Günther Treptow überzeugt mit dem emotionalen Stück „Dienstags bei Morrie“ in der Stadtbücherei

Blick auf die wirklich wichtigen Dinge

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„Du weißt, dass du sterben wirst, also lebst du intensiver. Verdrängst du es, bleibst du immer unglücklich.“ Das machte Günther Treptow mit „Dienstags bei Morrie“ klar.

Korbach - „Und die Zeit wurde etwas unendlich Kostbares“: Morrie wird sterben, das ist sicher. Kurz vor seinem Tod trifft er sich mit seinem ehemaligen Schüler Mitch. Mit dem Stück „Dienstags bei Morrie“ berührt Günther Treptow in der Stadtbücherei.

„Jeder weiß, dass er stirbt, aber keiner glaubt daran. Täten wir es, würden wir ganz anders handeln.“ Morrie war Lehrer am College. Nun sitzt er im Rollstuhl mit der Gewissheit, dass er sterben wird. In den letzten Wochen seines Lebens nimmt sein einstiger Schüler Mitch wieder Kontakt zu ihm auf und es entwickeln sich lehrreiche Stunden, „Dienstags bei Morrie“.

Als Ein-Personen-Stück führte der österreichische Schauspieler und Regisseur Günther Treptow den Roman von Mitch Albom in der Korbacher Stadtbücherei auf - und berührte gut 90 Zuschauer. Mitch ist Journalist, er steht mitten in Leben, als er durch Zufall von der unheilbaren Erkrankung seines ehemaligen Mentors Morrie erfährt. Der ist zunächst bestürzt über sein nahendes Lebensende, arrangiert sich aber immer mehr mit dem Gedanken, bald zu sterben und blickt weise und kritisch auf das Leben.

Diesen zwei Personen haucht Günther Treptow Leben ein und verleiht ihnen unverwechselbare Charaktere. Mitch ist jung, dynamisch, wandelt sich aber im Laufe des Stücks und sieht die Welt immer mehr mit den Augen seines Mentors. Morrie spricht mit tiefer Stimme, bestimmt und voll Wärme.

Leben und lieben lernen

Bei ihren wöchentlichen Treffen erinnern sich die zwei Männer immer wieder an ihre Kindheit, an prägende Momente mit ihren Familien, in denen nicht immer alles rund lief. Vor allem Mitch nimmt sich vor, das schlechte Verhältnis zwischen ihm und seinem kranken Bruder zu klären. „Denn wenn du weißt, wie man stirbt, dann lernst du auch, wie man lebt“, erklärt Morrie. Die Gesellschaft orientiere sich zu sehr an materiellen Dingen, die Menschen seien zu oft zu nachtragend und verlören den Blick auf das Wesentliche. „Weißt du, was das wichtigste ist, was mich die Krankheit lehrt?“, fragt Morrie eines Tages. „Wie man Liebe gibt und wie man sie in sich hineinlässt.“ Die Liebe sei der einzige rationale Pakt und eine Herausforderung. Morrie akzeptiert seine voranschreitende Hilflosigkeit und Abhängigkeit. „Ich schließe die Augen und werde zum Kind. Ich genieße die Geborgenheit, die bedingungslose Liebe und die Aufmerksamkeit“, erklärt er Mitch. Hilfe - die benötige der Mensch augenscheinlich am Anfang und am Ende seines Lebens. „Aber in Wirklichkeit ist es die Zeit dazwischen, in der wir am meisten aufeinander angewiesen sind.“

Einander und sich selbst zu vergeben, auf andere einzugehen, Gefühle zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen, das rät Mitch seinem Schüler zum Ende. „Solange wir einander lieben, können wir sterben, ohne wirklich wegzugehen“, findet Morrie. Fünf Tage darauf stirbt er.

Es ist ein emotionales Stück, der Tod ist allgegenwärtig. Aber „Dienstags bei Morrie“ ist keinesfalls schwere oder belastende Kost, im Gegenteil. Es punktet mit Humor und Leichtigkeit an den richtigen Stellen, Lebensweisheiten und positiven Erkenntnissen, die die Dramatik mildern und überschatten. (nic)

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