WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine referiert beim Landwirtschaftlichen Kasino

Vom Bleisatz in die digitalen Welten

Korbach - Übers Zeitungmachen im Wandel der Zeiten berichtete der WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine den Mitgliedern des Landwirtschaftlichen Kasinos beim vorweihnachtlichen Treffen in Korbach.

Jede Zeile Bleiletter für Bleiletter per Hand setzen, Filme entwickeln und Abzüge rastern – diese Zeiten sind längst vorbei. Zeitungsarbeit heute spielt sich digital ab, ohne Computer geht nichts mehr. Rund um die Uhr werden Neuigkeiten im Internet veröffentlicht. Und noch Minuten vor dem Andruck der WLZ gegen Mitternacht lassen sich aktuelle Meldungen in der Zeitung von morgen unterbringen. Bei der traditionellen Kasino-Weihnachtsfeier am Samstag im Hotel Touric hielt Jörg Kleine den überwiegend aus Waldeck stammenden Mitgliedern und ihren Frauen einen Bildervortrag übers Zeitungsmachen. In einem Videofilm zeigte er zunächst, wie das Blatt im Tagesverlauf entsteht – von der ersten Morgenkonferenz bis zum Druck in Marburg. In Wort und Bild stellte Kleine den Wandel der Zeiten dar. Als Wilhelm Bing 1887 die „Corbacher Zeitung“ gründete, hatte sich am Handwerkszeug wenig geändert, seit Meister Johannes Gutenberg 400 Jahre zuvor den Druck mit beweglichen Bleilettern erfunden hatte. Doch in den 1980er Jahren setzte eine technische Entwicklung ein, die immer rasanter wird. Die ersten Computer kamen auf, nach 2000 die Digitalkameras. Seit 1992 wird die Zeitung komplett am Bildschirm layoutet. Als eine der ersten Lokalzeitungen Deutschlands startete die WLZ-FZ 2001 ihr Online-Angebot im Internet. Neue Formen der Nachrichtenverbreitung im sozialen Netzwerk Facebook oder über den Kurznachrichtendienst Twitter kamen hinzu. „Wir machen viel mehr als Zeitung“, betonte Kleine. Seit 2007 wird die Sparte Video ausgebaut, gerade Firmenvideos seien sehr erfolgreich. Beispiele führte er vor. Er schilderte auch die journalistische Arbeit. Das Netzwerk der vier Redaktionen im Kreis sei „erstklassig“, die meisten Mitarbeiter seien viele Jahre dabei und erfahren. Bundesweit läsen noch 71 Prozent der Deutschen eine Tageszeitung, 53 Prozent eine Regional- oder Lokalzeitung. Doch der Trend gehe weg vom gedruckten Blatt, gerade Jüngere zögen digitale Medien vor. Kleine warnte vor „unprofessionellen Angeboten“ im weltweiten Netz, wo ungeprüfte Informationen, Fälschungen oder Meinungen bis hin zur Hetze veröffentlicht würden. Er verwies auf die journalistischen Pflichten und die im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit. In der Lokalzeitung könnten aber auch die Leser jeden Tag die Nachrichten überprüfen – und sich bei eventuellen Fehlern gleich an die Kollegen vor Ort wenden. Im Anschluss beantwortete er einige Fragen. Der Vorsitzende Rudolf Mitze aus Berndorf freute sich über ein volles Haus“ bei der Weihnachtsfeier. Die Adventszeit bringe viel Licht, und „mit jeder Kerze wächst das Licht in unseren Herzen.“ An den seit zwölf Jahren amtierenden Geschäftsführer Dr. Gerald Snowdon und dessen Frau überreichte Mitze einen Präsentkorb – das habe ihm der Nikolaus höchstpersönlich mitgeben, betonte er. Dr. Snowdon blickte aufs Jahr zurück. Schon seit 2002 trage er die Berichte vor, und er habe den Eindruck, mit zunehmendem Alter vergehe die Zeit immer schneller. Die Leute würden im Alter gelassener, erlebten nicht mehr so viel Neues, vieles wiederhole sich, und feste Gewohnheiten prägten sich aus. Er rief auf, die Zeit zu genießen, so gut wie es geht“. Das Kasino könne zwar keine grundlegenden Änderungen des Labens bringen, aber es biete mit seinen Angeboten „kleine Farbtupfer im Alltag“. Jeden Monat gebe es im Hotel „Touric“ eine Kasino-Sitzung. Hinzu kämen Fahrten oder gesellige Unternehmungen. Besichtigungen habe es dieses Jahr nicht gegeben. Eine Tagesfahrt führte im Juni nach Altmorschen, ins Kloster Haydau und zur Firma Braun in Melsungen. Außerdem gab es einen Besuch in der Alten Schule in Lelbach. Die Kulturpreisträger des Kreises Thomas Schwill, Georg Lungwitz und Eberhard Jung spielten Klaviermusik und sangen Arien, auch die Gäste durften mitsingen. „Es war ergreifend und unterhaltend“, sagte Dr. Snowdon. Auch die Partnerinnen und die Frauen der gestorbenen Mitglieder sind stets willkommen. Zur Vereinsstruktur führe er aus, dass fast alle Mitglieder aus der Landwirtschaft kämen und mehr als 60 Jahre alt seien – inzwischen liege der Schnitt bei mehr als 70, der Älteste ist Karl Schultze aus Flechtdorf mit 97 Jahren. Keine andere Organisation im Kreis biete für diese Altersgruppe etwas ähnliches wie das Kasino, betonte er. Die Sitzungen seien immer gut besucht. Doch die sinkende Zahl der Mitglieder gebe „Anlass zum Gegensteuern“: Derzeit seien es 44, „es gab aber auch mal mehr als 50.“ Im Sommer sei deshalb eine Werbeaktion gestartet worden, gezielt seien Leute angesprochen worden. Aber die Reaktion sei eher „verhalten“ gewesen, erst zwei neue Mitglieder seien hinzugekommen. Stadträtin Ulrike Tönepöhl erinnerte an die Hauptthemen des Jahres in Korbach, ob die Querelen mit der Hallenbad-Sanierung, der Ausbau des Krankenhauses, die Erweiterung des Altenheims um eine Tagesklinik oder die neue Lagerhalle des Continental-Werkes. Sie berichtete auch von den Haushaltsnöten der Kreisstadt, vom Sparzwang, steigenden Kinderbetreuungskosten und der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen.Weihnachtslieder zum Mitsingen spielte Fritz Emde aus Berndorf auf dem Akkordeon. Auch Zeit zum Austausch bei Kaffee und Kuchen blieb. Unter den Gästen waren auch der ehemalige Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft, Axel Friese, und der ehemalige hessische Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel – beide sind seit Jahren Mitglieder des Kasinos. Von Dr. Karl Schilling

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