22 Korbacher Sirenen bleiben weiter einsatzbereit

Bewährte Heuler

Korbach - Wenn sie heulen, droht Gefahr: 22 Sirenen in der Kernstadt und den Korbacher Ortsteilen bilden zusammen mit den Funkmelde-Empfängern der Einsatzkräfte ein flächendeckendes Alarm- und Warnsystem. Und die lautstarke Technik unter den stählernen Pilzdächern gehört längst noch nicht zum alten Eisen.

„Solange die Digitalfunktechnik noch nicht überall Einzug gehalten hat und vor allem störungsfrei funktioniert, werden wir an dieser bewährten Technik festhalten“, betont Stadtbrandinspektor Friedhelm Schmidt. Bis zum Ende seiner Amtszeit, die noch vier Jahre dauere, würden die zumeist auf Masten installierten Sirenen noch im Notfall heulen und damit eine Doppelfunktion erfüllen: Zum einen die Einsatzkräfte alarmieren und zum anderen die Bevölkerung bei Naturkatastrophen, größeren Unglücksfällen oder durch Brände freigesetzte Schadstoffwolken warnen.

Moderne Gebäudetechnik wie dreifach isolierte Schallschutzfenster schränken die Warnfunktion der Sirenen allerdings zunehmend ein. Sind vor solchen Fenstern nachts noch Jalousien heruntergelassen, dringen auch die 100 Dezibel starken Heultöne kaum mehr durch. Weil die Heultöne aber auch gedämpft meist noch durchdringender sind als der Piepton einer auf dem Handy empfangenen SMS-Nachricht, erleben die elektro-pneumatischen Geräte nach einer Demontage-Welle zurzeit in vielen Städten eine Renaissance. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen können Städte, die wieder auf Sirenen setzen wollen, bereits Landeszuschüsse erhalten.

Robuste Technik

Die Entspannung der weltpolitischen Lage nach Ende des kalten Kriegs hatte vor einem Vierteljahrhundert dazu geführt, dass der Bund das Interesse an den Signalgebern für den Verteidigungsfall verlor. Per Gesetz wechselten die Sirenen in den Besitz der Städte und Gemeinden. Wie bei allen „Geschenken“ dieser Art, hielt sich die Freude der Kommunen in Grenzen. Schließlich mussten fortan Wartung und Reparaturen, etwa nach Blitzschäden, aus dem Stadtsäckel bezahlt werden. In Korbach fallen dafür jährlich etwa 2500 bis 3000 Euro an, erklärt Schmidt, der den Eigenbetrieb Technische Dienste und Feuerwehr leitet.

Den Betrieb der vergleichsweise robusten Anlagen aufrechtzuerhalten sei jedoch allemal günstiger, als alle Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr mit Funkmelde-Empfängern auszustatten. Zurzeit koste ein Gerät zwischen 500 und 600 Euro. Der Preis werde mit fortschreitendem Ausbau der Digitaltechnik vermutlich auf 300 bis 400 Euro sinken. Momentan verfügen über ein solches Alarm-Empfangsgerät die 100 Feuerwehrleute, die in der Kernstadt einsatzbereit sind, sowie weitere 100 Brandschützer in den 14 Ortsteilen. Für die 230 Einsatzkräfte ohne Empfänger springt dann die Sirene an.

Den Feueralarm, ein zweimal unterbrochener Dauerton von insgesamt einer Minute Dauer, lösen die Mitarbeiter der Zentralen Leitstelle für den Brandschutz, den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz aus. Sie können somit per Sirene und Melde-Empfänger passgenau, vom Wasserrohrbruch bis zum Großbrand, die benötigten Gruppen und Fahrzeuge für den gemeldeten Notfall ortsspezifisch anfordern. Der Vorteil gegenüber den roten Feuermelder-Kästen, die früher an jeder Sirene zu finden waren und sie sofort auslösten: Informationen des Anrufers können sofort an die alarmierten Feuerwehrleute weitergegeben werden. Damit lasse sich laut Schmidt „bereits die Anfahrt zum Einsatzort durch gezielte Vorbereitungen nutzen“.

Von Thomas Kobbe

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