Krankenkasse kündigt Sparkurs an · Noch unklar, ob auch Waldeck-Frankenberger Filialen betroffen sin

Barmer GEK will schlanker werden

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Die zweitgrößte deutsche Krankenkasse, Barmer GEK, will umfassend umstrukturieren und mittelfristig 3500 Stellen abbauen.

Korbach. - Die Barmer GEK will ihr Filialnetz halbieren und 3500 Stellen streichen. Ob auch die letzten im Landkreis verbliebenen Geschäftsstellen in Korbach und Frankenberg von der geplanten Rosskur betroffen sind, das ist derzeit noch unklar.

250 bis 300 Millionen Euro hofft die Krankenkasse mittelfristig mit der Neuausrichtung jährlich einzusparen. Die Wettbewerbsbedingungen hätten sich deutlich verschärft, begründete Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Straub gestern den Schritt, von dem die Mitarbeiter der Barmer GEK zuerst aus Medienberichten erfuhren.

Klarheit im Sommer

Offiziell wird die Belegschaft der Krankenkasse am Mittwoch informiert, wie Brigitte Schlöter, Pressesprecherin der Landesgeschäftsstelle Hessen, gegenüber der WLZ-FZ erklärte. Aber erst im Sommer werde feststehen, welche Geschäftsstellen geschlossen werden, sagte Schlöter.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Barmer GEK ihr Filialnetz im Landkreis Waldeck-Frankenberg ausgedünnt: Im Sommer 2013 verabschiedete sich die Krankenkasse mit dem Hinweis aus Bad Arolsen, die Kundenbetreuung optimieren zu wollen und in Korbach für den persönlichen Kontakt zur Verfügung zu stehen. Im November schloss die Barmer GEK ihre Niederlassung in Bad Wildungen; die rund 5000 Kunden werden seitdem von Fritzlar aus mitbetreut.

Barmer Regionalgeschäftsführer Michael-Arne Schüssl (Kassel) nannte damals gegenüber der WLZ-FZ das „Überangebot“ an Servicezentren in Nordhessen als Grundlage der Entscheidung. Um die Verwaltungskosten „seriös und vernünftig“ zu gestalten, müsse die Zahl der Filialen verringert werden.

Von den Einschnitten im vergangenen Jahr hat indes die Korbacher Niederlassung profitiert: Die fünf Mitarbeiter der Geschäftstelle in der Kreisstadt betreuen laut Bezirksgeschäftsführer Andreas Bethke mittlerweile mehr als 10 000 Kunden in der Region.

Die Krankenkasse ist außerdem in Frankenberg vor Ort - dort allerdings nur mit einem sogenannten Kundencenter, das nur an drei Tagen in der Woche geöffnet hat, davon an zwei Tagen nur vormittags. Zwei Mitarbeiter kümmern sich laut Schlöter dort um rund 5000 Versicherte.

Internet und Telefon

Mit der Umstrukturierung wolle sich die Barmer GEK auch auf ein verändertes Kundenverhalten einstellen, erklärte die Pressesprecherin und fragte rhetorisch: „Wann waren sie das letzte Mal in der Geschäftsstelle ihrer Krankenkasse?“ Immer mehr Versicherte würden ihre Anliegen am Telefon oder im Internet erledigen. Die Krankenkasse will deshalb in den Aufbau der Telefon- und Online-Services investieren.

Längere Öffnungszeiten

Für Versicherte, die in der Bewegung eingeschränkt seien, werde weiterhin der Service der Hausbesuche angeboten, so Schlöter. Gleichzeitig soll das Personal in den verbliebenen Geschäftsstellen aufgestockt und die Öffnungszeiten bundesweit vereinheitlicht sowie verlängert werden.

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