Gemeinde strebt größere Versorgungssicherheit an

Briloner Wasser fürs Upland

+
Die Wasserentnahmestelle am Unterlauf der Schmalah bei Brilon-Wald. Sie befindet sich kurz hinter der Eisenbahnbrücke am Abzweig nach Olsberg. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen/Brilon - Die Uplandgemeinde möchte ihre Wasserversorgung auf ein weiteres Standbein stellen und in Zukunft auch Briloner Wasser beziehen. Bürgermeister Thomas Trachte: „Die vertraglichen Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet werden.“

Im Bereich der Gemeinde Willingen(Upland) beläuft sich der durchschnittliche Wasserverbrauch auf etwa 625000 Kubikmeter im Jahr. Die mittlere Schüttung der eigenen zwölf Trinkwasserquellen beträgt zirka 500000 Kubikmeter, so dass die Gemeinde seit langem schon auf die Zulieferung von Wasser aus der Enser Scholle durch den Wasserbeschaffungsverband Upland angewiesen ist. Der angestrebte Bezug von Briloner Wasser soll das Enser Wasser nicht etwa ersetzen, sondern zusätzliche Versorgungssicherheit schaffen.

Die Idee zu einer Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Brilon wurde bereits vor Jahren geboren. Bürgermeister Thomas Trachte hat schon vor einiger Zeit im Gespräch mit dem langjährigen Bürgermeister der westfälischen Nachbarstadt, Franz Schrewe, der vergangenes Jahr in den Ruhestand getreten ist, die ersten Weichen gestellt. Wie Trachte am Dienstag bei einem Ortstermin an der Wassergewinnungsanlage Schmalah berichtete, ist das Vorhaben noch nicht ganz in trockenen Tüchern, soll jedoch sobald wie möglich - eventuell schon 2016 - in die Tat umgesetzt werden.

Es ist vorgesehen, dass die Briloner Stadtwerke eine knapp vier Kilometer lange Leitung nach Willingen bauen. Die Investition soll durch den Wasserverkauf refinanziert werden. Trachte geht davon aus, dass der Wasserbezugspreis nicht höher sein wird als beim Wasserbeschaffungsverband Upland.

Der Ortstermin kam auf Initiative der Upländer SPD-Kommunalpolitiker und ihrer Briloner Kollegen zustande, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch treffen. Axel Reuber (Vorstand der Stadtwerke Brilon) und der Leiter des Technik-Bereichs, Christian Finger, informierten die Besucher über das Unternehmen, das 28000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Darüber hinaus fallen die Lieferung von Erdgas, Strom und Wärme sowie die Entsorgung des Abwassers in den Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke. Zu den weiteren Aufgaben gehört beispielsweise der Tiefbau. Die Stadtwerke Brilon haben über 50 Mitarbeiter. Der jährliche Umsatz beläuft sich auf etwa 20 Millionen Euro.

Im Bereich der Wasserversorgung sorgen 330 Kilometer Verbindungsleitungen für die Verteilung. Derzeit werden täglich 4500 bis 7000 Kubikmeter Wasser verteilt. Insgesamt fördern die Stadtwerke Brilon rund 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr, davon 1,2 Millionen im Bereich der Schmalah. Im dortigen Wasserwerk sorgen modernste Filtertechnik und UV-Desinfektion für ausgezeichnete Wasserqualität, die intensiv überwacht wird.

Hintergrund

Die Schmalah – ein kleines Gewässer mit großer Bedeutung: Der Bach und die Tiefbrunnen bei Alme decken einen Großteil des Wasserbedarfs in Brilon und seinen Stadtteilen. Darüber hinaus gibt es noch mehrere kleinere Wassergewinnunganlagen. Die Schmalah entspringt im Bereich des Richtplatzes, also gar nicht weit entfernt vom Weltcup-Ort. „Vielleicht ist es ja Willinger Wasser und wir bekommen beim Bezug später mal einen kräftigen Rabatt“, scherzte ein Kommunalpolitiker am Dienstag beim Ortstermin im Wasserwerk. Doch ein Blick ins Internet macht diese Hoffnung zunichte. Der Bach entspringt in der Gemarkung Bruchhausen, etwa 100 Meter von der Landesgrenze entfernt, und er fließt ausschließlich durch nordrhein-westfälisches Gebiet. Nach gut sechs Kilometern mündet er kurz vor Brilon-Wald in die Hoppecke. Die Stadtwerke Brilon entnehmen an zwei Stellen Wasser: aus der fließenden Welle im Oberlauf und im Bereich des Wasserwerks, das kurz hinter dem Abzweig der in Richtung Bruchhausen und Elleringhausen/Olsberg führenden Straße liegt. Für die Sicherstellung der Wasserversorgung in niederschlagsarmen Zeiten sorgt eine als Pufferbecken dienende Talsperre mit einem Fassungsvermögen von rund 110000 Kubikmetern. Die Stadtwerke haben in letzter Zeit 1,7 Millionen Euro in die Aufbereitungstechnik investiert.

Von Ulrike Schiefner

Kommentare