Stadt Korbach bietet seit 2011 Kindergarten-Sozialarbeit

Beratungszahlen steigen Jahr für Jahr

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Das Kindeswohl im Blick: 2011 hat die Stadt Korbach die Kindergarten-Sozialarbeiterin Karin Hentschel angestellt. Sie soll helfen, Probleme früh zu erkennen und anzugehen. Archivfoto: David Ebener

Korbach - Wenn Kinder sich auffällig verhalten, in der Entwicklung gefährdet sind, wenn Eltern überfordert sind oder unter finanziellen Problemen leiden, dann hilft Karin Hentschel weiter. Seit 2011 greift sie Eltern und Erzieherinnen unter die Arme.

Gut drei Jahre nach der Einführung hat sich die Kindergarten-Sozialarbeit in Korbach etabliert. „Die Beratungszahlen sind kontinuierlich gestiegen“, bilanziert Erzieherin und Diplom-Soziologin Karin Hentschel. Waren es im ersten Jahr noch 427 „Beratungskontakte“ - also die Summe der telefonischen und persönlichen Gespräche - waren es zuletzt 730. Knapp 180 Personen hat Hentschel zwischen Mai 2013 und Mai 2014 beraten.

Arbeitslosigkeit, Schulden, Scheidung: Die Probleme sind vielfältig

Doch warum wird das Angebot eigentlich gebraucht? Fast 900 Kinder besuchen aktuell eine der 14 Kindertagesstätten der Kernstadt und der Ortsteilen. Nicht immer kommen sie aus intakten Familien: Da gibt es Arbeitslosigkeit, Schulden, Probleme in der Partnerschaft - und im schlimmsten Fall auch Gewalt. „Der Anteil der Kinder, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, ist zunehmend. Die Wohnverhältnisse sind im Allgemeinen beengt. Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten im Freien sind je nach Lage der Wohnungen nur eingeschränkt vorhanden oder werden zu wenig genutzt“, schildert Ute Jennemann, Leiterin des Sozial- und Kulturamtes der Stadt. Der Medienkonsum steige stetig, sagt Jennemann: „Immer wieder berichten mir die Mitarbeiter, dass viele Kinder schon vor dem Besuch der Kita eine nicht unerhebliche Zeit vor dem Fernseher verbracht haben.“

Ein bis zwei Drittel der Mädchen und Jungen stammen aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat. „In vielen Familien ist nicht die deutsche Sprache die in der Familie vorrangig gesprochene Sprache“, sagt Jennemann. Und immer mehr Kinder kommen als Flüchtling mit ihren Eltern aus anderen Ländern. Sie haben Krieg, Vertreibung und Flucht erlebt. Alles zusammen bleibt nicht ohne Spuren - nicht nur bei Kindern und Eltern: „Die Belastung der Erzieherinnen ist vor diesem Hintergrund sehr hoch“, so die Sozialamtsleiterin.

Korbach zählt zu den wenigen Städten und Gemeinden der Region, die mit spezieller Kindergarten-Sozialarbeit möglichst frühzeitig gegensteuern möchten. Entstanden sei ein niedrigschwelliges Angebot für Eltern und Fachpersonal, das beratend oder vermittelnd zur Seite stehe, erklärt Jennemann. Seit 2011 ist Karin Hentschel Ansprechpartnerin für Eltern und Erzieherinnen gleichermaßen. Sie berät Eltern bei Fragen zur Erziehung, hilft ihnen bei Problemen im Alltag oder der Partnerschaft und unterstützt auch bei Formularen und Anträgen. Den pädagogischen Fachkräften greift sie unter die Arme, wenn es etwa darum geht, Entwicklungsauffälligkeiten zu erkennen oder Fördermaßnahmen auszuarbeiten.

Eltern können sich auch anonym an die Sozialarbeiterin wenden

Auf viele Probleme werde sie in mehr als der Hälfte aller Fälle von den Fachkräften in den Kindergärten hingewiesen, sagt Hentschel. Immer häufiger wenden sich auch Eltern persönlich an die Sozialarbeiterin - auch anonym. Hentschel bietet außerdem Sprechstunden in den Kindertagesstätten der Kernstadt an, in der Regel einmal im Monat, in den Ortsteilkindergärten in der Regel vierteljährlich und nach Bedarf.

In Elternkursen gibt sie Müttern und Vätern Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder, teilweise mit monatlichen Nachtreffen zum Austausch und zur Vertiefung. Darüber hinaus arbeitet sie unter anderem im interdisziplinären Netzwerk „Frühe Hilfen“ mit, das helfen soll, Entwicklungsprobleme bei Kindern früh aufzudecken.

Kontakt: Beratungsbüro in der Kirchstraße 20 (Jugendhaus), Telefon 05631/9188729, kita-sozialarbeit@korbachmail.de

Von Lutz Benseler

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