und Klaus Krekeler mit Schülern des Berufsgymnasiums.Foto: pr

Korbach - Ein Foto aus Äthiopien: Kinder im Grundschulalter strahlen um die Wette vor einem neuen Schulgebäude unter Palmen. Ein zweites Foto: Obdachlose verkriechen sich unter Planen und suchen Schutz vor der unbarmherzigen Regenzeit.

Klaus Krekeler aus Peckelsheim zeigt sehr persönliche Bilder von seinen vielen Reisen nach Äthiopien, die er gemeinsam mit Rosi, seiner Frau, zweimal im Jahr unternimmt - und das schon seit 1998.

Landschaften sind zu sehen, grüne Wälder, Wolken, spitze Bergkuppen, Hochplateaus, unendliche Blicke. Doch auch ein weinendes Kleinkind, Großaufnahme der Füße: Überall Würmer, sie fressen ganze Löcher in Haut und Fleisch des Kindes. Dann eine Frau, die Mutter. Sie wurde im Leben so oft erniedrigt, dass sie sofort in gebückte Haltung geht, sobald sie einen Fremden erblickt. Äthiopien: Ein Land, in dem es 83 komplett verschiedene Sprachen gibt, uralte Hochkulturen und stolze Menschen, gleichzeitig aber grausame Rituale wie die Genitalverstümmelung von Mädchen, die Ausgrenzung der Allerärmsten und die lähmende Korruption der politischen Eliten.

Klaus und seine Frau Rosi engagieren sich seit mehr als zwei Jahrzehnten im Dienste der Ärmsten dieser Welt (wir berichteten). 1995 und 1996 traf Rosi auf Mutter Theresa in Kalkutta. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete Rosi die Organisation „Patenschaften von Mensch zu Mensch“, organisiert solche Patenschaften für Mädchen in Äthiopien, baut Schulen, Krankenstationen und Brunnen, vermittelt Kleinkredite an Frauen und kämpft gegen die weibliche Beschneidung, in dem sie endlos lange mit den Beschneiderinnen spricht und sie schließlich zu Gesundheitsberaterinnen ausbildet.

Jetzt steht Rosi neben ihrem Mann und ihrem Gast, dem befreundeten Bischof Markos Gebremedhim aus Äthiopien, mit dem die Krekelers seit Jahren zusammenarbeiten. Vor ihnen die Schüler der elften Klassen des Beruflichen Gymnasiums der BSK, die ihnen gebannt zuhören. Rosi spricht Englisch, denn es ist Englisch-Unterricht. Thema der Unterrichtseinheit ist „Making a Difference“: Wie schaffen es Menschen, in ihrem Leben außergewöhnliche Dinge zu tun?

Die Schüler sind durchaus kritisch gegenüber der Arbeit der Gäste, sie fragen, ob nicht auch die afrikanischen Jungen besonders gefördert werden sollten. Beeindruckt zeigen sich alle, als Rosi und Klaus beschreiben, wie die unterste Bevölkerungsschicht, abfällig „Fugas“ und erst von Rosi und Klaus wertschätzend „Potters“ (die Töpfer) genannt, aufgrund ihrer Armut und ihrer als minderwertig empfundenen Arbeit diskriminiert werden: Man gebe ihnen noch nicht einmal die Hand. Rosi, Klaus und Bischof Markos haben eine Schule errichtet sowohl für Potters als auch für alle anderen Menschen: Diese zu Beginn erzwungene Annäherung hat mittlerweile zu gegenseitigem Respekt geführt.

Bischof Markos lobt abschließend Deutschland, denn von dort kämen so wichtige Hilfen für sein Land. Doch er übermittelt allen Zuhörern auch den Eindruck, dass Äthiopien weit mehr ist als ein Land, in dem Hilfsbedürftige leben. Es habe so viel zu bieten - die Schüler sollen doch in der Zukunft einfach selber dorthin fahren und es kennenlernen. Auch die Arbeit von Rosi und Klaus begann damit, dass sie die Welt bereisten.(r)

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