Bessere Chancen mit Kleinwagen: Kreisjobcenter macht Langzeitarbeitslose mobil

Mit dem Auto schneller zum Job

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Vier Kleinwagen stellt das Kreisjobcenter Jobsuchenden zur Verfügung (von links): Raimund Schmitz hat vom Projekt profitiert und eine neue Arbeitsstelle gefunden. Jutta Kahler-Wilke, Otto Richter und Reinhold Lohmar freuen sich über den Erfolg.

Korbach - Ohne Auto keine Arbeitsstelle: Wer nicht mobil ist, hat es auf dem Arbeitsmarkt oft schwer. Das Kreisjobcenter stellt deshalb Langzeitarbeitslosen für die Jobsuche einen Kleinwagen zur Verfügung.

Raimund Schmitz (53) aus Somplar ist der Arbeitslosigkeit wieder entkommen: Bei einer Spedition in Gemünden hat der frühere Hartz-IV-Empfänger einen neuen Job gefunden. Dabei wäre die Sache fast schon vor dem Vorstellungsgespräch gescheitert: „Ich hatte einen Termin, aber mein Auto war nicht fahrbereit“, berichtet Schmitz. Eine Reparatur konnte er sich damals nicht leisten.

Eine Mitarbeiterin des Jobcenters wies den arbeitslosen Kraftfahrer auf ein neues Angebot hin: Die Behörde stelle ihm ein Fahrzeug für die Fahrt zur Firma zur Verfügung. „Ich habe dann gefragt: Was kostet das?“, sagt Schmitz. Tatsächlich musste er nichts bezahlen.

Vier Autos angeschafft

Vier Kleinwagen hat das Jobcenter Waldeck-Frankenberg vor gut einem Jahr angeschafft, die es Hartz-IV-Empfängern im Landkreis kostenlos inklusive Sprit für Fahrten zu Bewerbungsgesprächen, zur Probearbeit und in den ersten Wochen im neuen Job zur Verfügung stellt - wenn es keine Alternative zur Fahrt mit dem Auto gibt.

Denn insbesondere für Langzeitarbeitslose ist die Hürde hoch: Ein Auto könnten sie sich meist nicht leisten und das Netz von Bus und Bahn sei im flächengrößten Landkreis Hessens nicht so dicht gestrickt, dass die Jobsuchenden in jedem Fall pünktlich am in Aussicht gestellten Arbeitsplatz erschienen, erklärt Otto Richter, Bereichsleiter Markt und Integration im Jobcenter. Vor allem dort, wo Schichtarbeit üblich ist - im gewerblichen Bereich, im Hotel- und Gastronomiegewerbe und in der Gesundheitsbranche -, reiche das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs nicht aus.

„Es hat sich gelohnt, wir haben die Investition schon wieder raus“, zieht Richter nach einem Jahr Bilanz. 71 Kunden des Jobcenters nutzten die Autos im vergangenen Jahr und legten insgesamt 42 000 Kilometer damit zurück. 40 von ihnen haben eine neue Arbeitsstelle gefunden. „Das ist eine relativ gute Quote“, sagt Richter.

„Fahren schwarze Zahlen“

Durch die so eingesparten Leistungszahlungen hätten sich die Kleinwagen schon refinanziert: „Wir fahren mit den Autos schwarze Zahlen“, sagt Teamleiterin Jutta Kahler-Wilke. „Natürlich haben wir uns vorher die Frage gestellt: Rechnet es sich? Da waren wir zum Glück mutig“, so Kahler-Wilke. Beide Seiten - sowohl Jobcenter als auch Langzeitarbeitslose - profitierten von dem Projekt, sagt Reinhold Lohmar, Geschäftsführer des Kreisjobcenters.

Wer ein Auto bekommt, verpflichtet sich vorher, es nur für Fahrten zum Arbeitgeber zu benutzen. Außerdem ist ein Fahrtenbuch Pflicht. Das Angebot des Waldeck-Frankenberger Jobcenters dürfte in dieser Form einmalig sein. Zwar stellen auch einige andere Jobcenter ihren Kunden Autos zur Verfügung, greifen dabei aber auf Leihwagen zurück. Die Korbacher Behörde hat sich indes für eine eigene kleine Flotte entschieden: „Damit wir schnell reagieren können, wenn es notwendig ist“, erklärt Richter.

Raimund Schmitz jedenfalls ist zufrieden: „Ich habe das Auto von heute auf morgen sehr unbürokratisch gekriegt.“ So schaffte er es zum Vorstellungsgespräch und hatte bald darauf den Arbeitsvertrag in der Tasche. Das Auto durfte er weiterfahren, bis der erste Lohn auf seinem Konto eingegangen war und er die Reparatur seines eigenen bezahlen konnte.

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