Tag der Heimat: Landsmannschaften gedenken ihrer Flucht und Vertreibung

„Beitrag zum Wiederaufbau geleistet“

Korbach - Das Schicksal der Heimatvertriebenen darf nicht vergessen werden: Das war eines der Leitmotive beim „Tag der Heimat“ in der Korbacher Stadthalle.

Für Manfred Kreuzer ist die Vertreibung ein einschneidendes Erlebnis, das er nie vergessen wird: „Allein 1946 kamen 16 000 Heimatvertriebene in 13 Transporten aus dem Sudetenland, einem aus der Zips und zwei aus Ungarn in Viehwaggons hier an. Ich war als Achtjähriger in einem dieser Transporte aus Freiwaldau im Altvaterland unweit der schlesischen Grenze, der am 22. April 1946 in Korbach ankam“, erinnerte sich der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) beim „Tag der Heimat“. Die Opfer von Flucht und Vertreibung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, das ist eine der Hauptaufgaben des „Tages der Heimat“. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Deutschland geht nicht ohne uns“. Der Bund der Vertriebenen beging den Festtag gemeinsam mit seinen Landsmannschaften am Sonntag in der Korbacher Stadthalle. Mit dem Leitwort solle der Blick auf den kreativen Beitrag der Vertriebenen und ihrer Nachkommen zur Entwicklung Deutschlands gelenkt werden, erläuterte Manfred Kreuzer. Mehr als 30 000 Heimatvertriebene hätten nach 1945 in den damaligen Kreisen Waldeck und Frankenberg eine neue Heimat gefunden und dort einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau geleistet. Gastrednerin Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, sagte: „Mit Mut, Energie und enormem Leistungswillen bauten sich die Vertriebenen aus dem Nichts neue Existenzen auf. Die Heimatvertriebenen konnten trotz zahlloser Widrigkeiten in allen Lebensbereichen Fuß fassen.“ Durch ihr Engagement hätten sie Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen und Nachkriegsdeutschland Impulse gegeben, die bis heute wirkten. Zudem seien sie die engagiertesten Brückenbauer zu den mittel- und osteuropäischen Nachbarn Deutschlands. Die Erinnerung an die Vertreibung sei wichtig, damit diese Katastrophe eine Mahnung sei und sich in Europa nicht wiederhole. Das Erinnern habe also wahrlich nichts mit Revanche, mit Rache zu tun, sagte Ziegler-Raschdorf: „Erinnerung – das ist das Bescheidenste, was die Vertriebenen erbitten können.“ Gleichwohl seien die Deutschen über Jahrzehnte mit dem Verlust des preußischen Ostens und dem Ende der meisten Siedlungsgebiete in Ostmittel- und Südosteuropa ohne das Bewusstsein umgegangen, dass damit eine bedeutende Spur deutscher Geschichte für immer ausgelöscht worden sei. „1945 haben Kulturlandschaften ihr Ende gefunden, ohne die der kulturelle und soziale Hintergrund der deutschen Geschichte ganz unvollständig wäre“, sagte die Landesbeauftragte. Zu den Klängen von „Kehr ich einst zur Heimat wieder“ waren eingangs die Fahnenträgerinnen in schmucken Trachten in den Saal eingezogen. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Günter Krause hatte zuvor die Veranstaltung eröffnet. Horst Stutz führte durch das Programm. Kreiskulturreferentin Dagmar Adomeit gedachte der Toten. Die „Singenden Frauen“ sorgten für ausgelassene Stimmung und fröhliche Melodien, sie schwangen das Tanzbein. Die Egerländer Musikanten aus Melsungen waren für traditionelle Blasmusik zuständig.Als Hausherr begrüßte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich die Besucher. „Unser zerstörtes Land wäre ohne Ihre Aufbauleistung nicht so schnell vorangekommen“, sagte CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Viesehon. Die Aufnahme der Vertriebenen sei eine der größten humanitären Leistungen der Bundesrepublik gewesen, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Auch derzeit sei das Land wieder gefordert, Flüchtlingen aus Krisengebieten eine neue Heimat zu bieten. Diese Aufgabe müsse als ein Akt der Menschlichkeit begriffen werden.

Kommentare