Milben, Wetter und „verarmte Landschaften“ verantwortlich

Bienenjahr beginnt mit schwacher Population

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Imkerpate Rudolf Schwarz (r.) zeigt Neueinsteigern einen Rahmen aus einen Bienenvolk, welches gut durch den Winter gekommen ist – was nicht auf jede Population zutrifft.Foto: Wilhelm Figge

Korbach - Mehr als 20 Prozent der Bienenvölker haben den Winter nicht überlebt. Die Korbacher Imker sind auf Lösungssuche.

Achim Peltz weiß, dass bei der Arbeit mit Bienen Rückschläge zu verkraften sind: „Es muss nicht einmal die Schuld des Imkers sein - manchmal sterben die Bienen einfach“, warnt der Imkerpate eine Gruppe von Einsteigern. Laut Angaben des deutschen Imkerbundes haben 22,3 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt - der Schwund liegt mehr als doppelt so hoch wie gewöhnlich. Die Zahlen träfen auch für den Imkerverein Korbach zu, bestätigt der für die Gesundheitszeugnisse verantwortliche Rudolf Schwarz.

Den überlebenden Völkern fehlt knapp ein Drittel an Population. Dazu hat auch das zwischenzeitlich kalte Wetter beigetragen: Dann zieht ein Bienenvolk sich zusammen, um die Brut zu wärmen, statt zu expandieren. „Damit fehlt ein Brutdurchgang“, erklärt Rudolf Schwarz. Wenn das Wetter schön bleibt, würden die Völker sich aber bis Juni wieder aufbauen. Manches Volk sei indes noch wesentlich kleiner, berichtet Achim Peltz - besonders schwache habe er zusammengelegt. Innerhalb des Bienenstaats sei das kein einfacher Wandel - schließlich braucht dieser nur eine Königin. „Die Stärkere überlebt“, beschreibt er die harte Realität des Bienenlebens.

Parasiten schwächen Bienen

Hauptursache des Bienensterbens sind die Varroamilben: Parasiten, die sich in der Brut vermehren und die Tiere schwächen. Besonders im Herbst machen sie „Druck“: Dann sinkt die Zahl der Bienen bereits, während die Milben sich weiter vermehren. Deshalb befürchtete der Imkerbund bereits nach dem langen Herbst des Vorjahres hohe Verluste - von knapp 30 Prozent war die Rede.

In Dezember und Januar gehen die Imker gegen die Parasiten vor: An milden Wintertagen setzen sie Oxalsäure ein. Die Substanz kommt auch natürlich in Bienenstöcken vor, wenn auch in niedriger Konzentration. Dabei müssten die Imker nicht nur auf ihre eigene Haut aufpassen, erklärt Schwarz: Die Bekämpfung der Milben innerhalb des Insektenstaats sei eine Gradwanderung. Da der Nachwuchs diese nicht überleben könnte, beschränkt sich der Einsatz auf die brutlosen Wochen im Winter.

Verarmtes Land soll blühen

Die Milbe ist indes nicht der einzige Grund für schwindende Bienenpopulationen: Schwarz nennt auch die Verarmung der Landschaft durch den Maisanbau sowie Dünger, Pestizide und Herbizide. Er möchte die Landwirte nicht für Schritte kritisieren, die sie gehen müssen - einige Wiesen und Wegesränder für Bienen frei zu halten, sei aber erstrebenswert. „Die meisten Wege sind so breit, da wäre noch Raum, um den Bienen über magere Zeiten zu helfen“, erklärt er. Es gebe Förderprogramme für wilde Randstreifen.

Die Imker selbst steuern dem Bienenschwund mit Werbung neuer Kollegen entgegen - so wächst ihre Zahl, während die der Völker stabil bleibt. „Im Prinzip kann jeder was tun“, fügt Schwarz hinzu: Gärtner können mit speziellen Saatmischungen bienenfreundliche Wiesen und Blumenkästen anlegen. Dies sei im allgemeinen Interesse: Zwar würden die Menschen ohne Bienen nicht sofort verhungern, aber Vitamine und Spurenelemente gingen verloren. Die Albert Einstein zugeschriebene Warnung, dass beim Verschwinden der Bienen der Mensch bald folge, sei wahr: „Einstein ist immer noch gültig.“

Von Wilhelm Figge

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