Dresdner Kreuzchor begeistert Publikum in der Korbacher Nikolaikirche

Blütenrein intonierter Chorgesang

Korbach - Der Auftritt der Dresdner „Kruzianer“ – so werden die Chormitglieder salopp genannt – in der Nikolaikirche, war einer, vielleicht der Höhepunkt der diesjährigen Korbacher Orgelwoche, die am Sonntag mit einem Abendgottesdienst unter Mitwirkung des Posaunenchores und der Evangelischen Kantorei zu Ende geht.

Eindrucksvoll ist der Terminkalender des Knabenchores: War er noch Anfang Oktober im Rahmen der Brucknerfestspiele im österreichischen Linz, so reisen die jungen Sänger Ende Oktober für sechs Konzerte nach China, dazwischen noch schnell eine in Korbach beginnende Deutschlandtournee mit zehn Konzerten in elf Tagen. Sie tragen einen großen Namen, sind bekannt und gefragt, und so nimmt es nicht Wunder, dass die Nikolaikirche am Donnerstagabend gut gefüllt war, nicht nur mit Korbacher Musikfreunden; auch aus den Nachbarkreisen waren viele Zuhörer gekommen, die sich den Auftritt des Dresdner Chores, der in der ersten Liga der Knabenchöre spielt und in einem Atemzug mit den Leipziger Thomanern und den Regensburger Domspatzen genannt wird, nicht entgehen lassen wollten. Und sie bekamen alles geboten, was man von einem Spit­zensemble erwartet: blütenreine Intonation, präzise Einsätze, große Textverständlichkeit. Dazu das ganz besondere Timbre junger Stimmen: glockenklare Soprane, warme Altstimmen, helle Tenöre, sicher grundierende Bässe und mit Kreuzkantor Roderich Kreile einen Dirigenten, der seine „Kruzianer“ unaufgeregt, souverän, mal fordernd, mal fördernd sicher über alle Fährnisse der durchaus anspruchsvollen Partituren führte. Die Dresdner boten großen Chorgesang, aber es war auch „Musica Sacra“, Gottesdienst und Verkündigung. Es war Musik zum Lobe Gottes („Jubilate Deo“ – Giovanni Gabrieli, „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ – Heinrich Schütz, „Jauchzet dem Herrn“ – Heinrich Schütz); es ging um Gottvertrauen („Deus noster Refugium“ – Hans Leo Haßler) Demut im Gebet („Wende Dich, Herr, und sei mir gnädig“ – Johann Hermann Schein, „Unser Vater im Himmel“ – Gottfried August Homilius), um die Auferstehung Jesu („Christus resurgens“ – Felice Anerio), um das letzte Abendmahl („Unser Herr Jesus Christus“ – Heinrich Schütz); im Wesentlichen Kompositionen ehemaliger Kreuzkantoren und Kapellmeister am sächsischen Hof zwischen 1600 und 1800. Dass die Kruzianer aber auch in der Moderne zu Hause sind, zeigte die Interpretation von Günther Ramins „Herr, höre mein Gebet“, eine Motette für vierstimmigen Chor. Günther Ramin war bis 1956 Thomaskantor und Urgroßvater von Johannes Lang, der mit zwei Orgelbeiträgen – Joh. Seb. Bach, Präludium und Fuge e-moll (BWV 548) und Matthias Weckmanns (1616-1674) Toccata III – den Auftritt des Chores ergänzte. Johannes Lang, immerhin 1. Preisträger des Bachwettbewerbs 2012, war voll des Lobes für den Klang der Nikolai-Orgel: „Eine perfekte Stimmigkeit zwischen Klang und Raum“. Und auch Kreuzkantor Roderich Kreile äußerte sich anerkennend über die Akustik von St. Nikolai: „Gut für die Sänger und gut für die Zuhörer“.Natürlich kommt ein Spitzenchor wie die Dresdner nicht ohne Zugabe davon: ein „Vater Unser“ des Franzosen Xavier Darasse. Der Korbacher Dr. Peter Roy, der maßgeblich am Zustandekommen dieses Konzerts mitgewirkt hat, habe diese Komposition dem Chorleiter empfohlen, und man habe sie gerne in das aktuelle Tourneeprogramm aufgenommen. Als „Merci“ gewissermaßen.

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