Mitglieder des ältesten aktiven Upländer Kegelclubs feiern 50-jähriges Bestehen

"Blaue Jungs"schieben nie ruhige Kugel

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Willingen - Schwalefeld - "In einem halben Jahr spricht von denen keiner mehr", belächelte ein Schwalefelder Metzgermeister am 11. März 1962 im "Upländer Hof" die Gründung des ersten örtlichen Kegelclubs. Die "Blauen Jungs" belehrten ihn eines Besseren.

"Wir sind nach meinen Recherchen nicht nur der erste Schwalefelder Kegelclub, sondern auch der älteste aktive Club im Upland", berichtet Manfred Figge im Rahmen der Jubiläumsfeier am Sonntag. Vor 50 Jahren rief er gemeinsam mit Friedrich Ashauer, Hans Lange, Kurt Donath, Wilhelm Lange, Heinz Lange, Albert Kesper, Helmut Göbel, Walter Kesper, Wilhelm Müller, Karl Otto Vonhoff und Helmut Ashauer den Club ins Leben. Gestern wie heute fungiert Figge als "Manager" und Kassierer der "Blauen Jungs". Er ist einzig verbliebenes Gründungsmitglied, einige sind bereits verstorben .

Kegeljungs im Gepäck

"Alle Neune" heißt es 1962 zunächst im Willinger Hotel Göbel (Krien). "Da niemand ein Auto hatte, fuhren wir mit dem ,Upländer‘ nach Willingen und gingen später zu Fuß zurück", erinnert sich Figge. Bei jeder ihrer Touren in den Nachbarort haben die "Blauen Jungs" zwei Kegeljungs dabei. Bis das Hotel Göbel 1965 eine automatische Bahn baut, stellen Wilfried Schnautz und Jürgen Kesper die Kegel nach jedem Wurf wieder gleichmäßig im Quadrat auf.

1970 eröffnet im Hotel Göbel (Dommes) die erste Schwalefelder Kegelbahn. Fortan bringen die "Blauen Jungs" die Kugeln vor der eigenen Haustür ins Rollen - bis 1990 bei Dommes und ab 1991 im "Haus des Gastes". Heute kommen dort an jedem Mittwochabend sieben Kegelbrüder zusammen. Neben Manfred Figge gehören Hans-Heinrich Genuit, Hendrik Schröder, Friedrich Schalk, Rudi Rusnak, Heinrich Emde und Karl Emde zum Club.

Nach Brand vermisst

Ganz gleich wer zu den "Blauen Jungs" gehört(e), an einem hat sich nie etwas geändert: der guten Gemeinschaft, die seit dem Gründungsjahr zum Beispiel auf Kegeltouren gepflegt wird. Die erste Fahrt führt die Truppe seinerzeit an Rhein und Mosel. "Zwischen 1963 und 1969 haben wir alle geheiratet, und seitdem nehmen wir unsere Frauen mit", berichtet Figge. Zusammen geht es unter anderem in den Harz, nach Düsseldorf, Wilhelmshaven, Hamburg, Göteborg, Berlin, Paris und München. Seit den 90er-Jahren zieht es die Schwalefelder in die Ferne: Mallorca, Tunesien, Gran Canaria heißen einige Ziele.

Besonders aufregend verlaufen die Touren 1996 nach Rhodos und 2010 in die Türkei: 1996 brennt der Flughafen in Düsseldorf und da niemand der 16-köpfigen Truppe ein Mobiltelefon dabei hat, weiß in Schwalefeld lange Zeit keiner, ob es den Keglern gut geht. 2010 müssen die Upländer am Boden bleiben, weil Vulkanasche aus Island alle Flüge ab Paderborn unmöglich macht.

Grillabende, Weihnachtsfeiern und Freundschaftstreffen mit den Kegelkameraden von "Bei Nacht" (Deifeld) und "Alle Neune" (Altenbüren) gehören ebenso zum Programm. Bei den Schwalefelder Dorfmeisterschaften räumen die "Blauen Jungs" seit 1980 achtmal den Titel ab.

50 Jahre nach der Clubgründung sind die Jungs zwar keine Jungs mehr, aber eine ruhige Kugel schieben sie deshalb noch lange nicht. So tauschen sie nicht nur einmal wöchentlich auf der Kegelbahn Straßen- gegen Turnschuhe, sondern treten darüber hinaus einmal im Jahr zum Königskegeln an.

Mit 185 Holz bei 30 Würfen sichert sich Hans-Heinrich Genuit am Sonntagabend die Köngiskette und tritt die Nachfolge von Rudi Rusnak an. Mit einem dreifachen "Gut Holz - schmecken soll’s" gratulieren ihm seine Kegelbrüder und deren Frauen. "Du hast knapp, aber verdient gewonnen. Führ uns gut durchs Jubiläumsjahr", gratuliert Figge bei der Königsproklamation.

Fidel in die Zukunft

Nach dem Königskegeln und einem kleinen Wettkampf der Frauen geht es zum gemeinsamen Essen in das Gründungslokal "Upländer Hof". Dort feiern die Schwalefelder den runden Geburtstag des ältesten, aber noch sehr aktiven Upländer Kegelclubs in gemütlicher Runde. Auch Ehrenmitglied Helmut Vogel lässt es sich nicht nehmen, mit den Jungs auf die Zukunft anzustoßen. Manfred Figge: "Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr immer noch so fidel sind."

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