Birgit Jönsson formt aus alter Eiche einen Bienen-Roland

Bienen im Bauch

Korbach - Einen Roland mit Bienen im Bauch: Birgit Jönsson hat am Montag in der Knipschildstraße mit einem Kunstwerk der besonderen Art begonnen. Die Holzbildhauerin formt eine Skulptur mit praktischem Nutzen – eine Figurenbeute.

Noch ist es ein starker, rund 100 Jahre alter Eichenstamm. Doch in den nächsten drei Monaten soll aus dem alten Holz ein Roland werden – einer, der es in sich hat. Holzbildhauerin Birgit Jönsson aus Nürnberg hat am Feldweg an der Knipschildstraße ihre Zelte aufgeschlagen: Sie ist Spezialistin für Figurenbeuten. Die Figuren, die auf den ersten Blick wie geschichtsträchtige Skulpturen aussehen, haben Bienen im Bauch. „Diese Tradition stammt aus einer Zeit, als Wächterfiguren Honigdiebe vertreiben sollten“, erzählt die Künstlerin. Im Winter finden Bienen in dem Holz Unterschlupf und produzieren Honig, den Menschen nicht ernten können. An vielen Orten Deutschlands hat die Künstlerin schon Figurenbeuten aufgestellt. Am Bauch bleibt eine Öffnung für die Bienen und im Rücken eine Tür, um den Tieren immer mal wieder bei der Arbeit zuschauen zu können. Und weil Birgit Jönsson für die Hansestadt Bremen jüngst einen Roland baute, wurden Tierärztin Dr. Andrea Schmidt und ihr Mann auf die Arbeit aufmerksam. Sie luden die Künstlerin nach Korbach ein und seit gestern wird direkt am Wanderweg gebaut – vorerst mit Äxten, dann mit Motorsägen. Ein Modell zeigt, was aus dem Holzstamm mal werden soll: ein Roland. Bienen werden erst nächstes Jahr einziehen – zur Not mithilfe des Imkervereins, der seine Unterstützung bereits zugesagt hat. Interessierte sind aber jetzt bereits willkommen: „Es ist mir wichtig, dass die Korbacher Anteil nehmen“, sagt die Künstlerin, „und ich will die Atmosphäre der Stadt spüren, ihre Geschichte mit dem Roland verstehen.“ Ob Künstler, Naturschützer oder Schulklassen: Alle sind am Feldweg an der Knipschildstraße willkommen, um der Künstlerin in den nächsten drei Monaten über die Schulter zu sehen.Auch anschließend soll der Roland mit Bienen im Bauch Anlaufpunkt für Gruppen und Wanderer sein, hier können sie Bienen bei der Arbeit zu sehen. Dr. Andrea Schmidt ergänzt: „Und vielleicht sensibilisiert das Projekt ja auch Menschen dafür, in ihren Gärten mal Blumen zu pflanzen, bei denen Bienen Nahrung finden können.“ Von Theresa Demski

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