Experten informieren und diskutieren bei Bürgerversammlung in Vöhl

„Bahnstrecke nicht madig machen“

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Vöhl - Daten, Zahlen und Pläne hatten die Experten im Gepäck: Bevor die Bauarbeiten in der Gemeinde Vöhl zur Reaktivierung der Bahnstrecke beginnen, hatte Bürgermeister Stappert zur Bürgerversammlung eingeladen.

Die einen kamen mit konkreten Fragen, die anderen mit aufgestautem Ärger – auf beides waren die Vertreter der Kurhessenbahn, der EWF und des Nordhessischen Verkehrsverbundes am Mittwoch in der Vöhler Henkelhalle eingestellt. Um die Bürger auf dem Weg zur Streckenreaktivierung mitzunehmen, hatte Bürgermeister Matthias Stappert zur Bürgerversammlung eingeladen. „Der größte der Teil der Strecke, die reaktiviert werden soll, befindet sich in der Gemeinde Vöhl“, erinnerte Stappert.

Folgekosten niedrig halten

Thema waren deswegen in der Vergangenheit vor allem die Kosten, die die Reaktivierung für die Gemeinde mit sich bringt. 96 000 Euro hatten als Gemeindeanteil im Raum gestanden, um Park-and-ride-Plätze in Thal­itter, Herzhausen, Schmittlotheim und Ederbringhausen bauen zu können. 50 000 Euro hatte das Parlament schließlich bereitgestellt, den Rest übernimmt der Landkreis. „Dabei bleibt es“, betonte Landrat Dr. Reinhard Kubat am Mittwoch. „Bleiben die Folgekosten für die Instandhaltung der Plätze, die die Gemeinde tragen muss“, erinnerte Stappert. Rund 10 000 Euro könnten das im Jahr werden. „Diese Kosten müssen wir so niedrig wie möglich halten“, betonte der Bürgermeister und hatte sich deswegen mit NVV-Planerin Anette Blumberg zusammengesetzt. „Wir haben auf den Anlagen die Straßenlaternen reduziert, um die Energiekosten zu senken“, erklärte Stappert, „und die Grünflächen verändert.“ Das bedeutet: Weniger Laubbäume, die Arbeit machen, dafür mehr Hecken und Rasenflächen, die von Maschinen einfach bearbeitet werden können. „Das sind die einzigen Stellschrauben, die wir haben“, erklärte der Bürgermeister.

Schon im Juni könnten die Bauarbeiten für die Nebenanlagen beginnen, ebenso wie die Erneuerung des Oberbaus zwischen Frankenberg und Thalitter. Die Tunnel auf Vöhler Gebiet stehen Ende Juni auf dem Plan, der Oberbau zwischen Korbach und Thalitter wohl erst nach der Winterpause im April 2015. „Wir werden keine Bahnübergänge schließen“, betonte Hans-Martin König von der Kurhessenbahn. Die kleinen Bahnübergänge an Wirtschaftswegen würden neue Beschilderungen erhalten, in Dorfitter, Herzhausen, Schmittlotheim und Ederbringhausen werden Schranken aufgebaut. Teilweise seien aufwendige Straßenbauarbeiten nötig, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Schulverkehr sicherstellen

Eine ganz andere Frage beschäftigte die Vöhler: „Inwieweit beeinflusst die Bahn den bestehenden Busverkehr, besonders für die Schüler?“, fragte Ederbringhausens Ortsvorsteher Eckardt­ Mehrhoff. Wage Antworten, weil die Pläne noch nicht stehen, gab Dr. Olaf Winter von der EWF. „Die Linie 555 zwischen Korbach und Frankenberg wird weitgehend eingestellt“, erklärte er. Weil der Schulverkehr auf der eingleisigen Bahnstrecke aber nicht komplett abgedeckt werden könne, bleibe es in Richtung Korbach morgens für Schüler wohl bei der Busbeförderung. „Schüler, die in Herzhausen mit dem Zug ankommen, könnten dort eine Busanbindung zur Schule bekommen“, stellte Dr. Winter in Aussicht. Ähnliches gelte für Schülergruppen, die zur Burg Hessenstein wollen und in Ederbringhausen ankommen.

Die frei gewordenen Kilometer sollen in den Ausbau der Linien 556 und 520 fließen. Damit soll eine Busanbindung vom Edersee und von Bad Wildungen an die Bahnlinie gewährleistet werden.

Für Kritiker der Reaktivierung kein Erfolgskonzept, wie am Mittwoch erneut deutlich wurde. So nutzten Skeptiker wie Hermann Kubat (CDU) auch die Gelegenheit, um die Reaktivierung erneut infrage zu stellen. Fahrzeiten seien zu lang, die Strecke nicht wirtschaftlich, Investitionen zu hoch.

Kontroverse Diskussion

Landrat Kubat wehrte sich: Er lasse sich die Reaktivierung nicht madig machen, schon gar nicht mit ständiger Polemik. Mut zum Optimismus machte Kurhessenbahn-Sprecher Joachim Kuhn: „Alle Strecken, die bisher reaktiviert wurden, haben die errechneten Ergebnisse noch übertroffen“, erklärte er. Außerdem würden viele Strecken ohne diesen Lückenschluss keinen Sinn machen. Und so werde der Nationalpark künftig auch von der Bahn beworben.

Besucher wie Ulrich Müller (FWG) befanden dann: „Die Reaktivierung ist beschlossen. Wenn wir jetzt Begeisterung zeigen, kann es zum Erfolgsprojekt werden.“ (resa)

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