Bietet Hilfe: Uwe Kretschmer ist neuer Flüchtlingsberater des Diakonischen Werks

Bürokratie überfordert viele Asylbewerber

Korbach - Flüchtlinge erhoffen sich in Deutschland Frieden und Arbeit. Doch in der Realität erweist sich das Leben für Asylbewerber als schwierig. Flüchtlingsberater Uwe Kretschmer hilft im Umgang mit Behörden und im Alltag.

Der Asylantrag ist abgelehnt, einer Familie droht die Ausweisung: Gleich am ersten Arbeitstag muss sich Uwe Kretschmer (30) in die Vollen stürzen und eine Petition an den Hessischen Landtag auf den Weg bringen. Sie verschafft der Familie zumindest Zeit: Solange das Papier im Ausschuss zur Bearbeitung liegt, wird sie nicht ausgewiesen. Seit 1. Juli ist Kretschmer neuer Flüchtlingsberater des Diakonischen Werks Waldeck-Frankenberg. Er folgt auf Rufus Böhringer, der in den Ruhestand gewechselt ist. Der Beratungsbedarf ist groß: „Ich führe etwa 20 Gespräche in der Woche“, sagt der studierte Politikwissenschaftler und Soziologe. „Im Moment gibt es viele neue Asylbewerber, ich übernehme aber auch noch etliche Verfahren, die sich schon seit Jahren hinziehen“, sagt Kretschmer. Wer Asyl beantragt, ist erst einmal nur in Deutschland geduldet. Das eigentliche Asylverfahren dauert viele Monate, manchmal Jahre. In dieser Zeit können die Flüchtlinge keine Zukunftsperspektive entwickeln. „Es gibt Menschen, die seit zehn Jahren im Landkreis leben, aber nur eine Duldung haben und keine Aufenthaltserlaubnis“, macht Kretschmer deutlich. Der gebürtige Friedberger, der zuletzt in Wiesbaden gelebt hatte, kennt sich mit den Problemen der Flüchtlinge schon seit vielen Jahren aus. Über ein Praktikum in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen kam er zur Flüchtlingsarbeit. Zwei Jahre lang arbeitete er im Rheingau in einer Wohngruppe für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Außerdem half er zwei Jahre ehrenamtlich in der Flüchtlingsberatung. Viermal in der Woche bietet Kretschmer wie sein Vorgänger wechselnd in Bad Arolsen, Frankenberg, Bad Wildungen und Korbach feste Sprechstunden an (siehe Hintergrund). Neu ist, dass er auch von montags bis dienstags per Handy erreichbar ist. Wenn die Flüchtlinge den Berater um Hilfe bitten, geht es meist um abgelehnte Asylverfahren, Familienzusammenführungen, Übersetzungen von behördlichen Papieren und Entscheidungen. Vor allem mit der Bürokratie des Rechtsstaates Deutschland sind die Asylbewerber oft völlig überfordert. Überall müssen Anträge gestellt, Formulare ausgefüllt werden, beim Sozialamt, der Ausländerbehörde, bei Krankheit. Halten sie sich nicht daran, aus welchen Gründen auch immer, wirkt sich das nachteilig auf das Asylverfahren aus. „Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Sozialarbeiter, Rechtsanwalt, Stadt und Ausländerbehörde. Alles, was die nicht machen können und schaffen, das mache ich“, beschreibt Kretschmer seine Aufgabe. Wichtig sei den Flüchtlingen insbesondere, dass er eine Schweigepflicht gegenüber den Behörden habe, unabhängig und kostenlos sei. Aber auch das Hilfsangebot selbst ist mehr denn je auf Unterstützung angewiesen: Das Diakonische Werk hat die Flüchtlingsberatung von einer auf eine Dreiviertelstelle reduziert. Das Kreiskirchenamt in Korbach nimmt Spenden entgegen. Kretschmer kann sich aber auch ideelle Hilfe vorstellen: „Aus Gießen und Friedberg kenne ich einen Ehrenamtlichenkreis um die Flüchtlingshilfe, in Wiesbaden gibt es ein Patenschaftsmodell.“Spendenkonto: Kreiskirchenamt, Konto-Nr. 1100106 bei der EKK Kassel, Bankleitzahl 520 604 10, Stichwort: DWE; Flüchtlingsberatung. Das Stichwort muss unbedingt angegeben werden, damit die Spenden richtig zugeordnet werden können.

Kontakt: Mail: fluechtlingsberatung@dwwf.de Mobil: 0151/65644567 (Montag bis Donnerstag von 9 bis 15 Uhr)Sprechzeiten: Immer 11 bis 13 Uhr. Montags: Rauchstraße 2, Bad Arolsen. Dienstags: Auf der Burg 11, Frankenberg. Mittwochs: Kirchplatz 9, Bad Wildungen. Donnerstags: Prof-Bier-Straße 2a, Korbach.

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