Korbach: Chromokoloskopie hilft bei Erkennung von Polypen

Blaue Farbe schärft Blick in den Darm

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- Korbach (r). Dr. Arved-Winfried Schneider, Chefarzt am Stadtkrankenhaus Korbach, wirkte mit an einer Optimierung der Resultate bei Darmspiegelungen.

Die Koloskopie (Dickdarmspiegelung) hat sich als hervorragendes Verfahren zur Verhütung von Darmkrebs erwiesen. Der Erfolg der Methode beruht darauf, dass die Vorstufen des Krebses, die sogenannten adenomatösen Polypen, im Darm entdeckt und abgetragen werden.Durch die Anwendung der Koloskopie als Vorsorgeverfahren, wie auch bei Patienten mit Darmsymptomen, werden in Deutschland pro Jahr mindestens 15 000 Krebserkrankungen verhütet. Leider können bei der Koloskopie nicht alle vorhandenen Polypen erkannt werden. So bleiben selbst bei den erfahrensten Untersuchern mehr als fünf Prozent der vorhandenen Polypen unentdeckt, wobei insbesondere flach wachsende und kleine Polypen unerkannt bleiben.

Durch die Verwendung von farbigem Licht zur Ausleuchtung des Darms, wie es bereits seit acht Jahren auch im Stadtkrankenhaus Korbach praktiziert wird, konnte die Entdeckungsrate von Polypen zwar gesteigert werden, dennoch wird seit Jahren nach weiteren Möglichkeiten zur Optimierung der Koloskopie gesucht. In den endoskopischen Abteilungen des Stadtkrankenhauses Korbach und der Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden wurde unter der Leitung der Chefärzte Dr. Arved-Winfried Schneider und Prof. Dr. Christian Ell unter Einbeziehung von über 1000 Patienten eine Studie durchgeführt, die aktuell in der hochrangigen medizinischen Fachzeitschrift „Gut“ publiziert wurde.

In dieser, in Expertenkreisen weltweit beachteten Studie wurde nachgewiesen, dass die Zahl der entdeckten Polypen durch das Aufbringen des ungiftigen Farbstoffes Indigocarmin auf die Schleimhaut um 19 Prozent gesteigert wurde. Chefarzt Dr. Schneider erklärt den Vorteil der Färbetechnik (Chromokoloskopie) durch die Tatsache, dass sich der Farbstoff in den Konturen der Polypen sammelt. Hierdurch wird das erkrankte Gewebe vom gesunden sichtbar abgegrenzt. Die Wissenschaftler aus Korbach und Wiesbaden sind überzeugt, dass die von ihnen angewandte Färbemethode in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Verbesserung der Koloskopie leisten kann.

Literaturangabe: Gut 2011; 60 (4): S. 485–490; Titel: pancolonic chromoendoscopy with indigo carmine versus standard colonscopy for detection of neoplastic lesions: a randomised twocentre trial; Pohl J., Schneider A., Vogell H., Mayer G., Kaiser G., Ell C.

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