Korbach

Ausstellung „Legalisierter Raub“ eröffnet

- Korbach. Die Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen“ beleuchtet die systematische Enteignung jüdischer Bürger während der Nazizeit.

Schon bei der Eröffnung am Sonntag war das Interesse groß. Die Ausstellung zeigt Kunst- und Haushaltsgegenstände, Dokumente und Biografien von Opfern und Tätern. Bewusst habe man sich dafür entschieden, das Gefühl anzusprechen, sagte Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen: „Die Ausstellung dokumentiert den Verlust von Menschlichkeit.“

Die nur „scheinbar harmlosen Verwaltungstätigkeiten“, so Katharina Stengel (Fritz Bauer Institut), bereiteten die Ermordung der jüdischen Bevölkerung vor. Die Enteignung versprach enorme Profite – auch für die Staatskasse. Als „Hehler der geraubten Güter“ versteigerte oder verkaufte das Finanzamt auch in Korbach den jüdischen Besitz: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten den Besitzer. Firmen, Verbände und Bürger griffen zu. „Das Finanzamt führte akribisch Buch darüber“, so Stengel.

Für die Präsentation wurde die Ausstellung mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen, der sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Korbach, Frankenberg, Volkmarsen und Umgebung beschäftigt. Darüber hinaus ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, Zeitzeugenveranstaltungen, Filmvorführungen, Stadtrundgängen und Vorträgen geplant.

Die Erinnerung an die Opfer sei ein zentrales Thema, sagte Bürgermeister Klaus Friedrich. Er kündigte an, eine Gedenktafel am Erweiterungsbau des Rathauses anbringen zu lassen. Dort stand einst das Haus der jüdischen Familie Mosheim, die im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Die Ausstellung ist bis zum 27. März zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 16.30 Uhr, für Schulklassen und Gruppen nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten. Eintritt frei.

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