Tachos maniluliert: Ehepaar zu Bewährung und Geldstrafe verurteilt

Autohändler mit „krimineller Energie“

Korbach - Schnelles Geld beim Autohandel mit falsch angegebener Laufleistung - diesen Traum kann sich eine Korbacher Familie, die einen Gebrauchtwagenhandel betreibt, abschminken. Stattdessen standen die Frau und der Mann am Donnerstag vorm Korbacher Amtsgericht. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug.

Die Beweislast war zu erdrückend, als dass sich die beiden Angeklagten hätten wehren können. Deshalb gaben sie, obwohl sie anfangs keine Aussage zu dem Vorwurf machen wollten, nach einer Beratung mit Gericht und Staatsanwalt alle sieben Vorwürfe zu.

Die Strafen fielen empfindlicher aus, als es Staatsanwalt und Verteidiger gefordert hatten: Richter Karl-Heinz Kahlhöfer Köchling und die beiden Schöffen setzten die Geldbuße rund 50 Prozent höher an als erwartet. „Ich sehe hier eine gewisse kriminelle Energie“ fasste Kahlhöfer-Köchling zusammen und mahnte eindringlich, dass nun Schluss sein müsse mit Tricksereien. Denn pikant an der Angelegenheit war, dass der Täter, gebürtig in Kasachstan und Vater von zwei Kindern, vor einigen Jahren bereits zu einer Bewährungsstrafe wegen versuchten Betruges verurteilt worden war. „Eher ungünstig“, befand der Vorsitzende Richter.

Die sieben nachgewiesenen Fälle, die die Staatsanwaltschaft anhand der Akten und der im Internet eingestellten Angebote nachvollziehen konnte, liefen alle nach demselben Muster ab: Offiziell kaufte die Ehefrau - die Chefin - ältere Wagen von Privatpersonen an. Es handelte sich hierbei ausschließlich um deutsche Modelle von Mercedes, BMW und Audi. Sie alle wiesen bereits Laufleistungen zwischen 300000 und fast 500000 Kilometern auf, einige hatten Vorschäden und kleine Mängel.

In den Internetangeboten, die das Ehepaar vor anderthalb Jahren bei entsprechenden Plattformen einstellte, war davon aber keine Rede mehr. Im Gegenteil: Die gefahrenen Kilometer und damit den Verschleiß des Autos gaben sie weit niedriger an; in einem Fall sanken die gefahrenen Kilometer von 474000 auf 210000. Bei weiteren Geschäften mit Gebrauchtwagen wollen die Verurteilten deswegen „noch besser aufpassen“, ließ einer der beiden Verteidiger ausrichten.

Zeugen nicht gebraucht

Die Käufer, die aus dem gesamten Bundesgebiet nach Korbach kamen, fielen auf den Trick herein und nahmen die Wagen mit - ohne einen im Kaufvertrag vermerkten Kilometerstand, in einem Fall sogar mit gefälschtem Namen. Eine E-Klasse verkaufte der 34-Jährige für 3350 Euro. Laut Gutachten wäre das Gefährt allerdings nur rund 2000 Euro wert gewesen. So strich das Ehepaar im Laufe der Monate insgesamt 6350 Euro „Gewinn“ ein.

3000 Euro davon kann es nun als Strafe an gemeinnützige Zwecke wieder abgeben. Vier Jahre lang dürfen sie sich zudem nichts zu Schulden kommen lassen - sonst muss der Mann für 18, die Frau für neun Monate hinter Gitter. Hinzu können Schadensersatzansprüche der Geschädigten kommen. Diese waren beim gestrigen Termin ebenfalls erschienen, mussten aber allesamt keine Aussage mehr leisten.

Das sorgte nicht nur für Erleichterung. Vielen Geschädigten war der Frust über die dreiste Masche auch Monate später noch anzumerken. Viele wollten ihrer Wut gern freie Bahn lassen - dafür hatten sie aber nur untereinander auf dem Gerichtsparkplatz Zeit und Raum.(den)

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