Investitionen und neue Geschäfte bringen Schwung in den Handel, doch vor Woolworth weiter Leerstand

Bretterverschlag hinter Christbäumen

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Der frühere Greko-Laden im Herzen der Fußgängerzone steht seit zweieinhalb Jahren leer – obwohl es reichlich Interessenten gibt. Um Druck zu entfachen, will die Stadt zumindest die Glaspavillons hinter den Christbäumen abreißen lassen.

Korbach - Millionenschwere Investitionen und neue Geschäfte haben Impulse auf Korbachs Einkaufsmeile gebracht - nicht nur im Umfeld des Bahnhofs. Wird auch der zentrale Leerstand bei Woolworth/Greko endlich beseitigt?

Wohl dem, der einen langen Atem hat. Mitten in Korbachs Fußgängerzone, Top-Lage des heimischen Einzelhandels, herrscht im früheren Greko-Laden seit zweieinhalb Jahren gähnende Leere. Dabei fehlt es offenbar keineswegs an Interessenten, um diesen Gebäudekomplex rund um Woolworth auf Vordermann zu bringen. Doch im Hintergrund stehen komplizierte mietrechtliche Verträge und ein internationaler Finanzinvestor, die auf Korbachs 1A-Lage lähmend wirken.

Über die mächtige Immobilie im Herzen der Innenstadt herrscht seit 2007 eine holländische Tochterfirma der amerikanischen Cerberus-Gruppe. Der Woolworth-Konzern steckte damals in finanziellen Schwierigkeiten. Also übernahm Cerberus die Immobilienverträge, und Woolworth wurde zum langfristigen Mieter.

Schub für die Einkaufsmeile

Die Korbacher Innenstadt hat sich seither deutlich entwickelt. Der Umbau bei Schreiber und die neue Treppe haben dem Berndorfer Tor ein modernes Gesicht gegeben. Die Leerstände nach der großen Schlecker-Pleite sind in der Hansestadt durch Investitionen und neue Geschäfte beseitigt - von der Klosterstraße über die Prof.-Bier-Straße bis in die Bahnhofstraße. Auch die Prof.-Kümmell-Straße hinauf zur Altstadt hat sich durch Renovierungen und neue Geschäfte gemausert.

Parallel ist aus Gewerberuinen am Güterbahnhof ein völlig neues Stadtviertel in Verbindung zur Fußgängerzone entstanden. Und schließlich soll die City-Passage in der unteren Bahnhofstraße 2014 für einen großen neuen Mieter (Drogeriemarkt/Schreibwaren) gründlich modernisiert werden.

All das haben heimische Grundbesitzer und Investoren in der Hansestadt auf die Beine gestellt. Doch mit der Entfernung zu Korbach scheint auch der Esprit für die Stadtentwicklung verloren zu gehen. Im Woolworth-Komplex, der von internationalen Investoren dirigiert wird, bewegt sich jedenfalls bislang nichts.

Stillstand vor Woolworth

Dabei geht es beim Grund und Boden vor allem um Erbbaurechtsverträge und Dauernutzungsrechte mit heimischen Grundbesitzern. Die auf 50 Jahre fixierten Vereinbarungen laufen nach WLZ-Recherchen erst im Sommer 2022 aus. Und es wird noch verzwickter: Vermarktung und Verwertung der Immobilie hat Cerberus wiederum an die ACREST Property Group mit Sitz in Berlin übertragen.

Soll der frühere Greko-Laden neben Woolworth mit seinen leeren Schaukästen mitten auf der Einkaufsmeile also noch fast zehn Jahre dem Verfall preisgegeben werden?

Glaskästen abreißen

Nach WLZ-Informationen bestehen Pläne, den gesamten Woolworth-Komplex für rund sechs Millionen Euro zu modernisieren. Etliche Filialisten haben dabei Interesse als mögliche Mieter bekundet - ob „H & M“, „New Yorker“ oder ein Drogeriemarkt.

Die Investitionssumme und Mietinteressenten will Anne Mertke von ACREST auf WLZ-Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. „Aber wir hatten und haben namhafte Interessenten“, erklärt sie: „Wir sprechen von einer massiven Größenordnung.“ Zumal die Immobilie „ein bestimmtes Alter“ erreicht habe.

Doch die angepeilte Investition macht aus Mertkes Sicht „wirtschaftlich keinen Sinn“, solange mit den Grundbesitzern in Korbach keine günstigeren Bedingungen für Pacht und Nutzungsrecht vereinbart werden könnten. Die Konditionen seien zu kostspielig.

„Wir sind gesprächsbereit“, betont Anne Mertke. Ein neuer Anlauf bei den Planungen könnte im Januar folgen, signalisiert sie, denn die „Transaktionsabteilung“ bei ACREST wolle sich verstärkt weiterer Immobilien aus der Woolworth-Hinterlassenschaft annehmen.

Im Visier der Stadt Korbach ist das Gebäude in Top-Lage ohnehin seit Jahren. Greko wollte 2011 gerne in Korbach bleiben, doch dem Textilhändler aus Mönchengladbach waren die Mietpreise der Cerberus-Gruppe zu hoch. Also gaben sie den Standort auf.

Auch mehrfache Anläufe der Stadt, mit den Vermittlern in Berlin eine Lösung zu finden, seien bislang ergebnislos verlaufen, schildert Bürgermeister Klaus Friedrich. Inzwischen haben die Gespräche offenbar eine ganz neue Wendung genommen: Die Stadt will den juristischen Weg beschreiten, um zumindest die Glaspavillons abreißen zu lassen, die in die Fußgängerzone hineinragen.

Insgesamt geht es um vier Vorbauten für Schaufenster: zwei für Woolworth und zwei leer stehende, die ehemals Greko zur Dekoration nutzte. Woolworth sei dazu bereit, die Pavillons aufzugeben, sagt einer der heimischen Grundbesitzer. Nur von ACREST sei bisher keine Antwort erfolgt, erklärt Rathauschef Friedrich.

Ursprung ist ein altes notarielles Angebot von Woolworth. Der Kaufhaus-Konzern bot damals der Stadt eine Nutzung der Pavillons bis 2006 an. Denn die Glaskästen stehen auf städtischer Fläche.

Vor dem früheren Greko-Laden sind die Pavillons in Korbachs Top-Lage inzwischen zu Bretterverschlägen mutiert, gesäumt von Christbäumen zur Adventszeit. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - hoffentlich stehen bald auch neue Mieter vor der Tür.(jk)

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