Theatergruppe sorgt für einen rundum gelungenen Abend

Bauernschläue, Butler und Botschaften aus dem All

Vöhl - Unwahrscheinlich viele Kühe auf dem Papier, unglaubliche Botschaften aus dem All und eine unvorstellbar dumme und liebestolle Magd – mit dieser Kombination brachte die Laienspielgruppe Vöhl die Zuschauer zum Lachen.

Mit der Inszenierung von Hans Schimmels Schwank „Ein Butler auf dem Bauernhof“ durch Gundula und Heinz Schäfer feierte die Theatertruppe in der Henkelhalle gleich zwei Jubiläen auf unterhaltsame Art: Regisseur Heinz Schäfer ist seit 30 Jahren mit dabei, Rolf Bangert, der mit Hartmut Bugdoll und Gerald Müller auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnete, stand in seiner 15. Rolle auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“. Für die EU hat der clevere Bauer Karl Dörrzapf (Heinz Schäfer) 900 Milchkühe, zumindest kassiert er Subventionen für ebenso viele Tiere, dabei stehen gerade mal neun Rinder im Stall. Nicht viel anders verhält es sich mit den Anbauflächen. Am Ende des ersten Aktes der Komödie ist auch der Friedhof als förderungswürdiger Acker eingebracht. Trotzdem ist nie Geld im Haus, denn der findige Landwirt leitet den Geldsegen in die gesamte Gemeinde um. Damit es wenigstens mit der längst überfälligen Inspektion des Treckers klappt, hat sich Schwester Klara Dörrzapf (Charlotte Regenbogen-Backhaus) am Preisausschreiben der Landwirtschaftszeitung beteiligt, aber leider den ersten Preis gewonnen: einen Butler (Rolf Bangert) für eine Woche. Die letzte Nacht im Dorfkrug und ihre Folgen sorgen schnell für frische Themen. Die konsequent triebgesteuerte Magd Lore (Anja Stadtler) outet sich beim Besuch von Pfarrer Udo (Gerald Müller) als das erste Beichtkind des Morgens. Als der „Dorfhengst“ Fred Schweiß (Torben Müller) seinem Freund Karl beichten will, dass er gerade seinen Hahn tot gefahren hat, nimmt der stets um die Moral besorgte Ortsgeistliche ihn gleich im Wohnzimmer der Dörrzapfs ins Gebet. Tatsächlich sind beide gekommen, um Geld von Karl zu erbitten: die Renovierung des undichten Kirchendaches treibt den Pfarrer an, der Casanova will 500 Euro für einen Raumanzug, der sein Erbgut vor Strahlen schützen soll, denn Fred empfängt neuerdings Botschaften aus dem All. Die Ankunft des nie in Betracht gezogenen Hauptgewinns, den die vollkommen horizontal ausgerichtete Lore als „Callboy“ für Klara deutet, die sonst nur unter dem Trecker liegt, erwies sich als Höhepunkt des ersten Aktes. Die Missverständnisse der Magd, die alles zu wörtlich nimmt und den Gebrauch eines Deo-Rollers mangels Führerschein ablehnen muss, waren auch im weiteren Verlauf der Handlung immer wieder für einen Lacher gut, während sich das Unheil in Gestalt der Kontrolleuse Sylvia Kleinbock (Gudrun Schönberg) auf dem Hof breit macht. Ein drei Monate altes Kalb, das 200 Liter Milch gibt, damit scheint der Bauer eine sichere Beute, wären da nicht die intergalaktischen Botschaften, mit denen Fred immer wieder dazwischen funkt, wenn es eng wird. Die Hilfe kommt letztlich auch von draußen: Der Butler findet das legale Schlupfloch, mit dem sämtliche Kühe im Dorf für den subventionierten Bestand von Karl einstehen können. Die Milchpipeline zum Kalb, das damit die geforderten 200 Liter unter den aufmerksamen Augen der Kontrolleuse geben kann, legt Feriengast Monika (Laura Schnell) in aller Stille. In Sachen übersinnliche Erscheinungen hat die Klempnerstochter einen guten Draht zu Fred, sonst aber kein Interesse an der vermeintlichen Idealbesetzung. Auch die allzeit bereite Magd liegt mit ihren Absichten bei Butler Johann vollkommen daneben. Nicht jeder Topf findet also, wie sonst in derartigen Komödien üblich, einen Deckel, dafür kommt Karl endlich unter die Haube. Während der Nöte mit der Kontrolle verlor Michaela Katzenauer (Birgit Bangert) zwar sämtliche Illusionen bezüglich des Reichtums ihrer bevorzugten Beute, konnte sich Karl aber anderweitig verpflichten. Mit der Ankunft der Außerirdischen findet auch Fred seine Bestimmung und Monika Bestätigung, dass es mehr gibt, als Mensch für möglich hält.Zur Einstimmung hatte der Posaunenchor Vöhl unter der Leitung von Karl Müller einen bunten Strauß von Weihnachtsweisen intoniert, in Sachen Bewirtung trug der TSV Vöhl seinerseits viel zu einem rundum gelungenen Abend bei. Von Armin Hennig

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