Bürger diskutieren mit Dekanin und Architekt über geplanten Anbau an das Kirchenkreisamt

Befürworter treffen auf Kritiker

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Fragen und Anregungen: Viele Wortmeldungen erreichten das Podium, wo Dekanin Petra Hegmann (Kirchenkreis der Eder), Dekanin Eva Brinke-Kriebel (Kirchenkreis Twiste-Eisenberg), Kirchenkreisamtsleiter Bernd Merhof, Architekt Jürgen Kepplin zum Gespräch einluden

Korbach - Belebung der Altstadt oder Bausünde? Klotz oder sinnvoller Funktionsbau? Am Dienstagabend diskutierten Vertreter des Kirchenkreises mit Korbacher Bürgern über den geplanten Anbau an das Kirchenkreisamt. Neben Kritik gab es für das Projekt auch Lob.

Als die Kirchturmuhr des Kilians 19 Uhr schlug, musste Küsterin Astrid Köhler noch Stühle nachholen. Denn rund 130 Korbacher Bürger waren zum Infoabend gekommen, zu dem Dekanin Eva Brinke-Kriebel gemeinsam mit Kollegin Petra Hegmann vom Kirchenkreis der Eder, Architekt Jürgen Kepplin und Kirchenkreisamtsleiter Bernd Merhof eingeladen hatte.

„Ich wünsche mir, dass wir aufeinander hören und miteinander ins Gespräch kommen“, erklärte die Gastgeberin zu Beginn der Diskussion, „sodass wir nicht weiter nur über die Zeitung miteinander sprechen.“

Stein des Anstoßes waren die Baupläne des Kirchenkreises. Bereits im vergangenen Jahr hatte­ die Dekanin angekündigt, dass wegen des Platzmangels im Kirchenkreisamt ein Anbau nötig geworden sei. Anfang des Jahres, als der Auszug der Mitarbeiter vor der Tür stand und die Pläne erneut öffentlich wurden, brandete eine Diskussion auf.

Unter Leitung von WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine kamen Gegner und Befürworter am Dienstagabend nun ins Gespräch - die meiste Zeit sachlich. Bevor die Bürger selbst Gelegenheit hatten, Fragen zu stellen, Frust oder Zustimmung zu formulieren, erinnerte Bernd Merhof: „Der Brandschutz ist nicht mehr gewährleistet und der Platz reicht nicht mehr.“

Dass während der Beratungsphase im vergangenen Jahr mehrere Pläne im Gespräch waren, zeigte dann Architekt Jürgen Kepplin. Von der kleinen Lösung, die lediglich den Anbau eines Treppenhauses beinhaltete, bis hin zur Pfarrgarten-Variante reichten die Ideen: „Mit der aktuellen Planung haben wir die wirtschaftlichste, ökologisch sinnvollste und nachhaltigste Lösung gefunden“, erklärte Kepplin. Wichtiger Aspekt: Der Altbau könne sinnvoll weitergenutzt werden, weil im Rahmen der Bauarbeiten auch eine Sanierung des alten Gebäudes geplant sei.

„Neue Bausünde“

Das überzeugte die Kritiker nicht: „Meinem Haus nehmen Sie den Wohnwert und den Anblick“, beschwerte sich eine Anwohnerin und fragte, warum das Kirchenkreisamt nicht gleich in der alten Polizeiwache bleibe. „Ja“, räumte der Architekt ein, „von der Tränkestraße aus gesehen wirkt der Anbau hoch.“ Kepplin betonte aber: „Er überragt nicht den Altbau.“ Dekanin Eva Brinke-Kriebel schloss ihre Erklärung mit Blick auf die alte Polizeiwache an: „Wir wollen den Altbau in kirchlichem Besitz halten, statt in ein Gebäude in schlechtem Zustand zu ziehen, dass uns nicht gehört.“

Grundsätzlicher Kritik musste sich die Dekanin anschließend stellen: „Fachwerk verträgt schlecht Nichtfachwerk“, befand ein Besucher, „wenn Sie das Gespür nicht haben, dass dieses Gebäude nicht in die Altstadt passt, dann brauchen wir nicht weiterzudiskutieren.“ Taten sie dann aber doch, denn die Dekanin betonte: „Auch für uns ist dieses Gebäude ein Kompromiss, wir hätten auch lieber nur den Altbau, aber das ist nicht realistisch. Und das hier ist ein guter Kompromiss.“ Daran erinnerte auch Pfarrer Günter Engemann: „Im Rahmen des Neubaus können wir das alte Gebäude mustergültig sanieren“, betonte er, „es gibt das eine nicht ohne das andere.“

Darüber wurden sich Kritiker und Befürworter nicht einig: Das Gebäude beachte nicht die historische Bedeutung der Altstadt, verschlechtere die Parksituation noch und außerdem solle lieber ein Leerstand genutzt werden, statt neu zu bauen. „Hier entsteht eine Bausünde, die wir in einigen Jahrzehnten so bereuen werden wie den Rathausanbau“, befand eine Besucherin.

„Lebendige Altstadt“

Dekanin Petra Hegmann aus Frankenberg entgegnete: „Für die Frankenberger war es eine bittere Pille, dass die Außenstelle des Kirchenkreisamtes geschlossen wurde. Aber wir brauchen diese Zentralisierung, um die Verwaltung nicht aufzublähen. Jetzt ist es arbeitsorganisatorisch schwierig, Teile des Amtes wieder auszugliedern.“ Die Unterstützung aus dem Süden freute Eva Brinke-Kriebel ebenso wie die Unterstützung vieler Korbacher, die zum Infoabend gekommen waren.

„Wir werden alle älter“, befand ein Korbacher, „da ist es gut, wenn es zentrale Wege gibt. Es darf nicht vergessen werden, dass das Ergebnis auch sehr positiv sein kann.“ Großer Applaus signalisierte: Die Gruppe der Befürworter war mindestens so groß wie die der Gegner. Ein anderer erinnerte: „Die Altstadt ist unattraktiv geworden. Sie darf nicht nur aus Fassaden und Bewohnern bestehen, sondern auch aus Menschen, die hier arbeiten.“ Eine „lebendige Altstadt, die nicht nur aus musealen Strukturen“ besteht, wünschte sich auch Bürgermeister Klaus Friedrich. „Wir dürfen die Entscheidung über dieses Gebäude aber nicht zur Glaubensfrage erhöhen“, warnte er.

Eine Frage stand am Ende schließlich noch im Raum: Ist die Entscheidung schon getroffen oder ist Einfluss noch möglich? „Wir hören genau hin“, versprach die Dekanin. Anregungen der vergangenen Wochen seien bereits in neue Pläne aufgenommen worden - ein Lichtband soll Alt- und Neubau trennen und es sollen mehr Naturmaterialien verwendet werden. Einer Anfrage erbitterter Gegner an einen runden Tisch erteilte die Dekanin aber eine Absage: „Demokratie bedeutet auch in unserer Kirche, dass die gewählten Gremien entscheiden und nicht derjenige, der am lautesten schreit.“

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