Korbach erhält Auszeichnung zur „Fair-Trade-Stadt“ · Urkundenübergabe am kommenden Donnerstag

Bewusstsein für „Wert-volles“ schaffen

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Sie freuen sich schon auf die Auszeichnung (v.l.): der Leiter der Steuerungsgruppe Franz Harbecke mit Thorsten Peper und Wolfgang Schmidt von der Abteilung Stadtentwicklung.

Korbach - Vor einem guten Jahr fassten die Stadtverordneten den Beschluss, dass sich Korbach um den Titel „Fair-Trade-Stadt“ bewerben soll. In einer Woche ist es so weit: Die Hansestadt erhält die angestrebte Auszeichnung.

Begonnen hat alles mit dem kleinen Weltladen in der Tränkestraße. Die Eröffnung 1999 war die Geburtsstunde des fairen Handels in Korbach. Seitdem wuchs das Engagement für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen von Produzenten in Entwicklungsländern stetig.

Seit 2009 können sich Städte, Kommunen und Landkreise in Deutschland um eine Auszeichnung von „TransFair“ bewerben. „Transfair“, das ist ein Verein, der selbst keine Waren vertreibt, aber Zertifikate für fair gehandelte Produkte vergibt. Mittlerweile sind knapp 200 Städte als „Fair-Trade-Stadt“ ausgezeichnet oder stehen kurz davor.

Fünf Kriterien

Im Juni 2012 fasste auch die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss, die Bewerbung Korbachs als Fair-Trade-Stadt anzustreben. Damit erfüllte Korbach schon die erste von fünf Vorgaben. Danach rief Bürgermeister Klaus Friedrich die Steuerungsgruppe „Agenda 21 Fairer Handel“ ins Leben, womit er der zweiten Anforderung nachkam. Zu dieser Steuerungsgruppe gehören insgesamt neun Mitglieder. Vertreten sind die Stadt, die „Eine-Welt-Initiative“, der Arbeitskreis Christlicher Kirchen, Parteien und Vertreter der heimischen Medien.

13 Monate nach der Beschlussfassung erfüllt die Hansestadt alle Kriterien, im Juli wurde die Bewerbung eingereicht. „Es war zwar einiges an Arbeit, aber es ist gut, den starken Rückhalt von der Stadt zu spüren“, meint Franz Harbecke, der zum Sprecher der Arbeitsgruppe ernannt wurde. Außerdem sei es relativ einfach gewesen, Gastronomen dafür zu gewinnen, fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Orangensaft und Ähnliches anzubieten. Der dritte Schritt hin zur Fair-Trade-Stadt. „Anstatt der geforderten drei Betriebe sind es in Korbach schon neun, die gelistet werden können“, freut sich Thorsten Peper von der Abteilung Stadtentwicklung. Und auch in den Supermärkten werde das Angebot an fairen Produkten stetig erweitert.

Die vierte Säule umfasst das Angebot von zertifizierten Waren in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kirchen oder im Rathaus. Die Arbeit in Korbach geht aber noch darüber hinaus. Mit Lernsäulen, die Materialien für den Unterricht bereit halten, Führungen und Aktionen im Weltladen kann das Thema auch in der Schule oder für Vereine erlebbar gemacht werden.

Das letzte Kriterium dreht sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Die Initiative sollte nicht nur innerhalb der Steuerungsgruppe liegen, sondern durch Aktionen und Berichte in die breite Masse getragen werden. „Allein die Auftaktveranstaltung mit einem Vortrag zum Thema Fair-Trade-Town war ein voller Erfolg“, blickt Peper zurück.

Die Initiative beteiligt sich auch bei der Fairen Woche. Dazu findet Samstag ab 9.30 Uhr im Bürgerhaus das „Faire Frühstück“ statt. Und auch die zweite Vortragsveranstaltung zum Thema fair gehandelte Textilien war ein Zuhörermagnet. Dieses Thema wolle die Arbeitsgruppe auch in der Zeit nach der Auszeichnung stärker in den Fokus rücken. Denn mit dem Erhalt des Titels „Fair-Trade-Stadt“ ist es noch nicht vorbei. In zwei Jahren wird nochmal geprüft, ob die Korbacher das Erreichte erhalten und vielleicht auch noch weiter vorangetrieben haben.

Wert-volle Güter

„Wir wollen mehr Bewusstsein für den Umgang mit Konsumgütern schaffen“, erklärt Wolfgang Saure, der ebenfalls in der Abteilung Stadtentwicklung arbeitet. Erste Schritte dazu sind schon geschehen, Potential sei aber noch da, sind sich die Mitglieder der Agenda sicher. Es gehe darum, zu erkennen, dass unsere alltäglichen Güter „wert-voll“ sind.

Nun wird Korbach also als „Fair-Trade-Stadt“ ausgezeichnet. Zur Urkundenverleihung kommt Manfred Holz, Ehrenbotschafter von Fair Trade, am Donnerstag, 26. September, um 17 Uhr ins Korbacher Bürgerhaus. „Zur Auszeichnung sind alle Korbacher herzlich eingeladen“, freut sich Peper. Für ein Rahmenprogramm ist gesorgt. Zum Beispiel kommt Papillon Placktor aus Volkmarsen mit seinen togolesischen Trommeln, die „KostBar“ stellt Snacks bereit und der Arbeitskreis wirft einen Blick auf die Entwicklung des fairen Handels in Korbach.

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