Fahrplanwechsel bei der Kurhessenbahn · Sechs Minuten schneller von Korbach nach Kassel-Wilhelmshöhe

Beschleunigung oder „Mogelpackung“?

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Eine Stunde und 16 Minuten braucht der Regionalexpress RE200904 für die Strecke vom Korbacher Hauptbahnhof nach Kassel-Wilhelmshöhe – wenn alles nach Plan geht.

Korbach - Wer kennt das nicht: Die Verspätung des Regionalzugs summiert sich und die Umsteigezeit für den Anschluss an einen ICE schmilzt dahin. Auf der Strecke Korbach-Kassel sollen Fahrgäste künftig seltener in diese Situation geraten. Die Fahrzeit ist seit 15. Dezember um sechs Minuten verkürzt.

Einige der „nicht schienenebenen“ Bahnübergänge ent- lang der Strecke wurden geschlossen, erklärt Steffen Müller, Sprecher des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV). Diesen unbeschrankten Übergängen haben sich die Züge aus Sicherheitsgründen mit verringerter Geschwindigkeit zu nähern. Der Zeitgewinn führe dazu, dass der Regionalexpress RE 04 nun immer zur Minute 21 den ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe erreiche.

Zeitgewinn kostet Komfort

Dadurch ergeben sich insbesondere bessere Anschlussmöglichkeiten bei Fahrten ins Rhein-Main-Gebiet (Umsteigezeit 17 Minuten), in den Norden nach Hannover und Hamburg (15 Minuten) oder auch in die Bundeshauptstadt (22 Minuten). Verbindungen gen Süden, über Würzburg nach München etwa, sind jedoch nach wie vor mit dem Manko eines einstündigen Zwischenstopps in Kassel behaftet.

Die Korbacherin Else Zekl, die oft mehrmals in der Woche mit dem RE 04 unterwegs ist, kennt den Unterschied zwischen Fahrplan und erlebter Wirklichkeit zwischen Korbach und Kassel. Der Zeitgewinn, der in offiziellen Informationen des NVV sogar mit zehn Minuten angegeben wird, sei zum einen dadurch erkauft, dass der Korbacher Südbahnhof nicht mehr angefahren werde. Das spare zwar vier Minuten, koste aber den Komfort einer nahen Einsteigemöglichkeit, insbesondere für die Bewohner des dicht besiedelten Quartiers im Südosten der Stadt. Zumal zwischen Ankunft und Abfahrt des Regionalzuges am Hauptbahnhof zehn Minuten lägen. In dieser Zeit sei doch die kurze Schleife nach Süden inklusive Einsteigezeit problemlos zu schaffen.

Zum anderen, so die Bahnfahrerin über die vermeintliche „Mogelpackung“, habe sich aus ihrer Sicht das Potenzial für Verspätungen auf der RE 04-Strecke vergrößert. So seien im Waldecker Teil der Strecke, in Twiste und Mengeringhausen, bisher reguläre Haltestellen zu Bedarfshaltepunkten umfirmiert worden, „obwohl nach meiner Beobachtung dort regelmäßig Fahrgäste ein- und aussteigen“. Und im Kasseler Streckenabschnitt erhöhten neue Zwischenstopps in mehreren Orten zwischen Wolfhagen und Zierenberg das Verspätungsrisiko.

Zeitpuffer reicht nicht

Das sieht NVV-Sprecher Müller planmäßig anders. Die zusätzlichen Haltestellen seien in der Gesamtkonstruktion berücksichtigt worden, „dem Fahrgast entstehen dadurch keine Nachteile“. Auch hinter den umgewandelten beiden Bedarfshalten würden keine schon einkalkulierten Verspätungen „versteckt“. Die zehn Minuten Wendezeit in Korbach hält er nicht für ausreichend, um den Südbahnhof wieder regelmäßig anzufahren. Schließlich diene dieser Zeitpuffer vor allem dazu, eventuelle Verspätungen aufzufangen, die sich sonst in den folgenden Verbindungen niederschlagen. Überdies werde die zweite Korbacher Haltestelle auch nur vorübergehend abgehängt. Denn ab Dezember sollen wieder Züge im Zuge der Reaktivierung der Strecke Korbach-Frankenberg den Südbahnhof regelmäßig anfahren.

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