Neues Technologiezentrum: 40 Millionen Euro festigen den Standort Korbach

Conti zeigt Profil der Zukunft

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Korbach - Das neue Conti-Technologiezentrum in Korbach soll weltweit Maßstäbe setzen für die Pkw-Reifenproduktion - und in Korbach auch alle anderen Werksbereiche beflügeln.

„Vision 2025“ heißt der Kurs, den der Continental-Konzern (Hannover) weltweit für die Reifen-Division abgesteckt hat. Den Startschuss dafür hatte Reifen-Vorstand Nikolai Setzer schon im Frühjahr 2011 gegeben, als er Investitionen von über einer Milliarde Euro in den kommenden Jahren ankündigte.

Auch am Standort Korbach sind davon zuletzt jährlich rund zehn Millionen Euro im Schnitt angekommen, um die Reifenproduktion zu modernisieren. Dabei setzt die heimische Fabrik besondere Akzente in der Fertigung nordischer Winterreifen, die für harte Ansprüche in Skandinavien, Russland oder Nordamerika ihre Qualität entfalten. Korbach ist zugleich europäisches Logistikzentrum für die Verteilung von UHP-Reifen (Ultra High Performance), also breiten, großen Pneus für hohe Anforderungen.

Mit der geplanten Investition von rund 40 Millionen Euro in ein neues Technologiezentrum bekommt diese Sparte in Korbach künftig zusätzliche Bedeutung: Reifengrößen von 19 bis 22 Zoll, also „Ultra Ultra High Performance“ (U-UHP), wie sie im internationalen Fachjargon heißen.

Mini-Fabrik für neue Reifen

Dazu entsteht auf der Größe eines Fußballfeldes ein „Technikum“ samt Mini-Fabrik, die bis 2018 auf 400 000 Stück U-UHP-Reifen jährlich hochfahren soll, erläutert Werksleiter Lothar Salokat. 2014 wird der Neubau voraussichtlich beginnen, spätestens 2016 soll die Produktion anlaufen.

Wichtig ist dabei vor allem, was vor der Heizpresse passiert. Denn das Technologiezentrum in Korbach soll neue Produktionsprozesse ergründen, die Reifenkonstruktion verbessern, Verfahren optimieren - um diese zentral gewonnenen Erkenntnisse an die Conti-Reifenwerke international zu vermitteln. Selbst ein „Labor-Mischer“ ist vorgesehen, um spezielle Mixturen fürs Reifengummi in kleinen Mengen herzustellen. Denn Conti fertigt in Korbach jährlich rund zehn Millionen Pkw-Pneus. Da sind die 400 000 mächtigen „Schlappen“ für Sportwagen nur ein kleiner - aber wichtiger - Prozentsatz.

„Wir werden durch die Bündelung in Korbach auch an unseren anderen Produktionsstandorten für Entlastung sorgen und die Entwicklung neuer Hochtechnologie-Prozesse für unsere weltweiten Reifenwerke vorantreiben“, erklärt dazu Nikolai Setzer (Hannover), Chef der Reifen-Division im Vorstand der Continental AG.

Gemeinsam mit Betriebsrat

Werksleiter Salokat erwartet zugleich neue Erkenntnisse, die bei der Produktion von Zweiradreifen, Industriereifen und bei ContiTech (technische Schläuche) in Korbach ihre Wirkung entfalten können: „Es werden alle Bereiche voneinander profitieren.“ Überdies bringt die Investition bis 2018 über 60 neue hochwertige Arbeitsplätze am Standort Korbach mit seinen derzeit insgesamt rund 3350 Beschäftigten.

Das anspruchsvolle Projekt ist für die einzelnen Mitarbeiter gleichermaßen eine Herausforderung. Viele sollen (und wollen) sich weiterqualifizieren, um das erforderliche hohe Niveau in der Produktion zu erfüllen. Dies ist Teil der Vereinbarung mit dem Betriebsrat im Vorgriff auf das neue Technologiezentrum. Zudem soll der Spielraum für flexible Arbeitszeiten am Standort ausgedehnt werden. Solche Arbeitszeitkonten helfen, die Produktion mit der Nachfrage anzupassen - ohne Mitarbeiter zu entlassen.

All dies brachte entscheidende Punkte, damit sich der Standort Korbach im Kopf-an-Kopf-Rennen ums Technologiezentrum gegen das Werk in Otrokovice (Tschechien) durchsetzte.

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