In der Künstlergarderobe in der Stadthalle arbeitet Wolfgang Wilhelm an der Hallenbad-Eröffnung

Tür an Tür mit Bernd Stelter

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Wolfgang Wilhelm packt an: Fast 30 Umzugskartons mit Akten zur Hallenbad-Sanierung warten in Umzugskartons verpackt auf den Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft. Foto: Lutz Benseler

Korbach - Wolfgang Wilhelm soll das Kunststück gelingen, an dem alle anderen bislang gescheitert sind: das Korbacher Hallenbad wiederzueröffnen.

Tür an Tür mit Bernd Stelter: Während sich der Kölner Komiker nebenan auf seinen Auftritt in der Korbacher Stadthalle vorbereitet, wälzt sich Wolfgang Wilhelm durch Akten und Baupläne. Eine der Künstlergarderoben im Erdgeschoss unter der Bühne hat sich der neue Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft zum Büro erkoren. Der karge Raum mit dem Charme einer Gefängniszelle bietet ein Waschbecken mit Spiegel als einzigen Komfort. Für Wilhelm ist er dennoch die richtige Wahl: „Ich muss vor Ort sein, wenn die Handwerker kommen“, sagt er.

Aneinandergereiht 16 Meter Akten mit Plänen, Gutachten und Unterlagen

In dieser Woche hat er seinen Dienst offiziell angetreten. Von Handwerkern ist im Hallenbad gleich um die Ecke aber noch keine Spur. Dafür lagern im Bistro 26 Umzugskartons mit Leitz-Ordnern – aneinandergereiht fast 16 Meter Akten mit Unterlagen zur Sanierung, Bauplänen, Gutachten. Mit so viel Papier hatte Wilhelm nicht gerechnet: „Das ist, als ob man einen Eimer mit kaltem Wasser über den Kopf geschüttet bekommt“, sagt er und lacht.

Der Niedersachse, der zuletzt die Soltau-Therme in der Lüneburger Heide geleitet hatte, nimmt es mit Humor. Doch offenbar ist die Herausforderung, vor der Wilhelm steht, komplexer als gedacht. Eigentlich hätte er sich in diesem Sommer auch schon um den laufenden Betrieb des Freibads kümmern sollen, diese Aufgabe übernimmt nun vorerst doch noch die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Die wichtigste Frage, vor der der Bäderchef steht: „Dürfen wir überhaupt schon Handwerker ins Hallenbad lassen?“ Denn noch sei die rechtliche Situation nicht abschließend geklärt. Das Beweissicherungsverfahren läuft noch, weitere Termine mit gerichtlich bestellten Gutachtern stehen an.

Erst wenn die Juristen grünes Licht geben, darf gebaut werden. Wolfgang Wilhelm ist zuversichtlich: „Wenn alle mitspielen, geht alles bis Jahresende über die Bühne.“ Bereits in den vergangenen Wochen habe er viele Gespräche geführt und alle am Bau Beteiligten – unter anderem Stadt, EWF und Generalplaner – mit ins Boot geholt. Er habe den Eindruck, dass alle bereit seien, an einem Strang zu ziehen, um das Hallenbad für alle 23000 Korbacher Bürger, für die Schulen und Vereine wiederzueröffnen, sagt der Geschäftsführer: „Denn das hat oberste Priorität.“

Der neue Bäderchef startet noch ohne Mitarbeiter: „Ich bin Einzelkämpfer.“

Gleichzeitig muss Wilhelm dafür sorgen, dass die Technik im stillgelegten Hallenbad funktionsfähig bleibt, dass Wartungsverträge eingehalten werden und eine Sanitärfirma regelmäßig die Leitungen spült, um sie vor Keimen zu schützen. Mitarbeiter hat der Bäderchef bislang keine: „Ich bin Einzelkämpfer“, sagt er und baut die erste Reihe mit Aktenordnern auf seinem Schreibtisch in seiner Künstlergarderobe auf. Zaubern kann er dort zwar nicht, sich aber in Ruhe Blatt für Blatt durch die Unterlagen arbeiten – und seinen Humor behalten. So wie Bernd Stelter gleich nebenan.

Von Lutz Benseler

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