Festgottesdienst und Empfang zum Priesterjubiläum von Gisbert Wisse

Beispiel für gelebte Menschlichkeit

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Seit 40 Jahren im Priestergewand: Gisbert Wisse stand im Mittelpunkt des festlichen Hochamts in der St.-Marien-Kirche.

Korbach - Zu Ehren des Domkapitulars Gisbert Wisse feierte die katholische Gemeinde an St. Marien einen beeindruckenden Gottesdienst. Wisse ist seit 40 Jahren Priester.

Mit Kerzen, Weihrauch, Fahnen und Geleit zogen sie am Sonntag ein in die Marienkirche - Pfarrer Gisbert Wisse, dazu die „Konzelebranten“ Dechant Bernd Conze, Pater Philipp, der Theologe Professor Wolfgang Werner bis hin zu Johannes Klocke, dem „Urlaubspfarrer vom Diemelsee“, wie Wisse schmunzelnd vorstellte.

Die musikalische Begleitung in der Liturgie des Festgottesdienstes war vom Allerfeinsten. Bernd Uteschil dirigierte den Kirchenchor mit Unterstützung des Korbacher Kammerorchesters und Dr. Eberhard Enß (Querflöte). Prächtig intonierte das Ensemble Haydns „Missa Brevis“, dazu Stücke von Bach und Mozart.

Beeindruckend war gleichermaßen die Predigt von Wolfgang Werner. Der Theologieprofessor an der Universität Hildesheim und Gisbert Wisse kennen sich seit Jahrzehnten. „Ich denke, dass hier keine ultimative Lobhudelei erwartet wird“, sagte Werner - mit Blick auf Wisses Jubiläum als Priester.

Toleranz, Offenheit, Menschlichkeit, Mitsprache und Teilhabe im Gemeindeleben stellte Werner in den Mittelpunkt. „Damals fühlten sich die Menschen angesprochen“, blickte Werner über 40 Jahre zurück auf die Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) der katholischen Kirche: „Ich möchte deutlich machen, wie wir uns, ich und der heutige Jubilar, damals gesehen haben.“ Papst Johannes XXIII. habe eine Zeitenwende in der katholischen Kirche eingeläutet, eine „Öffnung zur Welt“. Für Christen sei dies eine bleibende Aufgabe: „Wir sind aufgefordert mitzugestalten, nicht uns hasenherzig in die Ecke zu drücken“, ermunterte Werner zur aktiven Mitarbeit in den Gemeinden.

Zugleich blickte Werner kritisch auf Tendenzen innerhalb der Kirchenorganisation, einen Meilenstein vom 2. Vatikanischen Konzil zu relativieren: Toleranz und Anerkennung anderer Religionen. Dieses Dekret dürfe nicht herabgestuft werden, nur um der Pius-Bruderschaft mit unterschwelligem Antisemitismus wieder Raum in der katholischen Kirche zu geben.

Hintergrund: Die Pius-Bruderschaft lehnt Veränderungen durch das 2. Vatikanische Konzil ab, dabei etwa die Haltung zu Religionsfreiheit und Anerkennung der jüdischen Lehre.

Nach dem Festgottesdienst gab es für Domkapitular Gisbert Wisse einen munteren und gelösten Empfang im Gemeindehaus. Gemeindereferent Burkhard Speicher, Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich, Dechant Bernd Conze, der evangelische Pfarrer Günter Engemann und der stellvertretende Kirchenvorstand Michael Fritsch würdigten Wisses Arbeit als Pfarrer, Dechant und Domkapitular. Fleißig, kompetent, gleichermaßen einfühlsam und humorvoll - das sind Wisses Attribute, mit denen er in Korbach und dem Waldecker Land hohe Anerkennung und Beliebtheit gewonnen hat.

Im Reigen der Messdiener gratulierte Nicole Schäfer zu Wisses Jubiläum als Priester. Gisbert Wisses Bruder Rüdiger grüßte im Namen der Familie. Und der Männergesangverein „Harmonie“ bedankte sich musikalisch für die seit Jahrzehnten währende Gastfreundschaft in der Mariengemeinde.

Die Anerkennung gab Gisbert Wisse an alle zurück: „Das Leben mit Menschen in der Gemeinde hat mir stets gutgetan. Ein Priester braucht eine Gemeinde. Euch allen und dem lieben Gott von ganzem Herzen Danke schön.“

(von Jörg Kleine)

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