Kabarett der alten Schule mit Volker Pispers in Korbach

Bitterer Sarkasmus, treffende Pointen

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Kopf an Kopf: Kabarettist Volker Pispers füllte die Korbacher Stadthalle. Foto: Jahn

Korbach - Selten erlebt die Stadthalle einen solchen Publikumsansturm wie am Mittwochabend: Sogar das Foyer wurde mit einbezogen, um alle Interessenten unterzubringen, die den Kabarettisten Volker Pispers sehen wollten.

Pispers kennt man aus dem guten alten „Scheibenwischer“, aus den WDR-„Mitternachtsspitzen“, der ZDF-„Anstalt“ und natürlich der 3-sat-Sendung „Volker Pispers und Gäste“. All das sind Sendungen, die politisches Kabarett in der Tradition der „Lach- und Schießgesellschaft“ und der „Stachelschweine“ in den Mittelpunkt stellen, beim legendären Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ war Pispers Anfang der Neunziger ja selber aktiv.

Dieser kabarettistische Ansatz ist ziemlich aus der Mode gekommen, trotzdem füllt Pispers die Hallen wie sonst nur die Blödel-Kollegen der Comedy-Fraktion. Dabei ist sein Vortrag von äußerstem Purismus gekennzeichnet: Da gibt es keine Kostüme, noch nicht einmal wechselnde Kappen, er schlüpft auch in keine Rollen oder übertreibt in Gestik und Mimik. Nur ab und zu verstellt er kurz die Stimme, um die Merkel zu geben und mit einem ihrer charakteristischen inhaltsleeren Sätze für garantierte Lacher zu sorgen. Doch der kleine Ausflug in die Parodie ist nur eine zusätzliche Würze. Ansonsten bleibt er ganz er selbst und trägt seine Sicht der Dinge vor; man könnte fast sagen, er doziert. Zum Glück lockern aber klug gesetzte Pointen den Vortrag auf.

Er zeigt mit bitterem Sarkasmus und beeindruckender Detailkenntnis auf, wie sich die Lebensumstände in den letzten Jahren für den von ihm viel beschworenen „kleinen Mann“ immer mehr verschärft haben, wie die Löhne sanken und die Abgaben stiegen, während die Reichen weiter entlastet wurden - egal, welche Parteien nun die Regierung stellen.

Alt werden wie Heesters

Er kann sich immer noch ereifern, dass die kapitalistische Wirtschaftsform, die alles unter das Diktat des Geldes stellt und dabei menschliche Existenzen ebenso zerstört wie die Umwelt, als „alternativlos“ begriffen wird. Er rechnet vor, dass fast 40 Prozent der Bevölkerung auf Altersarmut zusteuern und dass die Riesterrente erst ab einem Lebensalter von 95 Geld bringt: „Wenn Sie davon etwas haben wollen, müssen Sie schon Heesters heißen!“

Seit drei Jahrzehnten macht er Kabarett und fordert sein Publikum auf: „Nennen Sie mir einen, nur einen Bereich, in dem in dieser Zeit etwas besser geworden ist.“ Egal, ob Bildung, Umwelt, Wirtschaft, Soziales - alles sieht er den Bach runtergehen und erntet dafür ein zustimmendes Nicken auch in Korbach. Er verzweifelt fast, als er die Deutschen mit einem Spaziergänger vergleicht, der beim Gang um den Block immer wieder in dieselbe „Hundescheiße“ hineintritt. Den Weg zu ändern würde ja bedeuten, ein Risiko einzugehen!

Fettreserven anfressen

Als Pessimist prophezeit er deshalb weitere Sozialkürzungen, noch mehr Ungleichheit, Umweltzerstörung, Altersarmut und noch viele Jahre Merkel, unter welchem Vorzeichen auch immer. Bei solchen Aussichten äußert er Verständnis für die Zunahme adipöser Kinder, die sich Fettreserven für eine düstere Zukunft anfressen.

Am Ende der fast dreistündigen und bei aller Düsternis der Analyse kurzweiligen Veranstaltung freut sich der Kabarettist über den Publikumsansturm, erinnert aber auch an seine Anfangszeit, in der er manchmal vor nur zwölf Leuten auftreten musste: „Damals war ich auch nicht schlechter, teilweise habe ich sogar dasselbe gesagt, wahrscheinlich hätte es Ihnen auch gefallen, doch Sie waren nicht da!“ Deshalb appelliert er an die Zuschauer, auch Kollegen eine Chance zu geben, die noch nicht im Fernsehen zu sehen sind. (jahn)

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