Oktoberfest der Korbacher Hanse mit buntem Programm und verkaufsoffenem Sonntag

Bräuche von Isar, Eder und Diemel

Korbach - Ein kleines Stück Bayern brachte das Oktoberfest der Korbacher Hanse nach Korbach – heimische Bräuche, Künstler und Geschäfte kamen aber alles andere als zu kurz.

Der Geruch von Sauerkraut und Haxen lag in der Luft, Alphörner erklangen, und allenthalben waren Frauen, Männer und Kinder in Trachten zu sehen: Die Korbacher Hanse feierte am Wochenende ihr Oktoberfest.Auf dem Platz am Berndorfer Tor befand sich ein kleines, aber stimmungsvolles Festgelände, schon von weitem war das Spiel der Diemelhörner zu hören – Alphörner wurden als Kommunaktionsmittel zwischen Hirten geschaffen, erklärte Uwe von Hagen. Schäfer lockte die Musik zwar nicht an, aber zum Fassanstich war dennoch ein gut gelauntes Publikum anwesend. Die Ehre, das Freibier anzustechen, übernahm Magistratsmitglied Wilhelm Kappelmann für Bürgermeister Klaus Friedrich.

Ein wenig Bayern im „Loch“

Über die Übernahme bayrischer Eigenarten schmunzelte er: „Ich dachte immer, wir wären ein bisschen schlauer als die Bayern, aber wir feiern auch ein Oktoberfest Anfang September.“ Indes fanden sich im Rahmenprogramm die Gebräuche an Eder und Diemel ebenso wieder wie die von südlich des Mains: Ein Höhepunkt war das Sommerkonzert der Diemelspatzen. Das Hauptorchester der Akkordeonmusikanten bot ein Repertoire vom amerikanischen Marinemarsch über brasilianische Rhythmen bis zu internationalen Sommerhits, begann aber mit einer Polka: „Wir spielen ganz bewusst querfeldein, damit auch etwas volkstümliches dabei ist“, erklärte Dirigent Hans-Cornelius Petersen. Mit kleinen Pausen spielten sie am Samstag vier Stunden. Insgesamt neun Stunden unterhielten „Die Schröders“ aus Medebach die Menschen in der Fußgängerzone. Die Geschwister Carina und Michael vereinten in ihrem Programm Schlager und Volksmusik.Aus der Hansestadt selbst zeigten die neun bis 13 Jahre alten Mädchen der Twirlingabteilung des TSV ihr Können: Einzeln, in Duos und letztlich alle zusammen wirbelten sie ihre Stöcke durch die Luft – und blieben mit ihren Choreographien selbst ständig in Bewegung.

Einen Brauch aus dem Edertal brachten die Peitschenknaller der Feuerwehr Birkenbringhausen auf das Oktoberfest. Mit der ohrenbetäubenden Tradition sollten ursprünglich böse Geister von jungen Frauen ferngehalten werden, bis heute beteiligen sich daran Männer von 17 bis 75 Jahren. Aus dem Edertal kamen auch die Traktoren des Clubs „Schwarze Wolke“, die neben denen der „Schlepperfreunde Korbach-Ziegelgrund“ die Prof.-Bier-Straße säumten. Kleinere Traktoren oder Lebkuchenherzen bastelten die jüngsten Festgäste – wenn sie nicht Karussell fuhren, naschten, sich bunte Muster ins Gesicht schminken ließen oder am Malwettberb „Korbachs Oktoberfestkuh 2014“ teilnahmen.Ein anderer Wettbewerb betraf die schönste Festtracht des Wochenendes, der Gewinner wird noch von einer Jury ausgewählt. Fest steht auch noch nicht, für welche wohltätigen Zweck die Einnahmen vom Getränkestand des Lions-Clubs und vom Wettnageln gehen.

Hansevertreter zufrieden

Die Fahrzeugschau der Autohäuser Beil und Jesinghausen und der Korbacher Automobilgesellschaft schmückte die Bahnhofstraße, lud aber nicht zu Spontankäufen ein. Anders sah das am verkaufsoffenen Sonntag besonders in den Modegeschäften der Stadt aus, die einen guten Umsatz machten: „Die Kunden haben an solchen Tagen mehr Ruhe“, erklärte Judith Krobok: „Familien kommen gemeinsam in den Laden, und kaufen ganz entspannt ein – auch die Männer.“ Für einen leichten Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr machte Manhenke-Chef Rainer Ueberson den gute Wetter verantwortlich: „Es ist etwas warm für Herbstsachen.“ In manchen Geschäften war die Bilanz indes durchwachsen: Heike Lundt von der Parfümerie Aurel erklärte etwa, dass viele Kunden gerne durch die Läden schlendern, bei ihr aber nur wenige etwas gekauft hätten. Für Lederwarenhändlerin Marion Heinemann lief das Geschäft in den sechs Stunden „etwa wie an einem halben Samstag“ – nicht schlecht, aber die Kaufkraft sei im Herbst tendenziell etwas niedriger. Konkurrenz durch andere verkaufsoffene Sonntage – etwa in Bad Wildungen – und das „ununterbrochen geöffnete Internet“ machte Meike Herbertz vom gleichnamigen Schuhhaus als Gründe für durchwachsene Geschäfte aus: „Von unseren heutigen Umsätzen sind wir nicht begeistert, aber wir sind gerne dabei.“Insgesamt ist das Fazit der Hanse positiv: „Es ist super gelaufen – für Betriebe, Schausteller und Kunden“, stellte der Vorsitzende Jürgen Tent fest. Das Oktoberfest habe sich bewährt und sorge im Einzelhandel für guten Umsatz. Er freue sich schon darauf, das Fest im nächsten Jahr erneut zu feiern. (wf)

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