Ausstellung „Trotz allem – ich lebe“ bis Freitag im Fröbelseminar zu sehen

Bilder der Flucht und des Ankommens

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Ausstellung "Trotz allem - ich lebe" im Fröbelseminar Korbach

Korbach - Die Erfahrung von Flucht und Verlust haben geflohene Frauen künstlerisch aufgearbeitet.

Die Ausstellung ihrer Werke zeigt auch, wie sie gelernt haben, nach vorne zu blicken. Ljuljeta A. aus dem Kosovo, Maryam M. aus dem Iran, Neriman S. aus der Türkei und Eva J. aus Liberia: Vier Frauen aus drei Kontinenten, die ihre Heimat verlassen mussten und nach Deutschland gekommen sind. Sie alle haben die Flucht mit Kunsttherapie aufgearbeitet. 21 dabei entstandene Werke hat die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen zur Ausstellung „Trotz allem - ich lebe“ zusammengefasst. Diese Woche ist sie im Evangelischen Fröbelseminar in Korbach zu sehen.

Vier Schicksale in Bildern

Eva J. aus Liberia beobachtete, wie im Bürgerkrieg ihre gesamte Familie ermordet wurde. Das Bild „Schmerz“ zeigt als einziges gegenständlich die Gewalt, ihre anderen Werke sind abstrakt. Was formlos erscheint, hat Hintergründe: Sie malte das im Traum gesehene Lieblingsbild ihrer Mutter nach, verwendete die favorisierten Farben ihres Bruders oder erinnerte sich an ihren Vater, indem sie schmückende Symbole des Elternhauses nachzeichnete.

Maryam M. aus Teheran war bereits Künstlerin, bevor sie 2001 den Iran verließ. Mit der Rückkehr an die Leinwand gewann sie Lebensfreude zurück und erinnerte sich an die verlorene Heimat: „Kunst lässt mich eintauchen in die ‚Alte Welt‘ und spendet Trost“, heißt es im Begleittext eines ihrer Bilder. Blumen sind ihr Lieblingsmotiv, sie würden Hoffnung spenden: „Sonnenblumen: Der Sonne immer das Gesicht zuwenden - welch wunderbare Fähigkeit.“

Neriman S. aus Erzincan lernte erst zu malen, nachdem sie 1997 aus der Türkei nach Deutschland floh: In Porträts wie der „Ungeschützten“ und ihrer Version des „Afghanischen Mädchens“ zeigt sie Gefahren ausgesetzte Gestalten. Ihre „Anatolische Frau“ befindet sich nicht mittig im Bild, sondern so weit unten und seitlich, als wolle sie aus dem Bild fliehen, bemerkt Lehrerin Lina Fackiner.

Ljuljeta A. lernte die Kunsttherapie kennen, nachdem sie vor dem Kosovokrieg floh. Sie wollte „der Schwere in ihr etwas entgegensetzen“, heißt es in ihrer Vorstellung. Das vollbrachte sie mit symbolischen Bildern: die Abgeschnittenheit von eigenen Gefühlen spiegelt sich in einer zerteilten Figur wieder, Verwirrung in einem Werk über „Gedankenwirrwarr“.

Malerinnen sehen nach vorn

Die Ausstellung hält indes nicht nur die Folgen der Flucht und das Gute aus früheren Leben fest, alle vier Frauen zeigen, wie sie die Ereignisse verarbeitet haben. Am Ende von Nerimans Porträtreihe steht ein unbekümmertes Kind - sie verliert in der Beschreibung kein Wort von Flucht, sondern freut sich an Offenheit und Fröhlichkeit. Maryam beschreibt, was malen auslöst: „Sicherheit gewinnen. Die Farbe an den Händen spüren. Neuen Kontakt herstellen - zu mir selbst.“ Ljuljeta hält ihre Hoffnung auf ein Ende von Grenzen und Krieg fest. Und Eva schreibt: „Gott wirft ein Auge auf mich. Er hat mir geholfen, in Deutschland zu bleiben. Ich bin sehr glücklich, danke.“

Die Studierenden des Fröbelseminars haben sich in Kunst, Politik, Religion und Anthropologie mit dem Thema Flucht beschäftigt, die Künstlerinnen vorgestellt und Hintergrundinformationen zur Lage in ihren Herkunftsländern herausgesucht. Viele hätten sich schon in Berufspraktika der Begleitung minderjähriger Flüchtling gewidmet, erklärt Schulleiterin Claudia Bremer-Müller. Die Ausstellung soll auf die Interkulturelle Woche ab dem 20. September einstimmen.

Von seiner Arbeit mit Flüchtlingen berichtet bei der Ausstellungseröffnung Bijan Otmischi, Integrationsbeauftragter im Landkreis Kassel. Er interviewt Flüchtlinge über ihre Berufserfahrung und ihre gewünschten Perspektiven und hilft dann, dies in die Tat umzusetzen.

Die Ausstellung „Trotz allem - ich lebe“ öffnet noch bis Freitagmittag in der Aula des Fröbelseminars. Heute und morgen steht sie von 14 bis 16 Uhr offen. Unter Tel. 05621/5879 und ß5631/505080 können Gruppen und Schulklassen Termine für vormittags vereinbaren. Eintritt frei.

Von Wilhelm Figge

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