Vöhl

Von Beruf: Flugleiter für Brieftauben

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- Vöhl - Dorfitter (tt). Flugleiter Dieter Käding hat vor Flügen viel zu tun. Er muss das Wetter prüfen und ebenso die Windverhältnisse. Zudem ist die Wahl des richtigen Abflugortes wichtig. Alles, damit sie auch starten können – die Brieftauben.

Käding ist als Flugleiter des Regionalverbandes Lahn-Eder für die Organisation von Wettbewerben für Brieftauben zuständig. Bei diesen Wettflügen werden die Vögel an bis zu 600 Kilometer von der Heimat entfernten Orten losgelassen und sollen schnell in ihre Schläge in Wal­deck zurückfinden – eine der erfolgreichsten Waldecker Tauben ist übrigens die Olympiasiegerin von Familie Rhode aus Korbach.

„Bei den Wettflügen habe ich eine große Verantwortung gegenüber Züchtern und dem Naturschutz“, beschreibt der 60-jährige Rentner seine Aufgabe selbst. Er plant die Flugstrecken nach verschiedenen Kriterien, die der Sicherheit der Tauben dienen sollen. Das betrifft zum Beispiel das Wetter oder die Bedingungen am Startort. Käding hat es in der Hand, einen Wettbewerb abzusagen, wenn die Wetterverhältnisse für die Tauben unzumutbar erscheinen. Ihn trifft aber auch eine Teilschuld, wenn Tauben umkommen.

Schlechtes Wetter für Wettkämpfe ergibt sich durch Regengebiete auf der Flugstrecke, aber auch durch Temperaturen von über 30 Grad. Deswegen beginnen die meisten Wettbewerbe früh am Morgen. Um den „seltenen Fall“ verunglückter Tauben zu verhindern, bereitet sich der Flugleiter akribisch vor. Zunächst müssen die Auflassorte von Käding festgelegt werden. Das sind jene Orte, von denen die Tauben losgeschickt werden. Die Abflugorte liegen immer in südöstlicher Richtung der Heimat, da sich die Brieftauben so auf die Richtung einfliegen können. Zur Hilfe gibt es für Dieter Käding vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter zertifizierte Auflassorte. Startpunkte der Wettbewerbe waren in diesem Jahr zum Beispiel Würzburg oder Wien.

Bei der Auswahl der Abflugorte arbeitet Käding am Küchentisch mit mehreren großen Landkarten, in denen zur Orientierung Striche und Punkte eingezeichnet sind. Die Flugwettbewerbe starten meistens samstags. Bis mittwochabends muss er eine Entscheidung fällen, ob der Flug verlegt oder sogar abgesagt wird. Dazu vergleicht Käding zahlreiche Online-Wetterdienste miteinander, schaut sich Bilder von Webcams an und ruft Kollegen vor Ort an. Wird es regnerisch oder stürmisch? Wohin ziehen die Regengebiete? Wie ist die Sicht, und von wo kommt der Wind? Alles Fragen, die mit einberechnet werden müssen. „Ich stehe teilweise nachts um zwei Uhr auf, um alles vorzubereiten“, sagt er. Familienfreundlich sei das Ganze nicht. An rund 22 Wochenenden im Jahr sind die Züchter zu Wettbewerben unterwegs, bei Käding kommt noch die gesamte Organisation hinzu.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Dienstag, 30. August

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