Hallenbad: Betriebsgesellschaft soll Konflikte lösen

Bewegung am Beckenrand

Korbach - Herbst 2015 lautete die Ansage zur Wiedereröffnung des Hallenbads. Dürfen die Korbacher aber vielleicht doch ein weniger früher die Badehosen einpacken? Am stählernen Beckenrand keimt jedenfalls ein Funken Hoffnung auf.

Hinter den Kulissen kursiert in der Hansestadt folgende Überlegung: Eine eigenständige Betriebsgesellschaft könnte die Regie im Hallenbad übernehmen. Die Gesellschaft würde die nötige Sanierung der Sanierung vorantreiben, später dann auch den laufenden Betrieb übernehmen. Die Stadt Korbach könnte diese Betreibergesellschaft gründen, Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) als Eigentümer des Hallenbads würde die Gesellschaft mit der Betriebsleitung beauftragen. Mit dieser Konstruktion sind zwar noch keine Fliesen ausgetauscht, keine Roststellen in den Edelstahlbecken beseitigt, keine zusätzliche Beleuchtung installiert und keine Rohrleitungen desinfiziert. „Aber eine Betreibergesellschaft mit eigenem Geschäftsführer könnte eine Menge Spannungen herausnehmen“, erklärt ein Insider auf WLZ-Nachfrage. Denn das gesamte Hallenbadprojekt und die folgenden juristischen Auseinandersetzungen waren bislang auch durch persönliche Animositäten begleitet. Im Dreieck zwischen Stadt als Nutzer, EWF als Eigentümer und Betreiber, einem Generalplaner aus Gotha sowie dem gesonderten Projektleiter, der Stadt und EWF gleichermaßen diente, geriet die Hallenbaderöffnung im März 2012 zum Desaster. Nach nur vier Wochen wurde das für rund zehn Millionen Euro sanierte Bad wegen gefährlicher Keime im Duschwasser schon wieder geschlossen. Im Nachgang kamen viele Mängel, Schäden und Streitfragen auf den Tisch – über die seither Anwälte und Gutachter befinden. EWF hatte vor dem Kasseler Landgericht Beweissicherungsverfahren angestrengt. Eine neue Betreibergesellschaft mit neuem Geschäftsführer könnte nicht nur unbelastet ans Werk gehen. Im Konsens mit Richtern, Gutachtern und Handwerksfirmen ist es vielleicht auch möglich, offene Mängel schneller zu beseitigen. „Wir würden eine solche Lösung begrüßen“, erklärt EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller auf WLZ-Anfrage zu Überlegungen für eine Betreibergesellschaft. Wie Bürgermeister Klaus Friedrich äußerte sich Schaller aber nicht zu Details. Thema war das Hallenbad am Mittwochabend derweil im Finanzausschuss des Parlaments. FDP-Sprecher Arno Wiegand hakte nach, ob inzwischen alle Gutachten beauftragt seien. „Mir ist auch zu Ohren gekommen, dass schon Monteure im Hallenbad zugange waren“, ergänzte Wiegand. „Meines Wissens sind alle Gutachten beauftragt“, sagte Rathauschef Friedrich. Handwerksarbeiten oder Reparaturen habe es aber noch nicht gegeben, betont Schaller. Zumal die Haftungsfragen noch nicht geklärt sind. „Wir müssen deutlicher fordern, dass die Sache vorangetrieben wird, und im Namen der Stadt dafür sorgen, dass wir endlich aus dieser Peinlichkeit kommen“, betonte Wiegand.Mit dieser Einschätzung steht der Liberale wahrlich nicht allein. Von Jörg Kleine

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