Archäologe erklärt anhand von Fundstücken die Geschichte der Menschheit

Blick in Alltag der Steinzeitmenschen

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Feuerstein war ein wertvolles Arbeitsmaterial in der Steinzeit. Wulf Hein hatte ein prächtiges Exemplar mitgebracht.

Korbach - Wie haben die ersten Menschen gelebt, womit ihre Kleidung genäht, ihre Nahrung gejagt und Feuer gemacht?

Im Rahmen des Internationalen Museumstages demonstrierte der praktische Archäologe Wulf Hein im Wolfgang-Bonhage-Museum zahlreiche antike Techniken und Werkzeuge, die er selbst rekons­truiert hatte.

Die Bandbreite reichte von der kleinen Nähnadel aus Mammut­elfenbein über Kunstwerke bis hin zu Jagdwaffen wie der Speerschleuder oder frühen Formen des Bogens. Die unterschiedlichen Waffen und die Epochen, in denen sie zum Einsatz kamen, erzählten zugleich die Geschichte der Menschheit.

Der auf Nachbauten für Museen spezialisierte Archäologe verdeutlichte dies am Beispiel von Funden, mit denen die europäischen Archäologen lange Zeit nichts anfangen konnten. Erst eine Reise auf den fünften Kontinent brachte unverhoffte Aufklärung über die Verwendung der seltsam gebogenen unterarmlangen Stöcke mit den Hörnern am Ende. Denn die Abo­rigines benutzen immer noch Speerschleudern, mit denen sich die Wurfweite dieser Waffen auf bis zu 180 Meter verlängern lässt.

Die ideale Wurfweite für die Jagd liegt bei 25 Metern, auf diese Entfernung hatten die urzeitlichen Jäger die höchste Trefferquote, so Hein, der auch erklärte, warum Speerschleudern in Europa in Vergessenheit gerieten. Mit dem Klimawandel und der Entstehung von Wäldern wurde die Speerschleuder unpraktisch, der immer noch bekannte Bogen dagegen die viel bessere Jagdwaffe.

Elfenbein und Feuerstein waren die wesentlichen Werkzeugmaterialien der Steinzeitmenschen, die Arbeit damit war aber sehr zeitintensiv, wie Hein beim Selbstversuch mit der Rekons­truktion des Vogelherd-Pferdchens feststellte (in der Vogelherdhöhle in der Schwäbischen Alb wurden zahlreiche Kunstwerke aus der Steinzeit entdeckt, berühmt ist die Nachbildung eines Pferdes). Die Herstellung der Miniatur mit Feuerstein als Werkzeug nahm 30 Stunden in Anspruch.

Mit zahlreichen Demonstrationen und faszinierenden Hintergrundgeschichten aus der archäologischen Praxis verging die Zeit wie im Flug. Zur abschließenden Demonstration, wie die Menschen einst mit Feuerstein, Pyrit (Katzengold) oder Zunder Feuer machten, ging es hinaus in den Hof und Kinder und Erwachsene sahen fasziniert dabei zu, wie Wulf Hein mit den in freier Natur vorkommenden Materialien Stroh in Brand setzte.

Zum Abschluss gab Hein noch lange und ausführlich Auskunft auf die Fragen der Besucher und verteilte Geschenke an Jäger und Sammler. (ahi)

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