Günther Sigl, Barny Murpy und Co. demonstrieren ihre Klasse vor 900 begeisterten Zuhörern

Bayrische „Gang“ zündet Rock-’n’-Roll-Feuerwerk

Usseln - 100 Jahre Schützenhalle – 60 Jahre Rock ’n’ Roll. Das Doppeljubiläum feierten 900 Zuschauer mit der Spider Murphy Gang in der seit Monaten ausverkauften Location.

Die Münchner Gruppe, die sich selbst als Rock-’n’-Roll-Band mit bayerischen Texten definiert, hatte nicht nur eine Perlenkette ihrer Hits aus den Achtzigern mitgebracht, sondern auch mundartliche Tributes an Chuck Berry, Carl Perkins und die anderen Größen des Rock ’n’ Roll. Mit der Ansage von Rosies einschlägig bekannter Rufnummer „Zwounddreißig sechzehn acht“, die keines weiteren Kommentars bedurfte, eröffnete Ralf Heine, der seine Lieblingsband für das Finale der Feierlichkeiten verpflichten konnte, das Konzert. Und da der erste Vorsitzende der Schützengesellschaft 1877 Usseln und seine Helfer bei der Organisation ­einen ebenso hervorragenden Job gemacht hatten wie die Stars des Abends, wurde auch keinem die Wartezeit bis zum „Skandal im Sperrbezirk“ zu lang. Der Nummer-eins-Hit in drei Ländern markierte das Ende des offi­ziellen Teils. Mit der musikalischen Visitenkarte „Mir san a bayrische Band“ eröffneten Günther Sigl und Co ihren Set und ließen mit „Rock ’n’ Roll Schua“ gleich ein noch mitreißenderes Bekenntnis zu den lokalen und musikalischen Wurzeln folgen. Showcase des Instrumentalparts war dabei das Solo von Gitarrengott Barny Murphy, der seine erste Hommage an Chuck Berry im Entengang in Szene setzte. „Mir ziehn unsere Rock-
’n’-Roll-Schuh no lang nit aus“, versprach Frontman Günther Sigl und stellte dank regelmäßigen Umgangs mit dem „Lebenselixier“ bis zu weitere 30 Jahre in Aussicht, ehe er und seine fünf Mitspieler die Frage „Woll’n wir tanzen gehn?“ stellten. In früheren Jahren war diese Frage sicherlich ein Fall für den kurz darauf besungenen „Frosch im Hals“, den nächsten Hit aus den frühen Achtzigern und einer, der ewig jung bleiben wird, so viel sich auch seitdem an den Lebenswelten geändert hat. Die später besungene „Peep-Show“ wurde schon Ende der Achtziger aus den meisten Städten verbannt und auch in den Texten von „Radio, Radio“ oder dem Kontaktanzeigen-Schlager „Wo bist du?“ bot das Programm ein Zeitfenster, das gut zu einem Jubiläum passt. Herrlich zeitgeistig und nicht minder ironisch das karibische Flair von „Sommer in der Stadt“ als kleine Ruheinsel vor dem bewegungsintensiven kollektiven Twist, zu dem Günther Sigl die ganze Halle vor „Radio, Radio“ motivierte. Alles andere als „radiofreundlich“ im Dreiminutensinn geriet dagegen der „Autostop nach Schwabing“, denn die ausführlichere Hommage an Chuck Berry mit zahlreichen virtuosen Soloeinlagen und Musikerduellen entwickelte sich zum echten Longsong von einer Viertelstunde Dauer, bei dem die Musiker ihr Rock-’n’-Roll-Herz noch mal so richtig schlagen ließen, ehe Günther Sigl ein letztes Mal „Stop, Stop, ich muss nach Willingen“ rief. Musikalisch geriet der Autostop auf Basis von Johnny B. Goode zum absoluten Höhepunkt des Konzerts. „Pfüati Gott Elisabeth“ eröffnete die raffiniert arrangierte Perlenkette der Hits, in deren Verlauf Ludwig Seuss die verabschiedete Elisabeth mit geschicktem Tastenspiel nahtlos in die „Schickeria“ einführte und dort stehen ließ, während die Stimmungswogen im Saal einen neuen Gipfel erreichten. In Sachen Mitsingen war allerdings noch Luft nach oben, wie sich beim Ruf „Woho bist duhu?“ unaufgefordert herausstellen sollte. Als absolut textsicher bis in die allerletzte Reihe erwies sich das Publikum bei „Skandal im Sperrbezirk“, der zwar das Ende des offiziellen Programms, aber keineswegs das Ende des Abends markierte.Zurück zu den Wurzeln war das Motto des Zugabenteils, der mit „Achterbahn“ vom Debüt­album „Rock ’n’ Roll Schua“ begann. Mit der allerersten Single „Rock  ’n’ Roll Rendezvous“ ließ die Spider Murphy Gang das musikalische Programm dann endgültig ausklingen. Von Armin Hennig

Kommentare